© EOOS/Elfie Semotan

Wirtschaft Immobiz
08/06/2019

EOOS setzt neue Maßstäbe mit „Toilet-Revolution“

Mit SAVE! entwickelten EOOS und Laufen ein neues WC-System – zu sehen in Mailand und im MAK

von Julia Beirer

KURIER: Sie haben mit SAVE! ein neues WC-System entwickelt. Wie funktioniert das?

Gernot Bohmann: Es schaut aus, wie eine normale Toilette. Die Innovation spielt sich im Inneren ab. Dort werden Urin und Fäkalien getrennt, indem der Urin mit geringer Geschwindigkeit entlang der Wand in ein Loch rinnt. Wenn gespült wird, geht das Wasser mit höherer Geschwindigkeit vorbei nach unten. Damit ist ohne technische Hilfsmittel, nur mittels Keramik und Strömungstechnik, eine Urintrennung erreicht. Architektonisch sind zwei Anschlüsse nötig, was bei Neubauten kein Problem ist.

Warum trennt man?

Martin Bergmann: Urin und Fäkalien sind im Gemisch schwer zu reinigen. Derzeit wird Urin ins Meer geleitet und erzeugt Algenwachstum. Dadurch kommt es zu komplett toten Zonen, in denen kein Fisch existieren kann. Davon gibt es in Europa bereits 20 bis 30. Diese Umweltprobleme sind noch unbekannt und unterschätzt. In Paris gibt es bereits einen Stadtteil, für den SAVE! überlegt wird, weil die Seine schon so verunreinigt ist.

Wie lange haben Sie an der neuen Toilette getüftelt?

Bergmann: Zwei Jahre waren es sicher, wenn nicht sogar mehr.

Wie lang wird es dauern, bis sich das System durchsetzt?

Bergmann: Das wird lange dauern, weil es systemisches Design ist und damit abhängig davon, wie Kläranlagen gebaut werden. Man kann aber auch nicht immer weiter Kläranlagen bauen, da sie zu viel Wasser brauchen. Das wird in den nächsten Jahren noch diskutiert werden. Städte wie Paris meinen das aber schon ernst. Die sind von der Kapazität schon ausgefüllt. Ab 2020 kann man das WC bei Laufen kaufen.

Dieses Produkt wird vielleicht die Welt verändern. Ist das Ihr Ziel?

Bergmann: Es war unser Ziel. Aber so eine Idee kommt nicht jeden Tag und man braucht Jahre dafür, auch wenn es jetzt vielleicht sehr einfach erscheint.

Was war die Idee hinter der Installation „Toilet Revolution“ in der Triennale in Mailand?

Bohmann: Das WC ist in der Mitte zwischen Land und Wasser. Ein Rohr führt vom WC ins Wasser. Es gibt zwei Simulationen. Eine zeigt, was passiert, wenn der Stickstoff ins Wasser geht. Die andere, was passiert, wenn der Stickstoff recycelt wird. Im Zentrum steht ein echtes Produkt . Das war der Grund für den zweiten Ausstellungspreis während des Salone del Mobile.

Auch im MAK ist das WC im Rahmen der EOOS-Ausstellung KLIMAWANDEL! zu sehen. Wie?

Bohmann: SAVE! steht in einer Vitrine im Design-Labor. Daneben haben wir die Dünger- Toilette von Friedensreich Hundertwasser nachgebaut. So ist ein schönes Doppelbild entstanden.

>>Die Ausstellung Im MAK Wien ist noch bis 6. Oktober 2019 zu sehen.