Bestimmte Stechmücken übertragen das Dengue- und Chikungunya-Virus.

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Wirtschaft
10/17/2019

Impfstoff gegen Tropenkrankheiten: Wiener Firma weckt Hoffnung

Themis Bioscience sammelte bereits 140 Millionen Euro bei Investoren ein, darunter auch die Bill Gates Foundation.

von Anita Staudacher

Ein Nadelstich gegen die Folgen eines Insektenstiches: Die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen sich ausbreitende tropische Infektionskrankheiten wie Chikungunya, Zika oder Lassa zählt zu den wichtigsten Innovations-Themen in der Pharmabranche. Im globalen Wettbewerb spielt auch ein heimisches Unternehmen mit.

Im Inland fast unbekannt, gilt Themis Bioscience im Ausland als eine der wichtigsten Biotech-Firmen Österreichs. Und als heiße Aktie bei Risikokapitalgebern. Das vor zehn Jahren vom ehemaligen AKH-Kinderarzt Erich Tauber gegründete Unternehmen sammelte allein heuer 60 Millionen Euro an Investorengeldern ein. In Summe flossen bereits 140 Millionen Euro nach Wien. Eine beachtliche Summe für eine kleine Firma mit gerade einmal 40 Mitarbeitern.

Technologische Durchbrüche

„Es geht uns darum, technologische Durchbrüche in der Impfstoffentwicklung zu erzielen“, erläutert Tauber im Gespräch mit dem KURIER. Am weitesten fortgeschritten ist der Impfstoff gegen das tropische Chikungunya-Fieber. „Durch Erderwärmung und Globalisierung breitet sich das Virus über Afrika hinaus aus“, erzählt Tauber. Vereinzelt fanden sich auch bereits Ausbrüche in Südeuropa. „Wir sind hoffentlich die ersten, die einen Impfstoff auf dem Markt bringen werden und rechnen mit einer Zulassung in den nächsten Jahren“, hofft der Themis-Chef, der früher bei Intercell arbeitete.

Chikungunya ist eine fieberhafte Infektionskrankheit, typische Symptome sind Gelenk- und Muskelschmerzen. Der Virus wird von Stechmücken (Tigermücke) übertragen. Das Vorkommen von Chikungunya-Virus wurde bisher in mehr als 60 Länder nachgewiesen, vor allem in Afrika und Asien. Vereinzelt fanden sich auch bereits Ausbrüche in Südeuropa, etwa in Marseille.

Zika Das Zika-Virus wird von der Gelbfiebermücke übertragen und löst das Zika-Fieber aus. Eine Infektion während der Schwangerschaft kann zu Missbildungen der Föten führen. Das Virus kommt in mehr als 65 Ländern weltweit vor. Betroffen sind tropische und subtropische Gebiete, darunter Mittel- und Südamerika, Karibik, Teile der USA sowie Südostasien.

Lassa Das Lassa-Fieber ist eine Infektionskrankheit, die im Westen Afrikas vorkommt. Es wird durch das Lassa-Virus verursacht und von Nagetieren auf den Menschen übertragen. In den meisten Fällen verläuft das Lassa-Fieber milde, manchmal jedoch auch tödlich.

Zika- und Lassa-Virus

In der Entwicklungs-Pipeline befinden sich auch Impfstoffe gegen das Zika- und das Lassa-Virus. „Beide Viren gibt es schon seit vielen Jahren, es hat aber jahrelang keinen interessiert“, so Tauber. Erst seit Kinder mit Gehirnmissbildungen ins Bild rückten, werde ernsthaft am Zika-Impfstoff gearbeitet. Das braucht Zeit. So habe die Entwicklung eines Impfstoffes gegen Dengue-Fieber 50 Jahre gedauert.

Masern-Proteine

Basis aller Impfstoffkandidaten bildet ein patentierter, gängiger Masern-Impfstoff, der genetisch so verändert wurde, dass zusätzlich zu den Masern-Proteine noch andere Proteine eingebaut werden. Geforscht wird auch daran, Masern-Viren in der Krebstherapie einzusetzen. Problematisch ist vor allem die Herstellung von Impfstoffen auf biologische Basis.
„Wir haben ein Plug-and-Play-Produktionssystem. Wir bauen Anti-Gen-Kassetten ein, die uns erlauben, sehr schnell mit klinischen Studien zu beginnen“, erläutert Tauber.

Unter den Investoren sind der vom Österreicher Walter Stockinger gegründete skandinavische Hadean Venture Fonds sowie der New Yorker „Global Health Investment Fund“ (GHIF), der von der Bill & Melinda Gates Foundation mitgegründet wurde. Der Fonds investiert auch in Lösungen für wesentliche öffentliche Gesundheitsprobleme. Wie wurde er auf Themis aufmerksam? „Wenn man global aufgestellt ist, kennt man über kurz oder lang die wesentlichen Player in dem Feld“, berichtet Tauber. Wir haben den Ruf, dass wir liefern, was wir versprechen“.

Weil es sich bei der Impfstoffentwicklung um ein Hochrisiko-Geschäft handelt, „sprechen wir lieber Spezialisten an, die diese Risiken gewohnt sind“. Ein im Vorjahr geplanter Börsegang in Amsterdam ist durch die jüngste Finanzierungsrunde vorerst vom Tisch. Als Börseplatz für Biotech käme am ehesten die US-Technologiebörse Nasdaq infrage.

Kein Standortnachteil

Die Rahmenbedingungen für ein Biotech-Start-up seien in Österreich gar so schlecht wie oft behauptet, meint Tauber. Es mangle zwar an Risikokapitalgebern, aber in der globalisierten Welt „haben alle Handys und Internet und können in ein Flugzeug einsteigen“. „Internationalen Investoren ist es völlig wurscht, ob man in Wien, New York oder London sitzt“. Man muss vielleicht ein bisschen mehr dafür tun. „Österreich ist kein Standortnachteil“.  Im Vergleich zu anderen Ländern mühsam und bürokratisch seien hierzulande aber Kapitalerhöhungen und Mitarbeiterbeteiligungen.