Wirtschaft | Immobiz
10.04.2018

Interview: "Es tut gut, wenn man Rückhalt hat"

Daniela Witt-Dörring, Ingrid Fitzek-Unterberger und Margret Funk über männliche Alphatiere und weibliche Solidarität

KURIER: Sie waren alle drei Gründerinnen des Salon Real. Was waren damals, vor beinahe zehn Jahren, Ihre Motive?

Margret Funk: Wir wollten etwas für die Frauen in der Branche tun. 
Ingrid Fitzek-Unterberger: Wir trafen uns im Cafe Landtmann und einigten uns dort auf Inhalte, einen Namen und die Frauen, die wir ansprechen wollten. Bei unserer Gründungssitzung waren wir bereits etwa 30 Personen. 

Ging es den Frauen damals so schlecht in der Branche?

Daniela Witt-Dörring: Rational wussten wir, wie es um die Position der Frauen in der Wirtschaft bestellt ist: etwa die ungleiche Bezahlung und schlechtere Aufstiegschancen. Es war aber mehr das große Bild, das uns zur Gründung des Salon Real brachte. Wir hatten gemerkt, dass es so viele tolle Frauen mit großartiger Expertise in der Immobilienbranche gibt, die aber zu wenig wahrgenommen werden. Große, starke Alpha-Männer beherrschten wie selbstverständlich die Szene. Männer haben so viele informelle Netzwerke. Und wir Frauen hatten das nicht. Und das geht zulasten von Chancen auf Empfehlungen, Aufstieg und Geschäft.

Wie haben die männlichen Kollegen auf das Frauennetzwerk reagiert? 

Fitzek-Unterberger: Anfangs waren sie oft spöttisch und untergriffig. Heute ist das anders. Die Männer  blicken ein bisschen neidvoll auf den Salon und versuchen Frauen aus ihren Unternehmen bei uns zu positionieren.

Was hat sich seit der Gründung für Frauen in der Branche verändert?

Fitzek-Unterberger: Das Selbstvertrauen der Frauen ist größer geworden, auch in der Öffentlichkeit sind sie präsenter.In den Vorstandsetagen der börsenotierten österreichischen Immobilienunternehmen sitzt allerdings keine einzige Frau.

Woran liegt das?

Fitzek-Unterberger: Die gläserne Decke hängt noch tief. Daran müssen wir noch arbeiten. Ein Grund ist sicher, dass bestehende Vorstands- und Aufsichtsratspositionen mit Männern besetzt sind und versucht wird, offene Posten durch die jeweils eigenen Netzwerke zu besetzen.
Funk: Das ist ein wichtiges Moment im Salon Real. Wir versuchen, uns gegenseitig zu unterstützen, zu fördern und zu empfehlen. Es tut gut, wenn man als Frau weiß, dass man einen Rückhalt hat. Und wenn ein Mitglied Schwierigkeiten hat, dann trägt man sie und empfiehlt sie weiter.
Witt-Dörring: Durch das Netzwerk bleibt es nicht mehr geheim, wenn eine Frau ungut behandelt wird. Die Frauen haben die Möglichkeit, zu erzählen. Abgesehen davon haben wir auch viel Spaß im Netzwerk und es sind viele Freundschaften an der Schnittstelle privat-beruflich entstanden, die den Informationsaustausch fördern.

Wohnen ist ein weibliches Thema, weil Frauen in diesem Lebensbereich die Entscheidungen treffen. Ist es nicht im Sinn der Unternehmen, gerade in geschäftlicher Hinsicht, den Frauenanteil in Spitzenpositionen zu erhöhen? 

Funk: Die, die den Kundenkontakt haben und draußen auf der Straße das Geschäft machen, sind sehr oft Frauen. Sie verstehen die Kunden, können sich einfühlen und gut kommunizieren. Gerade unter Maklern gibt es deswegen viele Frauen. Aber in den Maklerunternehmen wie auch bei Hausverwaltern stehen meistens Männer an der Spitze. Und die Frauen, die es schaffen, sind überdurchschnittlich tüchtig.
Witt-Dörring: Die meisten Frauen im Salon Real sind übrigens auch für Frauenquoten, wobei das Wort „Quotenfrau“ ja leider auch zu einem männlichen Code geworden ist. Jedenfalls kommt es nicht darauf an, ob man als qualifizierte Frau mit einer Quote in eine Position gekommen ist, sondern was man daraus macht.
Fitzek-Unterberger: Wenn die Quote dazu geführt hat, dass Führungspositionen ausgeglichen zwischen Männer und Frauen verteilt sind, dann könnte man eventuell wieder darauf verzichten, weil es sich dann vielleicht automatisch die Waage hält.


Sie sind alle drei Mütter. Wie haben Sie das hinbekommen?
Funk:  Es ist nicht leicht. Aber es geht. Ich habe meine beiden Kinder manchmal zu Besichtigungen an den  Wochenenden mitgenommen.
Fitzek-Unterberger: Bei mir musste es gehen. Ich war alleine mit Zwillingen und habe immer Vollzeit gearbeitet. Viel von meinem Gehalt ist in die Kinderbetreuung geflossen.
Witt-Dörring: Die Einstellung der Frauen ist sehr wichtig. Als Anwältin arbeite ich oft bis 23 Uhr. Deshalb bin ich aber noch keine Rabenmutter.

Wie wird man eigentlich Mitglied im Salon Real?
Witt-Dörring:
Es gibt ein Bewerbungsverfahren. Wir haben kürzlich unsere Aufnahmeregeln etwas strenger gemacht. Frauen, die Mitglied werden wollen, sollten bereit sein, auch aktiv etwas beizutragen. Beispielsweise indem sie regelmäßig an unseren Veranstaltungen teilnehmen oder bei unseren Reisen mitfahren. Demnächst fahren wir nach Kopenhagen. Ein Netzwerk funktioniert nur, wenn die Mitglieder etwas einbringen. Sich mit dem Salon Real nur ein Mascherl umzuhängen – das wollen wir nicht fördern.