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Wirtschaft Immobiz
10/15/2019

„Protzen ist nicht mehr erwünscht“

Der Architekt Zoran Bodrozic plant luxuriöse Villen. Warum Öko und Design bei seinen Kunden immer stärker gefragt sind.

von Barbara Nothegger

KURIER: Herr Bodrozic, Sie bauen gerade ein Winzerhaus in Wien-Währing zur „Villa Heinrich“ um. Von außen sieht das Haus sehr schlicht aus, was verbirgt sich dahinter?

Zoran Bodrozic: Bauherr des Hauses ist der Immobilienentwickler Grossmann, der das Haus später veräußern wird. Der zukünftige Käufer kann bei der Architektur noch mitbestimmen. Die Planungsaufgabe war extrem herausfordernd, weil das Grundstück nur 14 Meter breit ist und in einer Schutzzone liegt. Ein großer Teil des bestehenden Hauses kommt innen weg, damit wir auf eine Wohnfläche von 560 Quadratmeter auf insgesamt drei Ebenen kommen. Dafür wird ein Teil des Gebäudes in die Erde vergraben. Im obersten Geschoß befindet sich auf rund 100 Quadratmeter die Wohnküche. Diese Ebene besteht vor allem aus einer Glasfassade. Dahinter liegt ein Garten mit einem Außenpool, der über dem Haus schwebt und eine schöne Aussicht hat. Licht für die unteren Ebenen kommt durch Innenhöfe und Atrien.

Das Grundstück ist von der Straße her uneinsehbar. Ist Understatement wieder modern?

Der Luxusbegriff hat sich stark verändert. Protzen ist nicht mehr erwünscht. Meine Kunden sind oft erfolgreiche Geschäftsleute, die es nicht nötig haben, ihren Erfolg noch mit dem Haus zu zeigen. Stattdessen geht es darum, mit der Innenausstattung und mit Design einen guten Geschmack zu beweisen. Auch das Thema Ökologie wird immer wichtiger.

Luxus und Öko? Das klingt eher nach einem Widerspruch.

Überhaupt nicht. Die Haustechnik ist am neuesten Stand: eine Wärmepumpe, mit der man einen Teil der Klimaanlage betreiben kann. Dazu gibt es die Möglichkeit einer Photovoltaik-Anlage am Dach. Wenn die Bauherren wollen, könnten sie energetisch autark sein. Meine Kunden wollen keine Energie mehr verpulvern. Nachhaltigkeit entspricht heute dem Zeitgeist.

Ist Nachhaltigkeit eine Frage des Geldes?

Das ist ein schwieriges Thema. Es stimmt, dass die Haustechnik etwas kostet. Allerdings kann man bei guter Planung auch mit weniger Budget ein nachhaltiges Haus bauen.

Wie geht das?

Wenn der Baukörper gut gedämmt ist und eine natürliche Beschattung eingeplant wurde, dann funktioniert es auch mit einer wesentlich günstigeren Luftwärmepumpe und eventuell mit einem Kamin. Meine Definition von einem nachhaltigen Haus ist eines, das lange bestehen bleibt. Wenn die Häuser, die in der Nachkriegszeit erbaut wurden, verkauft werden, endet es meist im Abbruch. Wenn wir heute etwas bauen, das 2050 abgerissen werden muss, ist das sicher nicht ökologisch.

Worauf legen die Kunden im Luxussegment besonderen Wert?

Das ist unabhängig von der Größe: Die Menschen möchten sich in ihrem Zuhause wohlfühlen. Wenn mehr Budget vorhanden ist, dann ist die Anzahl der Bäder und eine bestimmte Ausstattung im Wellness-Bereich ein Thema.

Sie erwähnten, dass auch Design immer wichtiger wird. Wie gut kennen sich Ihre Kunden damit aus?

Es wird wesentlich mehr Geschmackskompetenz vom Architekten gefordert als noch vor ein paar Jahren. Allerdings gibt es auch so eine Art Google-Syndrom, von dem Ärzte oft berichten. Bauherren kommen mit Bildern aus dem Internet und erklären anhand der Fotos, was sie wollen.

Macht das Ihre Arbeit schwieriger?

Durch die Präsenz der vielen Bilder ist das Informationsniveau gestiegen. Daraus kann ich Wünsche ableiten. Schwierig sind eher Dissonanzen unter den Bauherren, beispielsweise bei Ehepartnern. Ein extremes Beispiel: Ich plante einmal für ein Paar – er wollte ein Schloss, sie ein Holzhaus.

Und wofür haben sich die beiden entschieden?

Für das Holzhaus. Im Diskussionsprozess hat sich herausgestellt, dass man sich ein Schloss kaufen kann. Mir ist es lieber, dass ich am Anfang weiß, dass es verschiedene Wünsche gibt. Dann kann ich mich darauf einstellen.

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