Inder oberster Deutsch-Banker

Investmentbanker Anshu Jain: 80 Prozent des Gewinns der Deutschen Bank kommen aus seiner Abteilung.
Foto: Reuters

Anshu Jain soll Josef Ackermann an der Spitze der Deutschen Bank ablösen. Schon jetzt verdient er mehr als sein Chef.

Er ist für mehr als 80 Prozent des Gewinns der Deutschen Bank verantwortlich, spricht kaum Deutsch und soll Josef Ackermann an der Spitze des Geldinstituts beehren: Anshu Jain, 48, derzeitiger Chef des Investmentbankings der Deutschen Bank.

Jain, im Vorjahr vom Fachmagazin Financial News zur einflussreichsten Person der europäischen Finanzindustrie gekürt, hat aus deutscher Sicht nur einen Makel: die fehlenden Drähte in die deutsche Politik. Dass der gebürtige Inder wie Ackermann mit der deutschen Regierung über die Bankenrettung diskutiert, ist schwer vorstellbar. Daher soll der Top-Investmentbanker, der gerade fleißig Deutsch-Unterricht nimmt, den 63-jährigen Jürgen Fitschen, Deutschland-Chef der Bank, als Vorstandskollege beigestellt bekommen.

Eine "Verlegenheitslösung", wie der deutsche Banken-Professor Wolfgang Gerke meint. Nach einer Übergangszeit, in der sich Jain in der deutschen Politik verankern soll, werde er allein an der Spitze des mächtigen Instituts stehen, sind Beobachter überzeugt.

Kronprinz

Seit Jahren gilt der in London arbeitende und lebende verheiratete Vater zweier Kinder als Kronprinz von Vorstandschef Ackermann. "Anshus Armee", wie sein Team in der Branche genannt wird, bewegt täglich Milliardensummen an Aktien-, Anleihe-, Devisen- und Rohstoffmärkten. Von den üblichen Statussymbolen hält Jain aber wenig. Der Cricket-Spieler trägt seine Unterlagen gerne im Rucksack durch die Gegend und hat eine Leidenschaft für Tierfotografie. Von seiner Fangemeinde wird er als charmant, bodenständig und humorvoll beschrieben. Kritiker schreiben ihm allerdings die "Arroganz eines Hochbegabten" zu.

Außer Frage steht, dass Jain - der 2009 bei der Vorstandsbesetzung überraschend nicht zum Zug kam - aus seinem Machtanspruch kein Hehl macht. Und sein Drohpotenzial ist gewichtig. Sollte Jain als vereitelter Chef des größten deutschen Geldhauses mit seinen Gefolgsleuten beleidigt abziehen, würde das am Ansehen und Kurs der Bank kratzen, sind sich Experten einig.

Neben dem Titel als einflussreichster Mann an den Finanzmärkten (Ackermann wird Platz 6 gereiht), hat Jain seinen Chef auch schon beim Salär überholt. Er verdient zwölf Millionen Euro im Jahr, Ackermann hält bei knapp neun Millionen.

(kurier) Erstellt am
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