Hans J. Wegner inmitten seienr Stühle.

© Hans J. Wegner Tegnestue VS

Ein ganz Großer
12/21/2014

Ein ganz Großer

Hans Jørgensen Wegner hätte heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert. Christian Holmsted Olesen veröffentlichte nun eine Monografie über den wohl wichtigsten Designexport Dänemarks.

von Ankica Nikolić

Es ist, als wäre das mit ,dem Stuhl‘ einfach Unsinn. Denn den einen Stuhl gibt es nicht. Ich spüre, dass er immer weiter wegrückt, je mehr ich an ihm arbeite. Vielleicht aber auch nicht. Es lässt sich nichts Engültiges schaffen. Das können nur die, die nicht verstehen, worum es geht. Ich meine immer, dass man es noch besser machen kann – vielleicht einfach nur mit vier geraden Stäben.“ Hans J. Wegner, 1992 Das Zitat eines der bekanntesten Vertreter der dänischen Moderne scheint auf den ersten Blick nicht ganz zu ihm zu passen. Immerhin hat er im Laufe seiner Karriere rund 500 Entwürfe entwickelt und realisiert. 1914 im südjütländischen Tønder geboren und aufgewachsen, genießen die Produkte des gelernten Tischlers Hans J. Wegner Kult-Status und zählen seit vielen Jahren zu begehrten Klassikern. Glaubt man den Erzählungen soll der Sohn eines Schuhmachermeisters bereits in jungen Jahren seine Liebe zum Handwerk, vor allem zur Holzschnitzkunst entdeckt haben. https://images.kurier.at/4er-STEH%2BCH07_woSmallDot_front.jpg/103.888.454 Carl Hansen & Son 4er-STEH CH07_woSmallDot_front.jpg Im Alter von 14 Jahren begann er eine Tischlerlehre, ein paar Jahre später zog es ihn nach Kopenhagen, wo er vorerst seinen Wehrdienst leistete. 1936 absolvierte er einen Kurs am Technologischen Institut und bewarb sich später an der Tagesschule für Tischler der Kunsthandwerkerschule. Die Leitung hatte Orla Mølgaard-Nielsen inne. Er war es auch, der Wegners Talent erkannte und ihm eine Stelle – ohne Abschluss, bei den Architekten Arne Jacobsen und Erik Møller verschaffte, die damals mit der Planung des Rathauses im dänischen Aarhus betraut wurden. Die Möblierung für das Projekt entwickelte Wegner im Alleingang. Im Jahr 1940 machte er sich im dänischen Aarhus selbstständig, um sich künftig verstärkt seinen Ambitionen als Möbeldesigner widmen zu können. "Man sollte klar Nein sagen zu ihnen (den Produzenten), aber das ist schwer. Die müssen nun mal produzieren und langsam aber sicher werden sie deine Freunde. Eigentlich sage ich nicht gerne Nein zu Angeboten, da sie vielleicht Möglichkeiten bieten, die auszuprobieren man sonst vielleicht nicht die Chance hätte.“ Hans J. Wegner Der https://images.kurier.at/4er-STEH%2BCH445_Detail_01.high.jpg/103.888.463 Carl Hansen & Son 4er-STEH CH445_Detail_01.high.jpg Den ersten Vertrag schloss Wegner mit der Firma Planmøbler ab und entwickelte für das Unternehmen Büromöbel. Einmal mehr war die Unterstützung seines einstigen Schulleiters Orla Mølgaard-Nielsen ein Anstoß für eine neue Kooperation. Anfang der 1940er-Jahre empfahl er dem Schreinermeister Johannes Hansen eine Zusammenarbeit mit Wegner. 1941 präsentierte er erstmals Wegners Entwürfe auf einer Ausstellung der Schreinerinnung. Heute noch hält der dänische Möbelhersteller Carl Hansen & Søn seinen Designs die Treue und produziert nach wie vor Wegners wichtigste Entwürfe. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm seine Laufbahn erneut eine Wende, dieses Mal machte sich diese auch in der Gestaltung bemerkbar. Er zog wieder zurück nach Kopenhagen: Tagsüber arbeitete er für ein Architekturbüro, nachmittags lehrt er an der Kunsthandwerkerschule und abends entwickelte er in der Werkstatt von Johannes Hansen neue, innovative Holzkonstruktionen. "Ach, könnte man im Leben nur einen einzigen Stuhl entwerfen – aber das geht eben nicht.“ Hans J. Wegner 1952 https://images.kurier.at/4er-STEH%2BCH28T_Side.jpg/103.888.497 Carl Hansen & Son 4er-STEH CH28T_Side.jpg Im Jahr 1949 gelang der dänischen Möbelindustrie und Wegner der internationale Durchbruch. Auf der Ausstellung der Schreinerinnung präsentierte er gleich drei wegweisende Entwürfe: den runden Stuhl JH 501, den Faltstuhl JH512 und den dreischaligen Stuhl, der zwar von der Presse hochgelobt, jedoch nie produziert wurde. Mit dem runden Stuhl hingegen, den er im letzten Moment vor der Ausstellung fertigstellte, um auch traditionelles Tischlerhandwerk präsentieren zu können, erlangte er internationale Anerkennung und Bekanntheit. Die Weiterentwicklung des Entwurfs für Carl Hansen & Søn führte zum Prototypen des „Y-Stuhls“, der vorrangig den Anforderungen einer Massenproduktion gerecht werden sollte. Das Modell wurde weltweit zu einem Verkaufsschlager und mit dem Erfolg wuchs auch Wegners Selbstvertrauen, sich künftig mehr auf sein Gespür zu verlassen und einen eigenen Stil zu entwickeln und zu verfolgen. "Selbst der am wenigsten gelungene Stuhl ist meiner Meinung nach nicht umsonst entworfen. Jedenfalls haben diese für mich einen Wert als Entwicklungsstadien.“ Hans J. Wegner Eher eine Skultptur als ein Stuhl: Der https://images.kurier.at/4er-STEH%2BCH163_black_front.jpg/103.889.063 Carl Hansen & Son 4er-STEH CH163_black_front.jpg Der oftmals zitierte organische Modernismus folgt klar dem Funktionalismus – streng, schlicht und klar. Die Modelle präsentieren sich teils sehr unaufgeregt, auf den zweiten Blick jedoch entpuppen sie sich als harmonische Symbiose aus Proportion, Material, Konstruktion und Nutzung. Sein Gespür für die Handwerkskunst findet sich in raffinierten Verbindungen und Details der Entwürfe damals wie heute wieder.

"Hans J. Wegner - just one good chair" von Christian Holmstedt Olesen. Eine Monografie über das Schaffen des dänischen Designers. Hatje Cantz Verlag, um € 51,20

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