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Miba-Chef Mitterbauer: "Situationselastisch" zum Rekordumsatz

Die oberösterreichische Technologiegruppe bog von der Autoindustrie ab und steuerte neue Wachstumsfelder im Energiebereich an. Teile für Windräder und Rechenzentren sorgen für volle Auftragsbücher.
F. Peter Mitterbauer, Vorstandsvorsitzender der Miba AG,

Keine Spur von Krise beim oberösterreichischen Technologiekonzern Miba: Während andere Industrielle jammern, fuhr Miba-Konzernchef F. Peter Mitterbauer im Vorjahr einen Rekordumsatz von 1,2 Mrd. Euro ein, sitzt auf vollen Auftragsbüchern und trimmt sein Unternehmen auf Wachstum. Im KURIER-Interview erklärt er, warum er vom steigenden Strombedarf profitiert, sich ein breites Portfolio auszahlt und die Lehrlinge bald einen Campus erhalten.

KURIER: Sie sind in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld im Vorjahr erneut gewachsen. Welche Bereiche liefen besonders gut?

F. Peter Mitterbauer: Am meisten wächst das Geschäft mit unseren Produkten für die Energiegewinnung und -übertragung. Es macht schon 20 Prozent des Umsatzes aus.

Können Sie hier Beispiele nennen?

Wir stellen etwa Gleitlager für das Getriebe und Reibbeläge für Windturbinen oder Wasserkraftwerke her. Ein zweiter Bereich sind Rechenzentren. In den USA bauen sich IT-Konzerne die Stromversorgung bei ihren KI-Rechenzentren selbst, weil die öffentlichen Netze bezüglich der verfügbaren Energiemengen und der Netzstabilität oft an ihre Grenzen stoßen. Da werden viele Gasmotoren und Turbinen eingesetzt, die wiederum mit Gleitlagern von uns laufen. Das ist ein spezieller, stark wachsender Markt.

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Rechenzentren sprießen durch den KI-Boom wie die Schwammerl aus dem Boden. Bieten Sie Ihre Komponenten weltweit an?

Ja, wir bieten unsere Komponenten weltweit an. Die Nachfrage ist vor allem in Nordamerika stark.

Gibt es noch andere KI-Themen, von denen Miba profitiert?

Wir machen Beschichtungen für Spiegel, die bei der Belichtung von Wafern für die Herstellung von KI-Chips eingesetzt werden.

Wie wichtig ist das Autozuliefergeschäft noch für Miba?

Es macht 38 Prozent des Geschäftes aus, ist also wichtig und wird wichtig bleiben. Wir machen nach wie vor Teile für Verbrenner- oder Hybridmotoren, haben aber auch neue Anwendungen etwa für E-Ladestationen. Wir bieten an, was der Markt nachfragt, sind dabei antriebstechnisch unabhängig, sozusagen situationselastisch.

F. Peter Mitterbauer, Vorstandsvorsitzender der Miba AG,

Wenn Sie es in einem Satz erklären müssten: Was macht Miba heute genau?

Es klingt etwas kompliziert, aber wir machen technologisch anspruchsvolle Komponenten entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette. Unsere Miba-Produkte braucht man in der Energiegewinnung, -übertragung, -speicherung und -verwendung. Egal ob in einem Auto, in einem Schiff, Flugzeug oder auch in Windturbinen oder Rechenzentren. Überall dort sind Miba-Teile drinnen. Unsere Teile sind wichtig, damit die Systeme der Kunden funktionieren und ihr CO2-Fußabdruck reduziert wird.

Wie haben Sie die Transformation vom Autozulieferer zur breit aufgestellten Technologiegruppe gemeistert? Ein klassischer Autozulieferer waren wir nur in der Außenwahrnehmung, denn schon vor 20 Jahren machten wir mehr als die Hälfte des Geschäftes außerhalb der Autoindustrie, aber es wurde tendenziell weniger. Grundsätzlich sind wir ganz nahe am Kunden, versuchen dessen Problem zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Wachstum durch Diversifizierung?

Absolut. Wir wachsen doppelt so schnell wie die Weltwirtschaft und haben seit 2013 den Umsatz verdoppelt. Das hat drei Gründe: Erstens sind wir nahe am Kunden, zweitens haben wir ein breites Portfolio und drittens sind wir regional breit aufgestellt und produzieren für die lokalen Märkte. Da sind immer auch Wachstumsmärkte dabei. Auf drei Beinen steht man halt sicherer als auf einem.

++ THEMENBILD ++ MASCHINENBAU / MOTOR / ZULIEFERER

Miba wurde 2015 von der Mehrheitseigentümerfamilie Mitterbauer von der Börse genommen. Was hat der Abgang gebracht?

Es hilft bei der Schnelligkeit von Entscheidungen. Wir sind finanziell extrem solide, haben eine Eigenkapitalquote von 60 Prozent. Das klingt old–fashioned, aber wir sind nicht abhängig von irgendwelchen Geldgebern.

Wird die Konkurrenz aus China stärker?

Konkurrenz haben wir überall, nicht nur in China. Dort haben wir vier Werke und bedienen den lokalen Markt.

Wie beeinflussen die aktuellen geopolitischen Ereignisse Ihr Geschäft - Stichwort Lieferkettenprobleme?

Derzeit haben wir es im Griff. Ein Vorteil ist sicher, dass wir in den Regionen für die Regionen produzieren. Wir haben Rohstofflieferanten sowohl in den USA als auch in Europa und Asien.

Sie haben 30 Werke weltweit und produzieren auch in Österreich. Was zeichnet den Standort aus?

Der Vorteil ist sicher, dass wir wirklich gute Mitarbeiter und einen großen Teamgeist hier haben. Wir investieren auch viel in die Aus- und Weiterbildung.

Apropos: Sie engagieren sich auch sehr in der Lehrlingsausbildung …

Ja, wir bilden 230 Lehrlinge aus, davon 120 in Österreich. Wir versuchen auch, das Modell Lehre ins Ausland zu exportieren. Schon aus Eigeninteresse, damit wir die Kompetenzen dort haben. Wir eröffnen im September am Standort Laakirchen unseren neuen Weiterbildungscampus, die Base27, für Lehrlinge und Fachkräfte. Dafür haben wir zwölf Millionen Euro in die Hand genommen.

Was läuft am Standort Österreich nicht gut?

Die Lohn- und Gehaltsentwicklung ist in den letzten Jahren im Vergleich zu Italien oder Deutschland geradezu explodiert, das kann man keinem Kunden erklären. Und natürlich sind die Energiekosten ein Thema. Wenn wir die in Europa nicht in den Griff kriegen, wird die Industrie ein Problem haben. Drittes Thema ist die überbordende Bürokratie, speziell in Österreich. Die Hälfte an Regularien würde auch reichen.

Was ist zu tun?

Die Regierung muss bei den angeführten Themen ernsthaft Reformen angreifen.

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