© MANFRED SEIDL; GEISWINKLER & GEISWINKLER

Neues im Alten
08/26/2013

Neues Besucherzentrum im Parlament

Kinayeh Geiswinkler-Aziz und Markus Geiswinkler haben das Besucherzentrum im Parlament gestaltet. Im Gespräch verraten sie, worauf es bei modernen Umbauten in historischen Gebäuden ankommt.

von Ankica Nikolić

Wie schwierig ist es, in historischer Bausubstanz zu bauen und dabei trotzdem den modernen Anspruch beizubehalten?

Es ist eine Auseinandersetzung mit der Geschichte, das heißt aber nicht, dass man sich dem ganz unterwerfen muss. Unser Zugang war, neue Architektur in die alte zu integrieren und es sollte durchaus als zeitgenössisches Statement erkennbar sein.

2005 wurde das von Ihnen geplante Besucherzentrum im Parlament eröffnet. Was waren die größten Herausforderungen?

Wir haben versucht, auf die Zeit, in der wir jetzt bauen, zu reagieren. Unsere Architektursprache ist generell klassisch-modern und wir denken, das passt zu jedem Baustil – egal, ob es dabei um Bauten aus dem Barock oder Jugendstil geht.

Lassen sich Gemeinsamkeiten zwischen dem Klassizismus und der modernen Baukunst von heute finden?

Theophil Hansens Handschrift ist deutlich vom Klassizismus geprägt und man kann sagen, dass dieser Stil eine Wiederbelebung der Antike ist. Die Haltung der modernen Architektur ist im Vergleich dazu nicht viel anders. Aber bei solchen Projekten geht es nicht so sehr um die Gemeinsamkeiten.

Sondern?

Es geht darum, interessante Aspekte und Verborgenes wiederzuentdecken. Bei der Baustellenbesichtigung im Zuge des Wettbewerbs haben wir das Stützgewölbe entdeckt, welches zugeschüttet war. Wir wollten dieses Element für unseren Entwurf wieder aktivieren und haben den Luftraum bis ins nächste Untergeschoß geöffnet. Gemeinsamkeiten gibt es vielleicht doch. Bei den Werken von Theophil Hansen standen Funktion und die Liebe zum Detail im Vordergrund. Diese Komponenten findet man auch in der modernen Architektur wieder.

Hansen hat im Parlament viele Farben verwendet. Sie haben bei der Gestaltung des Besucherzentrums auf Schwarz und Weiß gesetzt. Wie kam es dazu?

Eben gerade aus dem Grund, weil Theophil Hansen sehr viele Töne für die Innenräume verwendet hat. Unserer Meinung nach wäre es falsch gewesen, ebenfalls bunt zu werden. Schwarz und Weiß sind zurückhaltender und sorgen dafür, dass die Räume größer wirken.

Wie schwierig war es, die richtigen Materialien zu finden?

Wir haben eher kalte Materialien wie Stahl, Corian, Terrazzo und in diesem Fall auch Parsolglas (Anmerkung der Redaktion: durchgefärbtes Glas) verwendet. Diese sind sehr zeitlos und wir achten immer darauf, dass die Materialien als solches auch erkennbar sind. Nur beim Terrazzoboden haben wir die Körnung etwas gesteuert.

Geiswinkler & Geiswinkler

Kinayeh Geiswinkler-Aziz und Markus Geiswinkler haben 1990 ihr gemeinsames Büro in Wien gegründet. Bislang realisierte Projekte sind unter anderem die Wohnhausanlage Karré St. Marx und die Gartensiedlung Am Hofgartel. Für letztere wurden sie im Jahr 2005 für den Mies van der Rohe Award nominiert.

www.geiswinkler-geiswinkler.at

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