© Stefan Teuber

Kulisse
08/31/2014

Dreharbeiten im Wohnzimmer

Das Zuhause als Filmset: So kommt die eigene Wohnung ins Fernsehen.

Auch ein Fernsehkommissar braucht eine Wohnung. Die findet er aber nicht beim Immobilienmakler, sondern beim Locationscout. Stefan Teuber ist so ein "Drehort-Sucher". Rund 1000 Objekte hat der Wiener in seinem Archiv. Der Schwerpunkt liegt auf Häusern und Wohnungen, aber auch Schlösser, Industriehallen und Landschaften werden für Film- und Fotoaufnahmen vermittelt. "Ich habe einmal für einen Werbespot im März ein Erdbeerfeld gesucht. Weil es zu dieser Jahreszeit keine Erdbeeren gibt, haben wir eine Landschaft mit etwas Grün gesucht und schließlich ein Rapsfeld gefunden. Derzeit suche ich für einen Dreh nach einem alten Bauernhof", erzählt Teuber. Auch wenn er gerade keinen konkreten Auftrag hat, hält er nach spannenden Objekte Ausschau: "Wenn ich an einem interessanten Haus vorbeikomme, kontaktiere ich die Bewohner. Es kommt auch immer wieder vor, dass mir jemand seine Wohnung für Dreharbeiten anbietet." Doch nicht jede Immobilie ist für eine Filmkarriere geeignet.

Wie muss die Immobilie aussehen?

Ideal ist eine Größe von mindestens 120 Quadratmetern – denn an einem Drehort laufen 20 bis 30 Personen herum, die auch Platz für die Maske, die technischen Geräte und die Kaffeepause brauchen. Wichtig ist auch die gute Zugänglichkeit zum Objekt. Schließlich müssen jede Menge technische Geräte hingebracht und aufgestellt werden. "Für Fotos wird die Beleuchtung im Raum aufgebaut, für einen Film genügt das nicht. Da wird auch von außen beleuchtet und man braucht einen Gehsteig oder Garten, wo man Scheinwerfer aufstellen kann", erklärt Teuber. Für Dreharbeiten sind daher Räume im Erdgeschoß oder im ersten Stock ideal. Hat ein Objekt eine besondere Atmosphäre zu bieten, werden Abstriche gemacht. "Ist die Wohnung detailreich und liebevoll gestaltet oder in einem Stil eingerichtet, den man selten findet, dann darf sie auch im dritten Stock sein", sagt Teuber.

Wie viel Geld kann man verdienen?

Für ein Fotoshooting kann man pro Tag zwischen 800 und 1800 Euro verdienen. Wird ein Spielfilm gedreht, liegt der Tagsatz zwischen 1000 und 3000 Euro. Als fixes Einkommen sollte man dieses Honorar nicht einplanen. Denn selbst außergewöhnliche Objekte werden nur zwei bis drei Mal pro Jahr gebucht. Es kann auch sein, dass es zwei oder drei Jahre keine Anfrage gibt. "Bei TV-Produktionen für den ORF wird man eine Wohnung, die man schon aus einer anderen Serie kennt, nicht als Hauptmotiv verwenden", sagt der Locationscout.

Wie lange dauern die Aufnahmen?

Wie lange die Arbeiten dauern, ist unterschiedlich: Für einen Spielfilm muss man mit acht bis zehn Tagen rechnen – zumindest, wenn die Wohnung einer der Hauptdrehorte ist. Ein Werbespot ist meist an ein bis zwei Tagen im Kasten, Fotoproduktionen sind häufig an einem Tag abgeschlossen. Da ein Drehtag bis zu 14 Stunden dauern kann, ist ein normales Familienleben nicht möglich. Zum Schlafen kann man die Wohnung für gewöhnlich nützen, viele finden es jedoch angenehmer, in ein Hotel zu übersiedeln.

Wer einem Filmteam die Haustür öffnet, braucht gute Nerven: Da werden Möbel umgestellt, Vorhänge ausgetauscht oder sogar Wände in einer anderen Farbe gestrichen. Am Ende sollte alles wieder an seinem Platz stehen. Geht einmal etwas zu Bruch, kommt die Versicherung der Produktionsfirma für den Schaden auf.

Wer darf überhaupt vermieten?

Um den Hausfrieden zu wahren, sollte man die anderen Bewohner vorwarnen. "Einmal musste ein Projekt kurzfristig abgesagt werden, weil eine Anwaltskanzlei im Haus die Dreharbeiten untersagt hat", sagt Teuber. "Die Begründung war, dass der freie Zugang der Klienten eingeschränkt ist, wenn im Stiegenhaus Kabel herumliegen. Ich würde daher empfehlen, dass man vorher mit der Hausverwaltung spricht, Mieter sollten auch den Eigentümer informieren."

Grundsätzlich dürfen sowohl Eigentümer als auch Mieter ihre Wohnung für Film- und Foto-Aufnahmen zur Verfügung stellen. "Wenn es sich nur um ein paar Tage im Jahr handelt, kann man nicht sagen, dass sich der Verwendungszweck oder die Widmung ändern. Vermieter oder Nachbarn werden mit einer Unterlassungsklage wahrscheinlich nicht weit kommen", sagt der Wiener Rechtsanwalt Peter Hauswirth. Heikel kann es werden, wenn auch allgemeine Teile wie das Stiegenhaus genützt werden oder nächtelang die Hausfassade in grelles Licht getaucht wird. Kommt es zu Beeinträchtigungen, könnten die anderen Bewohner mit einer Unterlassungsklage Erfolg haben. "In der Praxis gibt es sehr selten Streit mit den Nachbarn", sagt Teuber. "Es geht schließlich nur um ein paar Tage. Und die meisten finden es spannend, wenn nebenan gedreht wird."

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