© Waalter/Bohmann/Andrew Rinkhy

Wirtschaft Immobiz
11/21/2019

Tablets, Sensoren und Smart Watch für Senioren

Ein aktuelles Forschungsprojekt zeigt, dass sich Ältere durch Technik in ihrem Zuhause sicherer fühlen.

Die „WAALTeR“-Wohnung in Wien-Donaustadt sieht auf den ersten Blick ganz gewöhnlich aus. Erst beim genaueren Hinsehen fällt ein Sturzsensor an der Küchendecke auf, ein Bewegungsmelder am Türrahmen und die „Smart Watch“ am Tisch. „Wir wollen hier herausfinden, wie man Senioren an technische Möglichkeiten heranführen kann“, sagt Julia Sauskojus von Urban Innovation Vienna (UIV).

WAALTeR (Wiener Active and Assisted Living Testregion) ist ein Forschungsprojekt, das 18 Monate in 82 Wiener Haushalten getestet wurde. Ein Konsortium aus zwölf Institutionen wie Urban Innovation Vienna (UIV), AIT, TU Wien und die Johanniter Österreich wollte dabei untersuchen, wie neue Technologien ältere Menschen unterstützen können, so lange wie möglich ein selbstbestimmtes Leben in ihrem gewohnten Umfeld zu führen.

In den eigenen vier Wänden alt werden

Denn Fakt ist: Mehr als die Hälfte der Altersgruppe 50 plus möchte laut einer aktuellen Umfrage des Maklerunternehmens Re/Max so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Mit dem Einsatz neuer Technologien, so die Hoffnung, könnte dieser Wunsch Wirklichkeit werden – und so die Pflege- und Wohnsituation für Senioren verändern.

Allerdings: „Älteren Menschen kann man die moderne Technik nicht einfach so in die Hand geben, sondern sie müssen an diese neuen Möglichkeiten herangeführt werden, um sie zu verwenden“, sagt Julia Sauskojus.

Im WAALTeR-Projekt waren daher die zwei zentralen technischen Geräte zunächst ein Tablet und eine mobile Notrufuhr. Mithilfe dieser beiden Tools sollten die Senioren die Scheu vor der Technik erst einmal verlieren. Deshalb wurde den Forschungsteilnehmern von den Projektmitarbeitern genau erklärt, wie die Geräte anzuwenden sind. Während des Projekts hatten die älteren Menschen auch die Möglichkeit, bei technischen Fragen Hilfe zu bekommen – was von den Teilnehmern auch gemacht wurde.

Mit dem Tablet konnten die Testpersonen etwa Zeitung lesen, wurden über Veranstaltungen informiert, konnten sich in ein Nachbarschaftsnetzwerk einloggen und legten ein Mobilitätsprofil samt Routenplaner an. „Das Anliegen des Forschungsprojekts war es, Menschen mithilfe der Technik zu Sozialkontakten zu bringen,“ erklärt Gabriele Salomon, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei den Johannitern Österreich.

Die mobile Notrufuhr diente vor allem dazu, dass unterwegs im Falle eines Notfalls Hilfe angefordert werden konnte. In der zweiten und dritten Forschungsphase kamen weitere technische Geräte dazu: etwa der eingangs erwähnte Sturzsensor, der an der Küchendecke montiert wurde und mittels Wärmebildkamera einen Notruf absetzt, wenn eine Person am Boden liegt. Oder ein simpler Bewegungsmelder, der nach einer bestimmten Zeit Alarm schlägt, wenn keine Bewegungen im Raum registriert werden und somit der Verdacht besteht, dass dem Bewohner etwas zugestoßen sein könnte.

Außerdem wurde den Testpersonen ein so genannter Gesundheitskoffer ausgehändigt, mit dem Blutzucker und Blutdruck gemessen werden können. Die Daten wurden mit dem Tablet gleich direkt an den Arzt versandt.

Und wie beurteilen die Senioren selbst die technischen Hilfsmittel? Im Rahmen der Digital Days, die Anfang November in Wien stattfanden, präsentierte das Forschungsteam die Erfahrungen der Teilnehmer während der 18-monatigen Testlaufzeit. Und die waren durchaus positiv: Auch wenn es manchmal Fehlalarme – vor allem beim Sturzsensor – gab, so fühlten sich die Teilnehmer in ihrer eigenen Wohnung mit der technischen Ausstattung wohler.

Eveline S. etwa erzählt: „Die Technik gibt eine gewisse Sicherheit. Man muss keine Angst mehr vor dem Leben alleine haben.“ Und Liselotte R. meint: „Wenn ich unterwegs war, gab mir die Uhr ein enormes Sicherheitsgefühl.“ Viele Teilnehmer berichten außerdem, dass sie durch das Projekt neue Leute kennengelernt und auch öfter das Haus verlassen hätten.

Die Testergebnisse werden derzeit vom Projektkonsortium im Detail analysiert. Danach wird überlegt, wie die Ergebnisse in die städtische Infrastruktur – etwa im Wohnbau – integriert und weiter genutzt werden können.

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