Wirtschaft | Immobiz
24.01.2012

Ein Safe für den Schlüssel

Ein kleines Kästchen erleichtert pflegebedürftigen Personen und ihren Betreuern das Leben.

Wer öffnet die Tür, wenn man selbst nicht aufstehen kann? Wie kommen in diesem Fall Ärzte, Pfleger und Betreuer in die Wohnung?

Wer nicht an alle möglichen Personen Wohnungsschlüssel verteilen will, der kann einen im sogenannten Schlüsselsafe verwahren. Der Hausarzt und die Mitarbeiter von sozialen Diensten bekommen den Zahlencode für den kleinen Tresor, der in der Regel an einer etwas versteckten Stelle in der Nähe der Wohnungstür montiert wird. Da die sozialen Dienste eine Begeh-Card, also einen Zentralschlüssel fürs Haus haben, ist es nicht notwendig, das Kästchen außen neben der Hauseingangstür anzubringen.

"Vor allem bei Klienten die mehrmals täglich eine Betreuung oder Pflege benötigen, können so Kosten für zusätzliche Schlüssel gespart werden", sagt Christine Penz von der Volkshilfe Wien. Auch die Caritas berät ihre Kunden in Sachen Schlüsselsafe und kümmert sich auf Wunsch auch um die Montage: "Wir verwenden ein Modell, das auch das Sozialministerium auf der Webseite www.hilfsmittelinfo.gv.at empfiehlt. Die Safes kosten zwischen 70 und 115 Euro inklusive Montage. Es gibt aber verschiedene Ermäßigungen für niedrige Einkommen", berichtet Thomas Siegl, Leiter des Bereichs Betreuen und Pflegen bei der Caritas Wien.

Montage erlaubt?

Aber darf man so einen Kasten überhaupt montieren? "Der Hauptmieter müsste dem Vermieter den geplanten Einbau des Tresors anzeigen. Der Vermieter stimmt entweder ausdrücklich zu oder er lehnt nicht innerhalb von zwei Monaten ab, wodurch seine Zustimmung ebenfalls als erteilt gilt", erklärt Christian Wolf, Wohnrechtsexperte der Hausverwaltung IMV. Lehnt der Vermieter ausdrücklich ab, muss der Mieter seinen Anspruch mit einem Antrag bei der Schlichtungsstelle durchsetzen. "In der Praxis wird der Einbau aber vom Vermieter gestattet", beruhigt Wolf.

Im Wohnungseigentum ist für eine Veränderung an allgemeinen Teilen die Zustimmung aller übrigen Eigentümer oder die Ersetzung der Zustimmung im Außerstreitverfahren notwendig. "Auch hier wird der Einbau meistens gewährt. Oft werden die anderen Eigentümer per Aushang informiert und im Falle eines Einwandes – der aber aufgrund der sozialen Komponente erfahrungsgemäß nicht erfolgt – zur Stellungnahme aufgefordert, ", so Wolf.

Erleichterung für Einbrecher?

Manche fürchten, dass ein Schlüsselsafe Einbrechern das Leben erleichtern könnte. Im Ernstfall könnte es jedenfalls Probleme mit der Versicherung geben. "Kommen die Täter durch das Aufbrechen des Schlüsselsafes zum Schlüssel und gelangen mit diesem in die Wohnung oder das Haus, liegt bei den meisten Versicherungen kein gedeckter Einbruch im Sinne der Bedingungen vor. Es kommt dann lediglich die Versicherungssumme für den einfachen Diebstahl zum Tragen", erklärt UNIQA-Vorstand Robert Wasner.

"Die Erfahrungen der vergangenen 15 Jahre zeigen, dass noch nie ein Schlüsselsafe aufgebrochen wurde", beruhigt Penz. Auch Siegl gibt Entwarnung: "Wir haben in Wien und Niederösterreich über 2500 Notruf-Kunden. 80 Prozent davon haben einen Safe, in 20 Jahren ist keiner aufgebrochen worden. Weitere 4500 Kunden nehmen Pflege und Betreuung in Anspruch. Von ihnen haben rund 40 Prozent einen Safe und auch hier ist noch nichts passiert." Sein Sicherheitstipp: "Ändern Sie unbedingt regelmäßig den Zahlencode."

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