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Wirtschaft Immobiz
12/12/2020

Heuer wie damals: Nostalgie für den Christbaum

Dieses Jahr weihnachtet es wie früher. Corona kann zumindest dem Christbaum nichts anhaben. Über Schmucktrends, Pflegetipps und Nostalgisches.

von Diana Dauer

Glitzernde Kugeln, Tannenduft, Kerzen, die Familie versammelt sich, das Festessen wird zubereitet. Ein letzter Abstecher auf den Christkindlmarkt, damit das Christkind Gelegenheit hat, die Geschenke zu bringen. Zurück zu Hause werden die Ohren gespitzt, kein Geräusch.

Dann ein helles Klingeln. Die Türe öffnet sich und der Christbaum erstrahlt in seiner Pracht. Das ist der magische Moment der Kindertage. Aber wie so vieles wird in diesem Jahr auch das Weihnachtsfest anders sein. Ohne Christkindlmärkte, Punschstände und große Feiern bekommt der geschmückte Baum eine noch stärkere Bedeutung. "Es fällt ja alles weg, was die Weihnachtszeit sonst ausmacht. Was uns bleibt, ist der Christbaum“, sagt ein junger Mann bei einem Schneespaziergang in Wien mitten im Lockdown.

Was den Christbaumschmuck beeinflusst

"Der Christbaum spiegelt den Zeitgeist wider“, erklärt Anita Gosztola, selbst ernannte Weihnachtsbotschafterin und Besitzerin des Wiener Christmas Salon im Gespräch mit dem KURIER.

„Dieses Jahr war für viele Menschen schwierig und dunkel, deshalb gehen sie zurück zur Familie, zur Liebe und zur Tradition. Viele wählen für dieses Jahr das klassische Farbschema aus goldenen und roten Kugeln“, erklärt Gosztola den Christbaum-Trend 2020.

Beinahe alle goldenen und roten Kugeln sind in ihrem kleinen Salon am Franziskanerplatz 6 im ersten Bezirk bereits ausverkauft. Der Baumschmuck im Wiener Christmas Salon kommt von Manufakturen, von Designern, manchmal auch von Sammlern oder aus Hinterlassenschaften – nicht aus der Massenproduktion.

Ein großer Unterschied

Der Unterschied zwischen mundgeblasenem, handgefertigten Christbaumschmuck und Massenware ist für die Expertin und ihre Kunden klar: "Man sieht es. Handgefertigte Kugeln sind Unikate, sie sind aus Glas und behalten ihre Farbkraft.

Außerdem ist es eine Frage der Verarbeitung.“ Die Qualität lässt sich in Farbe, Haptik und an der Verschlusskappe feststellen. Hochqualitative Kugeln haben den Herstellernamen oft im goldenen Hütchen eingraviert.

"Der Baumschmuck hat häufig sentimentalen Wert. Es handelt sich oft um Erinnerungsstücke oder Geschenke. Meistens werden jedes Jahr ein oder zwei besondere Stücke dazugekauft. Menschen setzen hier auf Qualität statt Quantität“, erzählt die Weihnachtsbotschafterin.

 

Die Trends 2020

Neben dem rot-goldenen Klassikern sind heuer aber noch andere Baumschmucktrends auszumachen. En vogue ist auch der Retro-Look. Der Vintage-Boom macht auch vor Weihnachten nicht halt. Geschmückt mit Sammlerstücken, im viktorianischen Stil, dem berühmten Gablonzer-Glasperlenschmuck und Reflexkugeln steht dieser Baum auch heuer für den Geist der vergangenen Weihnacht. Auch der Umwelt- und Naturtrend hält seit einigen Jahren Einzug. Manche Bäume werden mit Natur-Materialien, Holzfiguren und Strohflechtungen behängt.

Vom Wunderland-Hasen

"Der Christbaum entspricht immer der Persönlichkeit. Man erkennt am Baum den persönlichen Stil,“ weiß Gozstola. Es gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Aber, so rät die Expertin, man sollte eine Linie durchziehen. Entweder einen Stil wählen und dabei maximal zwei bis drei Farben kombinieren oder komplett bunt mischen.

Wem Farbendualität, Kugeln und Glasperlen zu wenig sind, der greift vermehrt zu schillernden und märchenhaften Figuren. Auch hier prägen der Zeitgeist aber auch die Popkultur. Neben den bekannten Pfauen und Vögelchen findet man auch Disney-Interpretationen aus Märchen, wie der Nussknacker, Alice im Wunderland oder die Schöne und das Biest.

Spitze? Oder Masche?

Die Krönung des Baums ist die Spitze – auch hier will weise gewählt werden. Masche? Spitze oder Engelchen? „Klassisch und elegant ist in Österreich die Spitze aber auch das Engelchen.“ Das ist seit Kaiserin Sisi, die als erste ein Engelchen an die Spitze gesetzt haben soll in Mode. Maschen werden in Österreich traditionell eher selten gewählt“, erklärt die Weihnachtsexpertin.

