Wohnungsbrand in Wien-Leopoldstadt

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Wirtschaft | Immobiz
04/20/2019

Hilfe! Feuer! So reagieren Sie im Brandfall richtig

Wohnungsbrände richten oft großen Schaden an. Was Sie tun können, um Brandkatastrophen zu vermeiden.

Ein Flammeninferno wie in der weltberühmten Kathedrale Notre-Dame in Paris diese Woche kommt glücklicherweise selten vor. Doch auch kleinere Brände verursachen oft hohe Kosten. Immerhin gab es österreichweit 7.400 Brandfälle (2017) mit insgesamt 315 Millionen Euro Schaden.

Große Gefahr: Küchenbrände

Österreichweit wurden die meisten Brände durch einen Blitzschlag ausgelöst. In der Großstadt Wien war die häufigste Ursache offenes Licht oder Feuer, gefolgt von elektrischen Defekten. Während früher die Kombination aus Zigaretten und Matratzen Thema war, treten heute vor allem Küchenbrände auf. „Ein Klassiker sind angebrannte Speisen in einem Topf“, sagt Andreas Rieger vom Bundesfeuerwehrverband.

Auch elektrische Auslöser wie ein Wasserkocher oder eine Waschmaschine führen häufig zu einem Wohnungsbrand. Überall dort, wo Wasser und Strom zusammentreffen, kann es zu einem Kurzschluss kommen und umliegende Gegenstände wie Geschirr- und Handtücher fangen Feuer. Andreas Rieger: „Sogar wenn eine eingeschaltete Nachttischlampe ins Bett fällt und dort länger auf dem Laken liegen bleibt, kann sich ein Feuer entzünden.“

Ein Rauchwarnmelder ist die erste Vorsorgemaßnahme

Als Vorsichtsmaßnahme empfiehlt der Bundesfeuerwehrverband die Installation von Rauchwarnmeldern. Die Geräte sind schon um ein paar Euro zu kaufen und sehr effektiv. Denn die erste Maßnahme gegen ein ausgebrochenes Feuer ist, dieses auch zu erkennen. „Gerade zur Nachtzeit, wenn die Bewohner schlafen, bleiben Brände oft unentdeckt. Wenn man schläft, riecht man den Brand nicht“, sagt Andreas Rieger.

Auch ein kleiner Handfeuerlöscher sollte zum Inventar eines Haushalts gehören. Andreas Rieger: „Wichtig ist, sich im Vorfeld mit der richtigen Bedienung des Geräts auseinanderzusetzen.“

Löschversuch mit Wasser, Feuerlöscher oder Löschdecke

Wenn ein Gegenstand in Brand gerät, sollten Bewohner versuchen, den Entstehungsbrand zu löschen: mit Wasser, einer Löschdecke oder einem Feuerlöscher. Achtung: dort wo Fett zu brennen beginnt, ist das Löschen mit Wasser extrem gefährlich, da sich ein Feuerball bildet. In diesem Fall sollte dem Brandherd Sauerstoff entzogen werden: Deckel auf den Topf oder eine Löschdecke über die Brandstelle legen. Wenn beides nicht zur Hand ist, eignet sich auch ein dickes Buch zum Abdecken. Wichtig: Den abgedeckten Topf ausreichend abkühlen lassen. „Auf keinen Fall sollte man mit dem brennenden Topf auf die Terrasse oder den Balkon laufen“, warnt Rieger, „die Leute stolpern vor Aufregung oder entzünden ungewollt den Vorhang.“

Nicht zögern, die Feuerwehr zu rufen

Sobald die Löschversuche keinen Erfolg zeigen oder es zu heiß wird, sollten Bewohner sofort die Feuerwehr alarmieren. Das Gefährliche an einem Wohnungsbrand sind in erster Linie nicht die Flammen, sondern die giftigen Gase. Wenige Atemzüge reichen, um eine Rauchgasvergiftung zu bekommen. Daher gilt: lieber einmal zuviel die Feuerwehr rufen. „Je früher wir verständigt werden, desto weniger passiert und desto geringer ist der Schaden. Der Faktor Zeit ist wesentlich“, so Rieger.

Beim Verlassen der Wohnung ist darauf zu achten, dass Türen und Fenster geschlossen werden, sodass kein Sauerstoff hinein gelangt und sich der Brand nicht ins Stiegenhaus ausbreiten kann. Außerdem müssen die Nachbarn gewarnt werden.

Aufwendige Sanierung nach dem Brand

Die Sanierung der Wohnung nach einem Brand ist aufwendig. Bereits nach dem Abkühlen des Rauchs beginnt im Haus oder der Wohnung die Ausscheidung jeder Menge Schadstoffe. Die Gase kondensieren an kalten Oberflächen. Es bilden sich Tröpfchen und Ascherückstände. Die Rußpartikel regnen ab und lagern sich auf Einrichtungsgegenständen, Lebensmitteln, Kleidungsstücken und vielen anderen Dingen ab.

Die Rußpartikel können Bewohner zwar selbst oberflächlich entfernen – etwa mit dem Staubsauger. Aber für die gründliche Reinigung bleibt nur, ein professionelles Unternehmen zu engagieren.

Besonders unangenehm ist der Schadstoff Chlorid, der bei der Verbrennung von PVC freigesetzt wird. „Chlorid kondensiert als Salzsäure und breitet sich mit dem Brandrauch in alle Bereiche aus. Es dringt auch in Elektrogeräte und Polsterungen ein“, sagt Martin Zangler, Chef des Brandsanierungsunternehmens Soluto.

Heikle Inventargegenstände wie Kinderspielzeug sollten daher genauer untersucht werden und im Zweifelsfall ersetzt werden.

Auch der Brandgeruch ist schwierig in den Griff zu bekommen. Wenn beispielsweise in einem Einfamilienhaus nur ein Zimmer gebrannt hat, kann sich der Geruch im ganzen Haus festsetzen. Der entstandene Schaden kann dann schnell an die 100.000 Euro ausmachen.