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27.09.2012

Hausbau: Die zehn häufigsten Fehler

Bauherren müssen viele Entscheidungen treffen: Das sollten Sie über Planung, Finanzierung, Eigenleistung, Bauüberwachung und Gewährleistung wissen.

A us Schaden wird man klug, weiß der Volksmund. Glücklicherweise muss man nicht jede Dummheit selbst machen, man kann auch aus den Fehlern anderer sehr viel lernen.

Brigitte Vallazza, Autorin des Ratgebers "Abenteuer Hausbau" und Michael Jakowitsch, Baumeister und Geschäftsführer von siplan, haben mit IMMO über die häufigsten Irrtümer der Bauherren und die besten Tipps für das Projekt Hausbau gesprochen.

 Achten Sie bei der Suche nach dem passenden Grundstück auch auf Details.

Baumschutzgesetz, Kontaminierung, Grundwasserspiegel? Nicht alle Käufer achten auf diese wichtigen Details. Sollten sie aber. Denn bei zu hohem Grundwasserstand sind umfangreichere Isolierungsmaßnahmen notwendig und das verursacht zusätzliche Kosten. Bei Verschmutzungen ist womöglich der Käufer zur Sanierung der Altlasten verpflichtet und in manchen Bundesländern darf der neue Eigentümer Bäume in seinem Garten nicht fällen.

Am besten zeigt man das Grundstück einem Baumeister oder Architekten. Denn: "Die Lage, die Form des Grundstückes und die Bodenbeschaffenheit wirken sich auf den Hausbau aus – gestalterisch ebenso wie finanziell", erklärt Vallazza.

 Informieren Sie sich gut und lassen Sie sich genug Zeit für die Planung.

"So wie man nicht die Kupplung des Autos selbst repariert, sollte man schon gar nicht die Planung eines Hauses auf eigene Faust machen. Ein Architekt liefert bessere Lösungen als einem selbst eingefallen wären. Außerdem kümmert er sich – so Sie ihn beauftragen – um die Abwicklung der Einreichung, die Suche nach den Professionisten und er überwacht deren Arbeit", sagt Vallazza. Ein guter Architekt spielt seine Kosten über schlaue Lösungen, professionelles Vorgehen und gute Kontakte zu Profis wieder ein.

Aber man muss auch selbst Verantwortung übernehmen und sich informieren: Nur wer über die Möglichkeiten und die Bauprozesse Bescheid weiß, kann die richtigen Fragen stellen und die richtigen Entscheidungen treffen. Stellen Sie auch vermeintlich dumme Fragen. Besser einmal zu viel, als einmal zu wenig gefragt.

Eine vernünftige Planung spart Kosten. "Wenn man den Fliesenleger um ein Prozent runterhandelt, spart man etwa 200 Euro. Wenn man aber durch effiziente Planung vier Quadratmeter Grundfläche einspart, sind es rund 8000 Euro weniger", bringt Jakowitsch ein Beispiel.

 Denken Sie beim Grundriss und der Ausstattung langfristig.

Geschmäcker sind verschieden – und sie ändern sich im Lauf der Zeit. Man sollte bei der Planung daher nicht nur an heute denken. "Viele meinen, sie müssten in das neue Haus alles packen, was ihnen gefällt und was sie in Wohnmagazinen gesehen haben. Man kann da leicht überdesignen", warnt Vallazza. Zeitlosigkeit ist zwar nicht zu erreichen, aber man kann sich ihr annähern. Dann fühlt man sich auch nach zehn Jahren in dem Haus noch wohl.

Besonders wichtig ist ein flexibler Grundriss: Einen Raum, den Sie heute planen, brauchen Sie morgen vielleicht schon nicht mehr. Oder es stellt sich Nachwuchs ein und Sie brauchen doch ein weiteres Zimmer. "Denken Sie auch daran, wie gut das Haus noch nutzbar ist, wenn nicht alle Familienmitglieder fit sind – es reicht ein Beinbruch. Und überdenken Sie Träume. Viele träumen von der Sauna, die sie dann doch nie benützen", erzählt die Autorin.

 Machen Sie einen realistischen Zeitplan und halten Sie sich daran.

Haus bauen ist ein Fulltime-Job, auch wenn man nicht selbst handwerklich tätig wird. Man verbringt viel Zeit mit Informieren, Planen, Gustieren und Kalkulieren. "Sie werden für nichts anderes mehr Zeit haben. Das sollten Sie vorher bedenken", betont Vallazza. Es sollte daher einen – nicht zu knapp kalkulierten – Zeitplan geben. Sich daran zu halten bedeutet nicht nur, den Planer und die Handwerker in die Pflicht zu nehmen, sondern auch, selbst Entscheidungen zu treffen und nicht jeden Entschluss auf die lange Bank zu schieben.

 Überschätzen Sie Ihre handwerklichen Fähigkeiten nicht.

