Wirtschaft | Immobiz
05.12.2011

So schützen Superreiche ihre Wohnung

Fingerprint, Videoüberwachung und Sensoren auf dem Dach: Viele Luxuswohnungen haben ein ausgefeiltes Sicherheitskonzept.

Wertvolle Bilder, kostbarer Schmuck und edles Interieur. In Luxuswohnungen ist alles ein wenig teurer, exklusiver - und besser geschützt. Die Sicherheitstüren sind immer öfter mit Chipkarten- oder Fingerprint-Modulen ausgestattet. Damit kann man den Zugang von hausfremden Personen beschränken. Das Kindermädchen kann dann zum Beispiel die Tür nur innerhalb eines bestimmte Zeitfensters - etwa am Dienstagnachmittag - öffnen.

"Man kann auch einspeichern, dass der rechte Zeigefinger die Tür öffnet, der linke aber einen stillen Alarm auslöst, falls man an der Tür bedroht wird", erklärt Stephen Löwenstein, Geschäftsführer von löwenstein home comfort. Ein makaberes, aber wichtiges Detail am Rande: Ein gutes System erkennt auch, ob der Finger zu einer lebenden Person gehört. Von Code-Schlössern rät der Profi ab - vor allem bei einem Hauseingang auf der Straße: "Es kann immer sein, dass jemand beim Eintippen der Ziffern zuschaut."

Im Luxusbereich ist Sicherheit ein ganz großes Thema, da muss man einfach mehr anbieten", bestätigt Martin Müller, Geschäftsführer des Vermarktungsbereichs bei JP Immobilien. "Wir haben zum Beispiel standardmäßig bei allen neuen Objekten Videoüberwachung im Eingangsbereich. Als Bauträger stellen wir diese Technik zur Verfügung und in der ersten Wohnungseigentümerversammlung wird beschlossen, ob die Kamera eingeschaltet wird oder nicht."

Vor allem bei noblen Dachausbauten fährt der Lift oft direkt in die Wohnung. Daher werden die Aufzüge mit einer Kamera überwacht. Man will schließlich wissen, wer da auf dem Weg nach oben ist. Da aber Einbrecher selten mit dem Lift fahren, schützen viele auch das Dach. Denn wo der Rauchfangkehrer hinkommt, finden auch Verbrecher einen Weg. "Es gibt verschiedene Möglichkeiten: Eine Kamera, Lasersysteme oder Sensoren auf den Platten können Bewegungen auf dem Dach melden", sagt Löwenstein. "Für eine umfassende Überwachung muss man mit 10.000 Euro rechnen. Wir haben auch schon welche gemacht, die viel teurer waren."

Mit zwei Dachausbauten und der Revitalisierung eines ganzen Hauses sorgt conwert für mehr Luxus in der Wiener Innenstadt. "Wir gehen davon aus, dass Sicherheit etwas sehr individuelles ist", sagt der geschäftsführende Direktor, Thomas Rohr. "Wir bereiten daher alles notwendige wie Leerverrohrungen und Leitungen vor. Um die Details kümmern sich die Bewohner selbst."

Diese Erfahrung hat auch Richard Buxbaum von Otto Immobilien gemacht. Das Unternehmen vermarktet eines der exklusivsten Projekte in der Wiener City. Das im Jahr 1870 als "Hotel Britannia" erbaute Haus am Schillerplatz wird derzeit von der Firmengruppe Seeste zu Wohnungen und Penthäusern der absoluten Luxusklasse umgebaut. Ein fertiges Sicherheitssystem wird zwar angeboten, aber kaum in Anspruch genommen. "Die Eigentümer wollen nicht, dass die genauen Maßnahmen oder Schaltpläne für die Leitungen bekannt sind. Daher beauftragt jeder seine eigene Sicherheitsfirma mit der Endausfertigung", erzählt Buxbaum.

Dieses Projekt ist so exklusiv, dass es auch eine Concierge-Loge im Eingangsbereich geben wird. "Ob sie dann tatsächlich besetzt wird, entscheiden die Eigentümer", sagt Buxbaum. Denn ein 24-Stunden Concierge bietet zwar neben dem Sicherheitsaspekt auch Komfort, ist aber eine teure Angelegenheit. "Da am Schillerplatz nur High-End-Klientel kauft, gehen wir davon aus, dass die Mehrheit dafür sein wird. Gerade Eigentümer, die nicht ständig dort wohnen, wollen, dass immer jemand da ist, der schaut ob alles in Ordnung ist", so Buxbaum.

Vorsorge

Doch es muss nicht immer eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung sein. "Wenn die Bewohner das wollen, organisieren wir einen Bewachungsdienst für die Nacht. Der kontrolliert, ob alle Türen zu sind, ob in der Garage alles passt, ob alles ruhig ist", sagt Thomas Lang, Örag-Vorstand und Chef der Immobilienverwaltung. Das ist eine Maßnahme, die sich nicht nur die Superreichen leisten. "Wir haben das auch bei zwei ganz einfachen Zinshäusern gemacht", erzählt Lang: "Da gab es Einbrüche und die Mieter wollten gerne einen Sicherheitsdienst. Meist gibt es die Nachfrage aber erst dann, wenn etwas passiert ist."

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