Wirtschaft
20.08.2018

Industrie 4.0-Experte: "Das Problem ist die falsche Ausbildung"

Digitalisierung könnte Österreich wettbewerbsfähig halten und Arbeitsplätze schaffen. Noch aber herrscht Unsicherheit.

70 Prozent der österreichischen Unternehmen stehen den Entwicklungen, die durch Digitalisierung entstehen, unsicher gegenüber und beobachten deshalb einfach nur, so Kurt Hofstädter, Vorstandsvorsitzender der Plattform Industrie 4.0 Österreich. Vor allem Klein- und Mittelunternehmen (KMU) wären skeptisch. „Sie haben die Kapazitäten nicht“, sagt Hofstädter, der bereits seit 30 Jahren für Siemens Österreich tätig ist.

Am Montag hat die Interessensvertretung Plattform Industrie 4.0 ein Ergebnispapier zum Thema Forschung und Entwicklung präsentiert. Ihr Ziel ist es, den Unternehmen in Österreich aufkommende Technologien näher zu bringen. „Industrie 4.0 ist eben nicht nur ein Hype“, erklärt Geschäftsführer Roland Sommer. Genau deshalb sei abwarten für Unternehmen gefährlich.

Schlüsseltechnologie Mitarbeiter

In der von der Plattform verfassten Technologie-Roadmap werden acht Forschungsfelder definiert, die für Österreich wesentlich seien. Sie reichen von Softwareentwicklung, über die physischen Systeme, wie den Maschinen, bis hin zur Anpassung von Mensch und Arbeitsprozessen an die neuen Gegebenheiten. Laut Sommer sind letztendlich aber vor allem das Wissen und die Ideen der Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg.

In der Realität hingegen ist der Begriff Automatisierung in den Köpfen der Arbeitnehmer mit Angst behaftet. Sie befürchten ihren Arbeitsplatz zu verlieren, wenn sie ihr Know-how an andere Mitarbeiter weitergeben. Dass sie durch Roboter und Maschinen irgendwann überflüssig werden.

Nein, meint Hofstädter. „Das Problem ist nicht, dass Arbeitsplätze verloren gehen, sondern die falsche Ausbildung.“ Naturwissenschaften und technische Ausbildungen wären wichtig, junge Menschen müssten dort hingeführt werden. Industrie 4.0, ist sich Hofstädter sicher, hat Potenzial. Doch er stellt auch fest: „Wir haben nicht die Menschen dafür.“ Laut Expertenschätzungen können alleine in Österreich bis zu 35.000 neue Jobs entstehen. Viele körperliche Tätigkeiten und Routinearbeiten würden von Maschinen übernommen werden.

Mehr Geld notwendig

Mit 3,19 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) für Forschungszwecke habe man in Österreich eine gute Basis, betont Isabelle Meran-Waldstein von der Industriellenvereinigung (IV). Genug Geld sei es aber lange noch nicht. Das österreichische Förderprogramm „Produktion der Zukunft“ musste 2016 fast die Hälfte der Industrie-4.0-Projekte aus Budgetmangel ablehnen: „Es ist das beste Beispiel dafür, welche Förderbedarf in Österreich besteht.“