Die Einsparungen, die man durch Eigenleistungen erzielen kann, werden oft überschätzt. "Ein Baugrubenaushub kostet rund zehn Euro pro Kubikmeter, dazu kommen die Kosten für die Deponie. Da zahlt sich selber schaufeln einfach nicht aus. Da ab einer gewissen Tiefe sogar Einsturzgefahr besteht, empfehle ich, Grabungsarbeiten auf jeden Fall an Profis zu vergeben", so Jakowitsch.

Viele wollen zumindest selbst ausmalen oder Fliesen legen. "Versuchen Sie es zuerst im Abstellraum. Nur wenn Sie mit der Qualität Ihrer Arbeit zufrieden sind, sollten Sie im Rest des Hauses tätig werden", meint der Baumeister.

Er warnt auch davor, selbst auszumessen. Denn wer hier einen Fehler macht, bleibt auf den Kosten sitzen. "Seriöse Fensterfirmen kommen und nehmen das Naturmaß. Erst dann wird produziert", sagt Jakowitsch. "Viele Bauherren messen selbst und wundern sich dann, wenn die Fenster nicht passen. In der Baubranche gibt es aber verschiedene Maße wie das Rohbaumaß oder die Architekturlichte. Es geht dabei zwar nur um ein paar Zentimeter, aber die machen eben den Unterschied."

 

Achten Sie auf eine gesunde Finanzierung und planen Sie Reserven ein.

"Lassen Sie sich auf das Abenteuer nur ein, wenn sie mindestens über ein Drittel Eigenkapital verfügen, besser noch über die Hälfte", rät Vallazza. "Alles andere wäre eine enorme Belastung – finanziell und auch psychisch. Stellen Sie sich vor, eines Ihrer beiden Gehälter würde wegfallen."

Außerdem sind die Kosten am Ende immer höher als ursprünglich geplant – auch wenn keine groben Fehler auf der Baustelle passieren. Man sollte daher bei den Baukosten eine Reserve von fünf bis zehn Prozent einkalkulieren.

Lassen Sie den Baufortschritt und das fertige Haus von einem Profi kontrollieren.

"Wer spart, kann viel Geld verlieren", warnt Jakowitsch. "Die meisten kommen erst zu uns, wenn schon die ersten Dinge schiefgegangen sind. Ein unabhängiger Bauherrenberater kann rechtzeitig eingreifen und hilft letztendlich, Geld zu sparen. Unternehmen wie siplan oder TÜV Austria Consult bieten sowohl eine begleitende Kontrolle beim Hausbau als auch eine Endprüfung an. Denn spätestens bei der Bauabnahme sollte ein Sachverständiger dabei sein. Experten findet man etwa über den Österreichischen Sachverständigen-Verband.

Planen Sie die Gestaltung des Außenbereichs von Anfang an mit.

Ist das Haus endlich fertig, sieht dafür der Garten aus wie eine Baustelle. Für einen Landschaftsarchitekten fehlt dann meistens das Geld. Man muss zwar beim Hausbau noch nicht wissen, welche Blumen man später pflanzen will, aber ein wenig Planung wäre sinnvoll. Denn so lassen sich wunderbar Synergien schaffen: "Wenn der Bagger schon mal da ist, kann man auch gleich den Pool ausheben lassen. Der Elektriker kann sich gleich ums Licht auf der Terrasse oder im Gartenhäuschen kümmern", sagt Vallazza.

Sprechen Sie mit Ihrem Partner und treffen Sie Entscheidungen gemeinsam.

Man glaubt, man kennt den Partner. Aber beim Hausbau kann man einige Überraschungen erleben – zum Beispiel, dass der andere Blümchentapeten mag. Das Projekt Hausbau muss eine Sache von beiden Partnern sein. Entscheidungen sollte man gemeinsam treffen. Jeder für sich muss überlegen, ob er den Beschluss wirklich mittragen kann. Wer nur nachgibt, damit er seine Ruhe hat, wird irgendwann unzufrieden sein. Daher müssen beide Partner voll hinter jeder Entscheidung stehen können.

Achten Sie auf Gewährleistungsfristen und heben Sie alle Unterlagen auf.

Wenn man innerhalb von drei Jahren einen Mangel bemerkt und weiß,wer ihn verursacht hat, kann man einen Gewährleistungsanspruch gegenüber dem Unternehmen geltend machen. Zuerst wird eine Frist zur Behebung des Schadens gesetzt. Erst wenn nichts passiert, folgt der Weg zu Gericht. Den Schaden inzwischen selbst reparieren, sollte man aber nur nach Beweissicherung und Kostenvoranschlag. Bei versteckten Mängeln – also solchen, die aufgrund von Bau-Fehlern entstehen, aber erst Jahre später ans Tageslicht kommen– kann man bis zu 30 Jahre nach der Übergabe Schadenersatzansprüche geltend machen. Heben Sie daher alle Unterlagen für mindestens 30 Jahre auf.