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Wirtschaft Immobiz
10/17/2019

So wird die Luft in Innenräumen sauber

Der Mensch atmet pro Tag 15 Kilo Luft ein - vor allem aus Innenräumen. Woher Schadstoffe kommen.

Menschen verbringen gut 90 Prozent ihrer Lebenszeit in Innenräumen und atmen pro Tag 15 Kilo Luft ein. „Während die meisten Leute bedacht darauf sind, was sie essen oder trinken, denken viele eigentlich nicht darüber nach, was sie einatmen“, sagt Hans-Peter Hutter von der Abteilung für Umwelthygiene und Umweltmedizin an der Medizinischen Universität Wien.

Doch unsere Luft – gerade jene in Innenräumen – kann durch eine Vielzahl an Schadstoffen belastet sein. Manche davon sind bekannt, wie etwa Tabakrauch, Schimmel oder Feinstaub. Andere aber sind schon weniger geläufig wie Biozide, VCO-Stoffe und Glycole (siehe Liste rechts). Doch woher kommen Luftschadstoffe? Die zwei große Quellen sind:

1. Die verbauten Materialien: Vor allem große Flächen wie Bodenbeläge und Wände können eine bedeutende Quelle für eine Schadstoffbelastung in der Wohnung sein. Manche Wandfarben etwa haben einen hohen Lösemittelanteil oder beinhalten Konservierungsmittel und Fungizide zur Schimmelbekämpfung. Besser und gesünder wäre es, mineralische Anstriche zu verwenden. „Oft bedarf das Überzeugungsarbeit bei den Handwerkern, die ein Produkt über Jahrzehnte verwendet haben und nicht einsehen, auf etwas anderes umzusteigen“, sagt Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, „als Bauherr muss man sich hier auf die Beine stellen.“

Auch Bodenbeläge enthalten oft Weichmacher, die später ausdünsten. Bei Parkettböden ist darauf zu achten, mit welchen Klebstoffen sie bearbeitet wurden. „Die Auswahl an ökologischen Belägen wie Holz, Naturkautschuk und Linoleum wird aber immer größer“, sagt Harald Brugger von der Umweltberatung.

2. Tätigkeiten in der Wohnung: Vielen Menschen ist nicht bewusst, wie viel Chemie sie selbst in die Wohnung bringen. Beispiel Duft- oder Insektenstecker: Hier werden kontinuierlich chemisch starke Stoffe abgegeben – für die Luftqualität in Innenräumen ist das nicht klug. „Hierbei handelt es sich meist um sogenannte leicht flüchtige Stoffe, die Schwindel und Kopfweh auslösen können“, sagt Harald Brugger.

Auch starke Putzmittel wie antibakterielle Mittel sind wahre Chemiebomben, die im privaten Haushalt eigentlich viel zu stark sind. „Es ist verrückt, alles zu desinfizieren. Man züchtet sich damit höchstens resistente Bakterien und ein höheres Allergieentwicklungsrisiko. Ein normales Putzmittel reicht vollkommen aus“, sagt Hans-Peter Hutter.

Zusätzlich erzeugen Verbrennungsvorgänge in der Wohnung wie etwa durch Kerzen, ein Räucherstäbchen oder einen offenen Kamin Feinstaub. Dabei handelt es sich um den besonders ungesunden Ultrafeinstaub, der tief in die Lunge eindringen kann. Hutter: „Ein offener Kamin beispielsweise sollte maßvoll benutzt werden.“

Eine Reihe an Innovationen kommen derzeit auf den Markt, die die Luftqualität erhöhen sollen. Zwei aktuelle Beispiele: Der Möbelriese Ikea bringt nächstes Jahr einen Vorhang auf den Markt, der in der Lage sein wird, die Luft im Innenraum zu reinigen. Gunrid heißt die Serie und wurde mit europäischen Universitäten entwickelt. Das britische Modelabel Stella McCartney hat vergangenes Jahr einen Flagshipstore eröffnet, der als erstes Geschäft in London komplett saubere Luft haben wird. Über einen speziellen Filter werden 95 Prozent der luftverschmutzenden Stoffe herausgefiltert.

Ursachensuche oft enorm aufwendig

Doch solche Maßnahmen bringen? „Wenn es ein Problem mit der Luftqualität gibt, ist die Ursachensuche und Problemlösung enorm aufwendig“, sagt Umweltmediziner Hutter. Sprich: Die Ursache der Luftverschmutzung sollte von vorn herein vermieden werden. „Wenn gebaut wird, sollten emissionsarme Materialien verwendet werden,“ ergänzt Harald Brugger von der Umweltberatung.

Dazu gibt es eine sehr simple Methode, um die Luftqualität zu erhöhen: Lüften. Das sollte regelmäßig geschehen für drei bis vier Minuten.

Das Raumklima wird allerdings auch durch den Feuchtigkeitsgehalt und die Temperatur der Luft beeinflusst. Da die meisten Räume im Winter zu stark geheizt sind, ist die Feuchtigkeit tendenziell zu gering. In zu trockenen Innenräumen fühlen sich die meisten Menschen bekanntlich nicht behaglich.

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