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03.02.2012

Zwei Design-Geschwister, die sich mögen

IMMO-Interview: COR und interlübke sind Bruder und Schwester. Leo Lübke ist Geschäftsführer und zugleich erfolgreiches Familienoberhaupt.

IMMO: Vor Kurzem hat Reiner Mortensen den ersten COR/interlübke-Flagship-Store eröffnet. Wie wichtig ist Wien als Standort?
Leo Lübke: Wien ist zwar gleich groß wie Hamburg, doch wir sind hier erfolgreicher. Die Leute sind bereit, mehr Geld für Einrichtungen auszugeben. Das Geheimrezept ist die Tatsache, dass hier die Leute miteinander reden und obwohl es eine Großstadt ist, funktioniert sie in puncto Möbel wie eine Kleine. Bei neuen Standorten ist es wichtig zu wissen, ob die Klientel markenaffin und am modernen Einrichten interessiert ist. Nur da macht ein Flagship-Store Sinn.

Die beiden Marken haben sich in Europa etabliert. Wodurch zeichnen sie sich aus?
Kontinuität. interlübke ist ein Markenpionier, wir waren in den 1960er-Jahren die Ersten die es geschafft haben die Idee der "Endlos"-Schrankwand zu vertreiben. Wir haben von Anfang an auf System- und Elementmöbel gesetzt. Mein Großvater hat sich bewusst dagegen entschieden, die Möbel an jedermann zu verkaufen. Die Versuchung lag natürlich nah, doch er wollte lieber langsam wachsen. Damit hat er einen Grundstein in Richtung Nachhaltigkeit gesetzt. Es war der gründlichere Weg. Mit dem Fokus auf eine intensive Beziehung zwischen Händler und Hersteller.

Das Erfolgsrezept liegt also in der intensiven Händlerpflege?
Nur mit guten Verkäufern können wir erfolgreich sein. Man kann die besten Produkte im Angebot haben, aber wenn man diese nicht verkauft, wird selbst der genialste Entwurf nutzlos.

Wo werden Ihre Möbel hergestellt?
In den 1990er-Jahren sind viele Möbelhersteller dem Trend "Outsourcing" gefolgt und haben Produktionen in Länder mit geringen Lohnkosten ausgelagert. Wir haben uns dagegen entschieden. Als Premiumhersteller mit hoher Fertigungstiefe ist es uns wichtig, in Deutschland, in Rheda-Wiedenbrück, zu produzieren. Wir begleiten jeden Produktionsschritt
und können Sonderanfertigungen schnell umsetzen. Unsere Qualitätsansprüche wollen wir nicht geringen Kosten opfern müssen.

Es geht um zwei eigenständige Marken, die doch zusammengehören. Wie kam es dazu?
Das Unternehmen interlübke wurde im Jahr 1937 von meinem Großvater gegründet. Der damalige Fürst zu Bentheim-Tecklenburg machte ihm Jahre später das Angebot, Holz aus seinen Forsten zu verarbeiten und ein zweites Unternehmen zu gründen. Mein Großvater willigte ein und entschied sich, mit COR künftig Polstermöbel herzustellen – als Ergänzung zu interlübke. Am Anfang haben sich die Marken parallel und dann doch sehr unterschiedlich entwickelt. Das hat auch mit der wechselnden familiären Führung zu tun.

Im Jahr 1994 bin ich Geschäftsführer von COR geworden und mein Vater Geschäftsführer von interblübke. Da waren wir dann erstmals wieder in der Lage die Unternehmen aneinander anzunähern. Nach dem Tod meines Vaters im Jahr 2006 habe ich die Führung beider Unternehmen übernommen. Viele haben damals gemutmaßt, dass es zu einer Fusion kommen wird, doch dieser Versuchung sind wir nicht erlegen. Je hochwertiger das Produkt, desto mehr Wissen muss ein Hersteller haben. Und das muss wiederum ständig gepflegt und ausgebaut werden. Ich glaube, dass wir bei einer Fusion dieses Know-how aufs Spiel gesetzt hätten.

Die Entscheidung fiel auf Kooperation?
Genau. Obwohl sie im Einzelnen unterschiedlich sind, passen sie gut zueinander. interlübke ist Spezialist für Lackoberflächen, sie sind das Herzstück unserer Qualität. Bei COR ist Handwerk gefragt und das Know-how des guten Sitzkomforts. Sie sind Bruder und Schwester. Zusammen ergeben sie eine tolle Familie.

Wie wichtig ist die Zusammenarbeit mit externen Designern?
Würden wir selber entwerfen, würden wir im eigenen Saft schmoren. Die Arbeit mit externen Designern ist wichtig, das sorgt für frischen Input. Es geht aber auch um Langfristigkeit. Die Kreativen sollen unsere Unternehmensphilosophie kennenlernen. Die Handschrift darf nicht verloren gehen. Experimente sind eine willkommene Abwechslung, nur nicht allzu oft. Ansonsten würden wir unseren Wiedererkennungswert verlieren.

Wie schwierig ist es, in die Fußstapfen der Familie zu treten?
Es ist eine Herausforderung und man wird von den Entscheidungen getragen. Mein Großvater hatte die Geschäftsidee. Wir, als seine nächste Generation, mussten uns verstärkt mit Fachleuten auseinandersetzen. Er nicht, da er selbst Tischler war. Er konnte den Handwerkern noch vormachen wie es geht. Das kann ich auf keinem Gebiet. Ich bin sozusagen das schlechteste Glied in der Kette. Ich bin weder Tischler, noch kann ich nähen. So gesehen bin ich eigentlich eine miserable Besetzung.

Welche Ziele verfolgen Sie?
Das Einrichten hat sich gewandelt. Doch die Idee, dass ein Entwurf über der Zeit stehen soll, ist für uns dieselbe. Einst war man begeistert von der Vielfältigkeit des Baukaustensystems. Für den Kunden von heute reicht das nicht mehr aus. Im Premiumbereich muss man viel flexibler und individueller sein.

Es muss "custome-made" sein – also speziell auf den Wunsch abgestimmt. Systemmodule werden weiterhin unsere Basis bleiben, steht aber ein Wunsch nicht auf der Preisliste versuchen wir ihn trotzdem zu ermöglichen. Die Distanz zwischen dem Käufer und Hersteller wird immer geringer. Wir machen nichts für den anonymen Markt, wir machen es für unsere Kunden.

COR und INTERLÜBKE

Seit über siebzig Jahren in Familienhand
interlübke wurde 1937 von derselben Familie gegründet, die das Unternehmen heute noch, in bereits dritter Generation, führt. Im Jahr 1955 begannen der Fürst zu Bentheim-Tecklenburg und Leo Lübke in Rheda-Wiedenbrück Polstermöbel zu fertigen. Unter dem Namen COR, lateinisch Herz (drei Herzen zieren das fürstliche Wappen des Mitbegründers). Seit Mai 2011 wird das neue COR/interlübke Studio in Wien von Reiner Mortensen (rechts Bildmitte), seiner Frau und seinem Team als eigenständiges Handelsunternehmen geführt.
COR interlübke Studio Wien, Tuchlauben 21, 1010 Wien.


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