Einer von drei Kandidaten: Martin Ohneberg, 49

© Foto: Luca Fasching/IV Vorarlberg/Luca Fasching

wirtschaft von innen
06/16/2020

Industrie-Wahlkämpfer Ohneberg: "Wir müssen zu den Besten gehören"

Der Vorarlberger IV-Chef will bei der Präsidentenwahl mit Mut zur Veränderung und einem Strategievertrag punkten.

von Andrea Hodoschek

Der Wahlkampf war intensiv, am 18. Juni wählen die 136 Vorstandsmitglieder der Industriellenvereinigung ihren neuen Präsidenten. Nach Georg Knill und Wolfgang Eder präsentiert Martin Ohneberg, Chef der Vorarlberger Industrie, im Interview mit dem KURIER seine Strategie.

KURIER: Zu Beginn eine unangenehme Frage. Sie bringen viele Pluspunkte mit, haben aber das Problem, dass gegen Sie in Zusammenhang mit dem derzeit umstrittenen Investor Michael Tojner ermittelt wird. Ganz schön mutig, für so eine Position zu kandidieren.

Martin Ohneberg: Stimmt, dieses Verfahren gibt es. Mittlerweile gibt es aber auch ein Gutachten des renommierten Strafrechtlers Univ.-Prof. Peter Lewisch, der bestätigt, dass an dem Vorwurf rechtlich nichts dran ist und mit einer Einstellung des Ermittlungsverfahrens zu rechnen ist. Hätte ich kein reines Gewissen, hätte ich nicht kandidiert.

Karriere Der 49-jährige Bregenzer war bis 2005 Geschäftsführer des  Dorotheums, wechselte dann als Finanzvorstand zur Soravia Group. 2011 übernahm er mehrheitlich das Technologieunternehmen Henn, im Bereich der Ladeluft Weltmarktführer, und ist Vize-Aufsichtsratschef des Verbund-Konzerns.

Team Ohneberg ist als Ex-Chef der Jungen Industrie bestens vernetzt. In seinem Team sind als Vize-Präsidenten Karin Exner-Wöhrer (Salzburger Aluminium), Karlheinz Strauss, CEO des Baukonzerns Porr sowie die IV-Landeschefs Christian Swarovski (Tirol), Timo Sprenger (Kärnten) und Peter Unterkofler (Salzburg)

Sind Sie mit Tojner geschäftlich verbunden?

Er hat eine Minderheitsbeteiligung an Henn und ich habe ein paar Anteile an seiner Schweizer Aluflexpack AG und bin dort Präsident des Verwaltungsrates.

Ihr Mitbewerber Knill sagt, es gebe keine Gräben in der Industrie. Etwas realitätsfern, oder?

Es ist die Frage, was man als Gräben bezeichnet. Es gibt unterschiedliche Positionen zur bisherigen und künftigen Amtsführung in der IV, dafür treten drei Kandidaten mit unterschiedlichen Zugängen an. Ich bin überzeugt, wir brauchen ein mutiges, positives Signal der Erneuerung und der Veränderung.

Sollte die Industrie nicht gerade in einer Krise wie dieser besonders geschlossen auftreten?

Die Industrie ist geschlossen in der Krise, aktuell gibt es aber einen Wettbewerb um die künftige Ausrichtung der IV. Am Ende des Tages werden wir alle das Beste für unsere Mitglieder machen. Da bin ich sehr optimistisch. Ich habe persönlich mit mehr als 100 Mitgliedern gesprochen und sehr positive Rückmeldungen zu meiner Kandidatur und meinem Team bekommen. Wir möchten unter Einbindung der Mitglieder und der Stakeholder sehr kurzfristig einen Strategievertrag aufsetzen und am Tag der Industrie am 10. Oktober präsentieren.

Was für ein Strategievertrag?

Ein Strategievertrag für ein wettbewerbsfähiges, lebenswertes Industrieland Österreich. Wir sind in wichtigen internationalen Rankings eher Mittelmaß, da muss man ehrlich sein. Wir müssen aber zu den Besten gehören. Wir brauchen eine klare industriepolitische Agenda und dafür braucht es eben Mut zur Veränderung.

Wer sind die Stakeholder?

Das sind in der IV die Mitglieder des Bundesvorstands und unsere Landesorganisationen. Wir müssen aber auch Expertise aus neuen Industrien einfließen lassen, die neu dazugekommen sind. Unser Motto: Orientierung an den Besten.

Expertise von Betrieben, die nicht bei der IV sind? Ist die IV zuwenig breit aufgestellt?

Da gibt es noch Potenzial, denn auch die Industrie hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Man muss die neue, moderne Industrie stärker ansprechen und ins Boot holen. Diese ist teilweise nicht in den Gremien vertreten. Die traditionelle Industrie kann viel von der jungen, modernen Industrie lernen. Wichtig ist ein Miteinander, egal ob kleine oder große Unternehmen.

In der Bevölkerung hat die Industrie nach wie vor keinen ihrer Bedeutung entsprechenden Stellenwert.

Wir wissen seit der Finanzkrise und spätestens seit der Corona-Krise, dass die Industrie der stabilisierende Anker der Volkswirtschaft ist. Trotzdem haben Tourismus und Landwirtschaft in der Bevölkerung oftmals einen höheren Stellenwert. Wir müssen unsere Kommunikation ändern, wir tun sehr viel Gutes, müssen aber noch mehr darüber sprechen. Wir müssen die Industrie in die Herzen der Menschen bringen. Die Industrie garantiert Wohlstand, Wachstum und am Ende sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze.

Anzunehmen, dass die Gewerkschaft bei den herbstlichen Lohnrunden statt Prozenten kürzere Arbeitszeiten fordern wird.

Kann gut sein. Aber die Gewerkschaft weiß auch, dass eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich eine weitere Belastung des Faktors Arbeit und kontraproduktiv wäre.

Wie hat die Regierung die Krise bisher gemanagt?

Sie hat schnell und grundsätzlich richtig reagiert. Die Kurzarbeit ist ein europäisches Vorzeigemodell, die Finanzierungshilfen und der Fixkostenzuschuss sind gute Instrumente. Dass es bei der Auszahlung hapert, ist mittlerweile bekannt, die Schweiz hat da deutlich viel schneller ausbezahlt.

Woran liegt das?

Am unterschiedlichen Zugang. In Österreich überlegt man zuerst, wie kann man vermeiden, dass drei oder vier Prozent der Betroffenen Missbrauch treiben. Das zeigt die Einstellung gegenüber der Wirtschaft und der Bevölkerung, da fehlt das Vertrauen. In der Schweiz zahlt man lieber schnell und unbürokratisch aus und rechnet damit, dass drei, vier Prozent nicht zweckgemäß verwendet wird. Der Wirtschaft hilft aber Geschwindigkeit.

Wann kommt die Industrie aus der Krise?

Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Bei der starken internationalen Vernetzung ist unter anderem entscheidend, wann die Nachfrage in unseren wichtigsten Absatzmärkten zurückkommt. Das hängt nur teilweise von konsum- und investitions-stimulierenden Maßnahmen in Österreich ab. Auch die Branchen sind sehr unterschiedlich betroffen. Die Verpackungs- und Lebensmittelindustrie weniger stark, die Maschinen-, Metall-, Elektronik- oder Automotiv-Industrie wesentlich stärker.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Um diesen Artikel lesen zu können, würden wir Ihnen gerne die Anmeldung für unser Plus Abo zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diese anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.