"Pomp & Gloria“-Inhaber Oskar Strasser über besondere Bräuche und Besonderheiten, die zur Tradition wurdenDer Baumschmuck hat Geschichte. Das Fest aber ist viel älter als die Tradition der Christbaumkugeln.  Ein geschmückter Weihnachtsbaum ist  nicht erst seit diesem Jahrhundert ein zentrales Element dieser Feiertage. 

1847 soll die erste gläserne Christbaumkugel im Thüringer Wald angefertigt worden sein. Davor wurden die Christbäume mit Nüssen und Äpfeln geschmückt. "Ein Glasbläser, dem das Geld für Äpfel fehlte, fertigte dann Kugeln aus Glas an“ erklärt Oskar Strasser, Inhaber von Pomp & Gloria, das  Ausgefallenes und Vintage-Christbaumschmuck im Sortiment hat. "1880 brachte ein Herr Woolworth diese Idee in die amerikanischen Kaufhäuser und es wurde ein Hype auf der ganzen Welt.“

Ein weiterer geschichtsträchtiger Brauch geht zurück auf die 1920er Jahre. "Es ist die Gurke“, berichtet Strasser. Ärmere Familien, die kein Geld für Geschenke für alle Kinder hatten, versteckten eine Gurke im Baum.  Das Kind, das sie als erstes entdeckte, bekam ein Geschenk.


"Den geschmückten Weihnachtsbaum gibt es erst seit rund 200 Jahren“, erzählt Strasser. Der erste schriftliche Beleg eines geschmückten Christbaums geht aus  den Metternich-Geheimakten hervor.   Danach soll die Wiener Salonnière und Gesellschaftsdame Fanny von Arenstein 1814 einen geschmückten Christbaum gehabt haben. "1816 war Kaiser Franz I bei einem Weihnachtsfest bei Prinzessin Nassau-Weilburg und sah erstmals einen geschmückten Baum. “ Im Jahr darauf soll er selber einen gehabt haben, dann auch die  Bevölkerung, so Strasser. 

Das Jahr 2020 hat die Menschen in ihrem Inneren erschüttert. Das zeigt sich auch beim Baumschmuck. Denn man könnte den Trend dahingehend interpretieren, dass sich Menschen nach  einer einfacheren Zeit  wie in ihrer  Kindheit sehnen, in der noch an die Magie von Weihnachten und dem Christkind geglaubt wurde. Das äußert sich einerseits durch den Griff zur klassischen Rot-Gold-Kombination, wie auch Gablonzer-Geschäftsführer Thomas Zimmermann weiß.

"Unser Glasperlenschmuck ist der älteste Gablonzerschmuck. Wir verkaufen dieses Jahr überraschend viel davon“. Die beliebtesten Farben sind auch bei Gablonzer Rot, Gold und  Silber.  Auch  Oskar Strasser von Pomp & Gloria  merkt bei seinen Kunden den Hang zum Traditionellen. "Die Menschen sind nostalgisch und wollen einen Weihnachtsbaum, wie ihn die Oma gehabt haben könnte.“ Dieses Jahr wird bei Pomp & Gloria besonders zum traditionellen Lauscherschmuck gegriffen, der Märchenfiguren verkörpern, etwa Rotkäppchen, dem  Wunderland-Hasen oder nostalgischen Figuren, wie ein Affe mit Schellen. "Die  schöne alte Zeit wird verherrlich.“

Der Baum soll schön werden und schön bleiben – aber wie?Bei der Präferenz des richtigen Christbaumes gibt es regionale Unterschiede, weiß Christbaum-Service-Geschäftsführer Gernot Brandl. In Wien und im  Umland sind besonders buschige, pyramidale Bäume beliebt. "Im Westen Österreichs bevorzugt man etagenartige  Bäume.“ Seit Mitte der 2000er Jahre hat sich in Österreich die Nordmannstanne durchgesetzt.

"Sie hat ein saftiges Grün und sticht weniger als die Blaufichte“, sagt Brandl im Gespräch mit IMMO. Die beliebteste Tanne ist zwischen 1,80 Meter und 2,20 groß. Bis zum Heiligen Abend sollte der Baum gekühlt im Netz gelagert werden – so kann er sich vom Schock des Fällens erholen. Anschließend sollte der Baum die ersten zwei bis vier Tage nach dem Aufstellen kräftig gewässert werden.

Ein Tipp der Experten: Den Baum immer wieder mit Wasser und Zirbenöl bespritzen. Beim Schmücken darauf achten, dass die Lichterketten von innen nach außen gelegt wird. Für 1,80 Meter braucht man etwa eine 2,40 Meter lange Lichterketten. Die Kugeln werden von unten nach oben befestigt, unten eher die großen Kugeln, oben die kleineren.

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