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Wirtschaft Immobiz
07/08/2019

Von New York bis Jakarta: Wo Design aus Österreich reüssiert

Von Jakarta über Paris bis New York - Design aus Österreich drückt Weltstädten einen Stempel auf. Woran das liegt, lesen Sie hier.

von Julia Beirer

Waschbecken auf den Malediven, ein Wahrzeichen in Jakarta und ein Luster in New York City. Was diese drei Dinge gemeinsam haben?

Sie werden hierzulande entworfen, produziert und schließlich in die Welt entsandt. Österreichisches Design boomt. Das liege am hochwertigen Handwerk, der ständigen Qualitätskontrolle und der Kreativität, ist Aglaja Bakalowits überzeugt. Seit den 1960er Jahren exportiert das Unternehmen Bakalowits Licht Design mit Sitz im 6. Wiener Bezirk Luster und Kunstwerke vor allem in den asiatischen, aber auch amerikanischen Raum.

Das House of Representives im US-Bundesstaat Illinois etwa ist mit Lustern aus Wien beleuchtet.

Auch die fünf Meter hohe Flamme des indonesischen Unabhängigkeitsdenkmals in Jakarta wurde von Bakalowits Licht Design entworfen und vergoldet. „Wir profitieren in Österreich von einer langen Kunsthandwerkstradition – und das in allen Bereichen“, sagt Aglaja Bakalowits. Das Spektrum reiche von Steinverarbeitungskunst über Glasschleiferei und Kunstguss bis hin zur Weberei.

Leitner Leinen im französischen Luxushotel

„Gerade im Textilbereich legen Kunden viel Wert darauf, dass die Stoffe in Mitteleuropa produziert werden“, erklärt Jakob Leitner vom oberösterreichischen Unternehmen Leitner Leinen. Das liege vor allem an den schlechten Arbeitsbedingungen in anderen Ländern. Leinenstoffe seien zudem sehr nachhaltig. Auch das entspreche dem derzeitigen Zeitgeist – Stichwort Klimawandel.

Leitner Leinen statte das Luxushotel in der französischen Region Provence-Alpes-Côte d’Azur mit Bett- und Tischwäsche aus. Die Muster der Stoffe stammen aus dem Archiv.

Wittmann Designermöbel in Tiflis

Neben regionaler Produktion und kreativen Ideen, ist Online-Vermarktung entscheidend. „Wir nutzen Plattformen wie Instagram sehr stark, um unsere Möbel zu präsentieren", sagt Hartmut Roehrig von Wittmann. So werde Aufmerksamkeit erregt und die Möbel aus Niederösterreich schließlich bis Georgien transportiert.

Die Cafékette Ladurée, berühmt für französische Macarons, eröffnete erst kürzlich einen Standort in Tiflis, der komplett mit Wittmann-Möbeln ausgestattet ist. Roehrig: „Der Architekt entdeckte unsere Kollektion von Sebastian Herkner auf Instagram."

Sebastian Herkner hat sich beim Designen der Sitzflächen von französischen Macarons inspirieren lassen. Kurze Zeit später führte dieser Zufall zur Zusammenarbeit von Laduree und Wittmann.

Lobmeyr-Luster in der New Yorker Met

Ein Exportmarkt, der für alle österreichischen Unternehmen wichtig ist, ist die Ostküste der USA. Ein Stück, das die Amerikaner besonders lieben, ist der Lobmeyr-Luster in der Metropolitan Opera in New York City. „Wenn ich nach New York reise und den Leuten auf der Straße erzähle, dass wir den Luster in Wien produzieren, werde ich gefeiert wie ein Celebrity", erzählt Johannes Rath von Lobmeyr. Sein Großvater entwarf das besondere Stück für die Eröffnungsfeier 1966.

Die Idee einer Sternenexplosion inmitten der Metropolitan Opera war von Bildern intergalaktischer Objekte inspiriert. Für Lobmeyr ist der Luster bis heute ungeschlagener Bestseller in Übersee.

Kunst in Montenegro

Künstlerin Irene Maria Ganser hat ein Luxushotel am Hafen Montenegros angeschrieben und ihre Kunstwerke angeboten. Zweieinhalb Monate später haben 58 Siebdrucke mit Segelregattamotiven Zimmer und Gänge geschmückt. Sie sieht Gründe für das wachsende Interesse am österreichischen Design in der Geschichte: „Vor rund hundert Jahren war Wien das Zentrum für Handwerk, Kunst, Design und Architektur. Davon profitieren diese Berufsgruppen auch heute noch.“

Laufen beliefert die Malediven

Handwerkskunst erlebt ein weltweites Comeback. Das beweist der Andrang im Österreich-Pavillon während der Mailänder Möbelmesse vergangenen April. 16.000 Interessierte standen an vier Tagen Schlange, um die dort ausgestellten Entwürfe sehen zu können. Darunter auch Designs vom Schweizer Sanitär hersteller Laufen. Was das mit Österreich zu tun hat?

Um vom hiesigen Know-how zu profitieren, öffnete die Firma bereits vor 60 Jahren einen Produktionsstandort im niederösterreichischen Wilhelmsburg. Der Grund: Keramik wird dort seit 1795 in höchster Qualität verarbeitet. Heute ist der hochtechnologisierte Standort auf die Herstellung hoher Stückzahlen anspruchsvoller Keramiken spezialisiert.

Die Waschbecken im Kuramathi Island Resort auf den Malediven wurde von Kartell designt und von Laufen produziert. Auch die Elbphilharmonie in Hamburg ist mit Laufen-Waschbecken ausgestattet.

Industriedesign von Warschau bis London

Neben Wahrzeichen, Installationen und dem Interieurbereich zählt auch das Industriedesign als starkes Exportgut für Österreich. Der Kosmetikkonzern L'Oreal in Warschau entschied sich für eine Zusammenarbeit mit dem Hersteller Bene (Sitz: Waidhofen an der Ypps). 500 Arbeitsplätze der 6.000 Quadratmeter großen Fläche wurden vom niederösterreichschischen Unternehmen ausgestattet.

 

Keine Arbeitsplätze, dafür mehr Möbel, die Platz zum Entspannen bieten, haben zwei weitere österreichische Unternehmen über die Landesgrenzen geschickt: miramondo (Sitz: Wien) lieferte mit „Buddy“ Picknicktische in eine Schule nach Drachten in den Niederlanden.

Wiesner-Hager (Sitz: Altheim, Oberösterreich) stattet hingegen eine Lounge in die Ford Motor Company in London mit dem Verkettungsstuhl „nooi“ aus.