Wenn der Hausverwalter zum Streitschlichter wird

Bei Streitigkeiten kann ein guter Verwalter viel Unheil abwenden. © Bild: styleuneed - Fotolia

Immobilientreuhänder müssen heute mehr können als verwalten, vermitteln und bauen. Sie können auch einen wichtigen Beitrag zur Konfliktlösung leisten.

Wo mehrere Menschen unter einem Dach leben, kann es hin und wieder zu Konflikten kommen: Diskutiert wird über Lärm und Rauch, über zu hohe Bäume und zu wenig Parkplätze, über Umbaumaßnahmen und Haustierhaltung.Im Streitfall muss man nicht gleich zum Mediator und schon gar nicht vor Gericht gehen. Denn auch gut ausgebildete Immobilientreuhänder – also Makler, Bauträger oder Verwalter – könnten einen wichtigen Beitrag zur Konfliktlösung leisten. Daher steht auf dem Stundenplan des Studiengangs Immobilienwirtschaft an der FHWien auch die Lehrveranstaltung "Soziales Management".

"Präventiv tätig werden"

Die beiden Vortragenden, Michael Klinger, Geschäftsführer von Klinger Immobilien, und Alexandra Krenauer, Mediatorin und Prokuristin der Krenauer Immobilienverwaltung, wollen Kommunikationstechniken, Konflikt- und Beschwerdemanagement, mediative Tools und rechtliches Wissen vermitteln. "Wenn Immobilientreuhänder Konfliktpotenzial rechtzeitig erkennen, können sie präventiv tätig werden. Gehen Streitparteien zu Gericht, kostet das Zeit und Geld und es gibt meistens einen Verlierer – dann ist der nächste Konflikt vorprogrammiert", sagt Klinger. Er ist Gerichtssachverständiger, Makler und Verwalter und weiß, dass vor allem in Eigentumshäusern sehr viel diskutiert wird. "Wenn zum Beispiel jemand eine Sat-Anlage oder eine Klimaanlage montieren möchte, braucht er dafür die Zustimmung von allen anderen. Sagt ein Wohnungseigentümer Nein, kann man die fehlende Zustimmung gegebenenfalls vom Gericht ersetzen lassen. Damit hat der Verneinende die Entscheidung nicht mehr in der Hand", warnt Klinger und rät: "Statt sich gleich querzulegen, sollte man lieber Gespräche führen. Dann kann man vielleicht mitreden, wo die Anlage montiert werden soll oder man einigt sich auf ein bestimmtes Klimagerät, das besonders leise ist."

Unheil abwenden

Bei solchen Streitigkeiten kann ein guter Verwalter viel Unheil abwenden, wenn er sich mit den Streitparteien zusammensetzt und in Ruhe das mögliche Procedere bespricht. "Werden Vereinbarungen getroffen, muss man sichergehen, dass diese rechtlich halten und im Zweifelsfall einen Juristen fragen", betont Klinger.

Da der Verwalter für alle gleichermaßen da sein muss, ist sein Einflussbereich begrenzt: "In den Häusern, die ich verwalte, kann ich bei Versammlungen mediative Elemente einfließen lassen. Ist jedoch eine Mediation notwendig, werde ich die an einen Kollegen abgeben. Denn ein Mediator muss ein neutraler und außenstehender Dritter sein", sagt Alexandra Krenauer. Manchmal geht es nicht ohne professionelle Hilfe: "Ich hatte einen Fall, wo mehrere Personen einige Wohnungen geerbt hatte. Da sie sich nicht einigen konnten, wurde ich mit der Mediation beauftragt. Am Ende ist die Aufteilung gelungen und alle waren zufrieden."

Wenn zwei sich streiten

"Nachbarschaft in Takt" hilft bei Problemen mit anderen BewohnernÜberall dort, wo Menschen miteinander zu tun haben, kann Mediation notwendig werden. Vor allem bei Nachbarschaftsstreitigkeiten haben Gerichtsverfahren und Unterlassungsklagen wenig Sinn. Schließlich wohnt man auch nach der Urteilsverkündung noch unter einem Dach. "Ein Mediator hilft den Streitparteien dabei, zu einem konstruktiven Gesprächsklima zurückzufinden und respektvoll miteinander umzugehen", erklärt Mediatorin Andrea Jungbauer-Komarek. Die Kosten einer Nachbarschaftsmediation hängen davon ab, wie viele Streithähne am Konflikt beteiligt sind. Eine Sitzung kostet in der Regel zwischen 90 und 120 Euro. Liegen sich also zwei Personen in den Haaren, muss jeder zwischen 45 und 60 Euro zahlen. Wie lange es bis zur Versöhnung dauert, ist im Vorfeld schwer abzuschätzen. Manche Mediationen ziehen sich über viele Wochen hin, andere sind mit zwei Sitzungen erledigt. Das Mediationsinstitut "Nachbarschaft inTakt" unterstützt gesprächsbereite Bewohner mit einem Team von erfahrenen und auf Nachbarschaftskonflikte spezialisierten Mediatoren aus ganz Österreich. Die ersten vier Sitzungen kosten pro Teilnehmer nur zehn Euro, den Rest übernimmt das Institut. Danach werden die üblichen Preise verrechnet.

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( Kurier ) Erstellt am 12.03.2012