Wirtschaft | Immobiz
07.11.2018

Wiener Textilviertel: Noch mehr Luxus für die City

Rund um die Alte Börse wird derzeit eine Reihe an Nobelimmobilien gebaut. Die Nachfrage ist hoch.

Ein kleiner Bagger schiebt Steine und Schutt weg, die Luft ist staubig und Bauarbeiter huschen mit schwerem Gerät vorbei. In der Werdertorgasse 5-7 in der Wiener Innenstadt wird derzeit ein ehemaliges Bürogebäude der Erste Group zu einem Immobilienprojekt namens „Am Werdertor“ umgebaut. „Die Bauarbeiten gehen gut voran“, sagt Petra Teufelsdorfer von Piment Immobilien, „Die ersten Wohnungen sind bereits verkauft.“

Das „Am Werdertor“ ist eines von mehreren Luxusprojekten im so genannten Textilviertel im Nordwesten des Innenstadt-Bezirks. Rund um die Adressen Marc Aurel Straße und Salzgries siedelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Textilhändler an – daher stammt der Name des Grätzels. Allerdings erlebte die Gegend in den vergangenen Jahrzehnten durch viele leer stehende Geschäftsflächen eher einen Abschwung. Seit sich aber das Kempinski am Ring angesiedelt hat und einige internationale Möbelhersteller Flagshipstores eröffnet haben, geht es im Textilviertel wieder aufwärts. „Die guten Lagen im ersten Bezirk schließen das Textilviertel mit ein“, so Michaela Orisich von Otto Immobilien.

Einem Textilfabrikanten gehörte einst auch das Gebäude „Am Werdertor“: Der Kleiderproduzent Mayr Mandl ließ das Haus als Wohn- und Geschäftsgebäude errichten. Nun baut es der Bauträger Sirius mit dem Immobilienentwickler Allea Group zu 43 Wohnungen um. Die Fertigstellung ist für Mitte 2020 geplant. Der Charme der Jahrhundertwende bleibt aber erhalten. So werden die alten Kastenfenster aus Holz modernisiert, aber von der Optik her nicht verändert. Dazu gibt es Fischgrät-Parkettböden und jede Menge Stuck. Auch ein Concierge-Service und ein Spa-Bereich im Erdgeschoß sind geplant.

Die Wohnungsgrößen beginnen bei 42 Quadratmeter. „Der Trend am Markt geht zu kleinen Apartments und diese Entwicklung macht auch vor dem Luxussegment nicht Halt“, sagt Petra Teufelsdorfer von Piment.

Österreichische Käufer interessieren sich zudem verstärkt für kleine Apartments. Wenn Bauträger diese Zielgruppe ansprechen wollen, müssen auch kleinere Einheiten angeboten werden. Laut einem aktuellen Bericht von Otto Immobilien waren in den vergangenen drei Jahren 88 Prozent der Käufer in den Innenstadt Österreicher. Nur zwei Prozent der Käufer stammten aus Russland.

Trotz dem Ausbleiben der russischen Interessenten boomt der Luxuswohnungsmarkt: Bis Ende August wurden 44 Wohnungen im Wert von 47 Millionen Euro in der Wiener Innenstadt veräußert, so Otto Immobilien. Die meisten davon im oder rund um das Textilviertel. Auch der Spitzenpreis, nämlich 32.000 Euro pro Quadratmeter, wurde vergangenes Jahr dort erzielt, genauer gesagt im Palais Schottenring.

Neue Rekorde könnten auch demnächst gebrochen werden. An der Adresse „Börseplatz 1“ in der ehemaligen „k.k. Telegrafen Centrale“, steht eine Wohnung mit 2000 Quadratmetern um 40 Millionen Euro zum Verkauf. Die Wohnung kann aber auch geteilt werden. Im letzten Regelgeschoß, dort, wo sich einst die Prunkräume befanden, entstehen diese Lofts mit 7,5 Metern Raumhöhe. Laut Auskunft des Immobilienentwicklers laufen die Verkaufsgespräche für die Lofts auf Hochtouren.

Ein anderes, früheres Postgebäude wird ebenfalls zum Luxusobjekt: In der Neutorgasse baut die Post das ehemalige „k. und k. Post- und Telegraphenamt“ zu 25 exklusiven Apartments namens „Cotton Residence“ um. Der Preis in den Altbau-Geschossen liegt zwischen 10.000 und 14.000 Euro pro Quadratmeter, wobei nur mehr eine Wohnung in den Regelgeschossen zu haben ist. Für eine Wohneinheit im Dachgeschoß, wo noch mehrere Apartments frei sind, sind die Kosten freilich höher und liegen bei rund 18.000 Euro pro Quadratmeter.

Einen Steinwurf von der „Cotton Residence“ entfernt entsteht derzeit eines der neuesten Projekte am Markt: Eine ehemalige Volksschule, wo einst der Schriftsteller Stefan Zweig die Schulbank drückte, wird bis Mitte 2020 zu 50 Luxuswohnungen umgebaut. Das Projekt nennt sich „Werder Six“ und ist ein Schwesterprojekt von „Am Werdertor“. Auch hier gibt es einen Concierge-Service, allerdings einen virtuellen Concierge, der online für bestimmte Dienste wie Wäschewaschen oder Einkauf gebucht werden kann. „Internationale Käufer sind Concierge-Services gewohnt, darum bieten wir es auch an“, sagt Petra Teufelsdorfer von Piment.

Die Ansprüche der Wohnungskäufer haben sich in den vergangenen Jahren verändert: Zeitlose Naturholzböden sind etwa stark gefragt. Und während früher eine Badewanne beliebt war und zum Standard gehörte, ist heute eine barrierefreie Dusche wesentlich wichtiger. Generell werden mehr Bäder in Wohnungen eingebaut: Die meisten Schlafzimmer verfügen über kleinere en-suite-Badezimmer.