Wolfgang Eder geht bei der Kampfabstimmung nächste Woche ins Rennen

© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
06/10/2020

So will Top-Manager Eder Industrie-Präsident werden

Der ehemalige Voest-Chef kann mit Internationalität und Erfahrung punkten.

von Andrea Hodoschek

Am nächsten Donnerstag ist es soweit. Erstmals wird die Wahl des neuen Präsidenten der einflussreichen Industriellenvereinigung so richtig spannend. Denn erstmals gehen nach heftigem Hauen und Stechen und internen Lagerkämpfen drei Kandidaten ins Rennen. Wolfgang Eder, 68, langjähriger Ex-Chef des Technologie- und Stahlkonzerns voestalpine und einer der erfolgreichsten Manager des Landes, tritt gegen die Landespräsidenten Georg Knill (Steiermark) und Martin Ohneberg (Vorarlberg) an.

Neben den bekannten Industriethemen will Eder der IV ein neues Selbstverständnis verpassen und die internationale Karte ausspielen.

„Die Industrie ist der mit Abstand wichtigste Wirtschaftsfaktor, der größte Arbeitgeber des Landes und zahlt im breiten Branchendurchschnitt die attraktivsten Löhne und die höchsten Steuerbeiträge. Das kommt aber im Bewusstsein der Bevölkerung nicht an“, mahnt Eder eine neue, klare Ausrichtung“ ein. Die Industrie rangiere in der breiten Wahrnehmung hinter Tourismus, Kultur und Landwirtschaft.

Wenn das Chaos der letzten Monate etwas Positives gebracht habe, dann „die Notwendigkeit, ernsthaft über eine Weiterentwicklung von Österreichs einflussreichstem, freiwilligen Verband und dessen Governance nachzudenken“. Die IV hat 4500 Mitgliedsunternehmen. Die Rollenverteilung innerhalb der Organisation und nach außen müsse aber transparenter werden.

International sollte die IV präsenter und aktiver werden. Die Dynamik beim EU-Beitritt und bei der Osterweiterung sei großteils verpufft. Markus Beyrer, Österreicher und Chef des europäischen Arbeitgeber- und Lobbying-Verbandes Businesseurope , würde sich freuen, „wenn ihn Österreich mehr beansprucht“.

Eder kann mit seiner internationalen Erfahrung punkten. Er war mehr als 15 Jahre CEO der voestalpine und baute das ehemalige Linzer Staatsunternehmen zu einem globalen Technologiekonzern um. Er war Chef des europäischen Stahlverbandes Eurofer von Worldsteel, einem der weltweit größten Industrieverbände. Das ist insofern beachtlich, als die voestalpine international ein kleinerer Player ist.

Mit der hierzulande immer noch oft gelebten Provinzialität hat Eder so seine Probleme: „Es war leichter, bei Worldsteel die Interessen von China und Russland unter einen Hut zu bringen als in Österreich die Bundesländer.“

Politik

Kritiker werfen Eder einerseits mangelnde Nähe zur Politik vor, andererseits wird ihm in den Grabenkämpfen um die Nachfolge von Noch-IV-Chef Georg Kapsch unterstellt, er sei insgeheim SPÖ-Mitglied.

„Wer die österreichische Politik der 1980er- Jahre erlebt hat, entwickelt zwangsläufig eine gewisse Distanz“. Eder beobachtete damals als Vorstandsassistent das Debakel um die verstaatlichte Industrie aus der ersten Reihe. Aber, schränkte er jetzt vor einer kleinen Medien-Runde ein, „die Politik hat seither dazugelernt“ und er habe daher seine Einstellung zur Politik auch geändert. Bei einer Partei, betont er, „war ich nie“.

Über die Folgen der Corona-Krise ist der krisengestählte Eder nicht ganz so pessimistisch wie manche seiner Industrie-Kollegen. Die Bewältigung dieser Krise aber schaffe niemand alleine, „nicht die Politik, nicht die Wirtschaft und Gesellschaft, nicht einmal Österreich“.

Hoffungsschimmer

Einige Branchen würden bereits wieder Hoffnung schöpfen, Eder rechnet mit den ersten, spürbar positiven Effekten nach dem Sommer. Im Lauf des Jahres 2021 erwartet der Top-Manager „eine deutliche Beruhigung“.

Eine Diskussion über Erbschafts-, Vermögens- und Schenkungssteuern sei jetzt besonders kontraproduktiv. Die Vermögen in Österreich seien großteils in Unternehmen investiert. Grundsätzlich hält Eder das Ziel einer Steuerquote von unter 40 Prozent für sinnvoll. Die durch Ausgabenscreening und konsequente Effizienzsteigerung der öffentlichen Verwaltung freiwerdenden Mittel sollten zuerst zur Steuerentlasung niedriger Einkommen verwendet werden. Und später für die Entlastung höherer Einkommensgruppen.

„Klimavernunft“

In Sachen Klimaschutz, der wichtigsten Herausforderung für die Industrie, plädiert Eder für „Klimavernunft. Was nützt es, wenn wir Klimavorreiter sind und in der Industrie die Arbeitsplätze Schritt für Schritt verloren gehen“.

Es sei nicht die Aufgabe der IV, Gesellschaftspolitik zu betreiben, sondern für ihre Klientel die bestmöglichen Voraussetzungen zu schaffen, betonte Eder. Weniger Angst vor der Zukunft würde Österreich durchaus gut tun. „Die Zukunft ist besser als ihr Ruf“.

Von der Staatsfirma zum globalen Konzern

Der 68-Jährige  Oberösterreicher ist Voest-Urgestein und erlebte durchaus wechselvolle Zeiten. Der Jurist begann 1978  als Mitarbeiter der Rechtsabteilung. Er koordinierte den Börsegang und wurde  1995 in den Vorstand berufen. Sein schönster Tag im Unternehmen war im Jahr 2005, sagte er, als die voestalpine vollständig privatisiert wurde. Damit war das Unternehmen endlich unabhängig von politischen Zurufen und Wünschen.

2004 stieg der Vater zweier erwachsener Kinder zum Vorstandsvorsitzenden auf. Im Vorjahr übergab er an Nachfolger Herbert Eibensteiner und wechselte ohne Cooling-off-Phase direkt in den Aufsichtsrat. Eder steht  außerdem an der Spitze des Infineon-Aufsichtsrates.  

Expansion

Als Eder die Führung der voestalpine übernahm, setzte der Konzern rund vier Milliarden Euro um, der Umsatz hat  sich seither   mehr als verdreifacht. Er machte aus einem Produzenten für Massenstahl  einen weniger krisenanfälligen internationalen Technologiekonzern.  Das Unternehmen ist heute in vielen Bereichen Marktführer. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs seit dem Börsegang von 15.000 auf heute rund 50.000.  Der größte Deal Eders war die drei Milliarden Euro teure Übernahme der Edelstahlgruppe Böhler-Uddeholm. 

Der charismatische Top-Manager, der seine Meinung gerne offen sagt und Mauscheleien hasst, bringt als Pluspunkt für die IV-Wahl seine internationale, langjährige Erfahrung ein. Und dass er als Pensionist mehr Zeit für den Fulltime-Job am Schwarzenbergplatz hat. Manche Kreise wollen jedoch einen jüngeren Eigentümer und keinen Manager als neuen Präsidenten.

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