Die Immobilien-Prognose für 2012

Die Nachfrage nach Immobilien ist ungebrochen, das Angebot knapp. Preise steigen leicht oder stagnieren.

Es ist die alte Geschichte von Angebot und Nachfrage: Weil immer mehr Menschen ihr Geld lieber in Immobilien als in Wertpapiere investieren, sind die Preise für Eigentumswohnungen in guten Lagen in den vergangenen Jahren kontinuierlich und kräftig gestiegen – in Wien durchschnittlich um fünf bis sechs Prozent pro Jahr. In Top-Lagen gab es sogar Ausreißer mit Steigerungen von 20 bis 25 Prozent.

Zwar bleibt die Nachfrage auch im kommenden Jahr groß, die Preise werden aber nur noch leicht steigen oder auf hohem Niveau stagnieren, so die Prognose des Österreichischen Verbands der Immobilientreuhänder (ÖVI). "Irgendwann werden die Steigerungen einfach nicht mehr gezahlt. Es ist daher schwer vorstellbar, dass die Preise weiter in dem Ausmaß steigen wie bisher", sagt ÖVI-Vorstand Andreas Wollein.

In Salzburg werden die Preise für Eigentumswohnungen und Baugrundstücke in guten Lagen weiterhin anziehen. Neue Eigentumswohnungen sind nicht unter 3500 Euro pro Quadratmeter zu haben, in sehr guten Lagen muss man bis zu 5800 Euro hinblättern. Penthouse-Objekte in Spitzenlagen werden für 10.000 Euro pro Quadratmeter angeboten. "In Toplagen und im High-End-Segment wurde die Spitze noch nicht erreicht", so ÖVI-Landesstellenleiter Christian Schnellinger. Ganz anders ist die Situation bei gebrauchten Eigentumswohnungen in weniger guten Lagen: Die Preise stagnieren bei rund 1500 Euro pro Quadratmeter und gehen teilweise sogar zurück.

Die typische Anlegerwohnung

Wohnzimmer
© Bild: Jürg Christandl

Auch in Innsbruck sind die Preise im vergangenen Jahr gestiegen. "Die Nachfrage nach Immobilien als sichere Wertanlage hält zwar an, der erste Boom scheint jedoch bereits etwas abgeflacht", berichtet die ÖVI-Landesstellenleiterin Renate Haberzettl. In guten Lagen übersteigt jedoch auch hier die Nachfrage das Angebot. Neu errichtete Wohnungen kosten in Innsbruck zwischen 3600 und 4500 Euro pro Quadratmeter.

Auch in Vorarlberg legen die Preise nur noch leicht zu. "Vor allem durch Investoren gibt es eine große Nachfrage nach Zwei- bis Dreizimmerwohnungen. Das hat dazu geführt, dass diese Objekte nahezu ausverkauft sind", berichtet der Vorarlberger Makler Ambros Hiller. Die typische Anlegerwohnung mit zwei Zimmern steht auch in Graz ganz oben auf der Wunschliste. "Um gute Objekte raufen sich Anleger förmlich. Hochpreisige Immobilien wie ein Penthouse gehen immer", weiß Patricia Reisinger, ÖVI-Vorstand und Immobilientreuhänderin.

Auch in Kärnten haben die Preise weiter angezogen, vor allem rund um den Wörthersee, wo das Angebot sehr knapp ist. "Eigentumswohnungen erfreuen sich zwar einer guten Nachfrage, Interessierte sind jedoch preissensibler geworden", beobachtet Luxus-Maklerin Doris Scarpatetti. In Klagenfurt kostet eine Wohnung zwischen 2000 und 3000 Euro pro Quadratmeter, für Luxusimmobilien am See werden bis zu 10.000 Euro pro Quadratmeter gezahlt.

"Gute Zeiten für Verkäufer"

"In Niederösterreich spielt der Markt derzeit einfach verrückt, es ist kaum zu beschreiben", meint ÖVI-Landesstellenleiterin Christine Weber. "Während Wohnungen, bei denen einzelne Parameter nicht passen, am Markt einfach nicht anzubringen sind, werden für andere Objekte nahezu irrationale Preise bezahlt."

Diese Diskrepanz bestätigt auch Sandra Bauernfeind von EHL Immobilien: "Trotz der starken Nachfrage nach Wohnraum gilt: Man kann nicht alles verkaufen. Gute Lagen und gute Qualität legen preislich weiter zu, schlechte Qualität und schlechte Lagen stagnieren trotz des Booms."

Wer wirklich günstigen Wohnraum sucht, wird es 2012 nicht leicht haben, denn das Angebot an geförderten Wohnungen geht zurück. "Der freifinanzierte Wohnbau nimmt zwar zu, kann aber das Minus nicht ausgleichen", so Bauernfeind. Auch Remax-Geschäftsführer Bernhard Reikersdorfer ortet bereits eine Verknappung des Angebots und schließt daraus: "Es sind gute Zeiten für Verkäufer."

Preise für Eigentumswohnungen

Wo Neu errichtete Wohnungen Gebrauchte Wohnungen
Klagenfurt ( Kärnten) ab 2800 Euro/m² ab 2000 Euro/m²
Graz ( Steiermark) ab 3000 Euro/m² ab 2000 Euro/m²
Linz ( Oberösterreich) 2800 bis 4000 Euro/m² ab 1700 Euro/m²
Salzburg ( Salzburg) 3500 bis 4200 Euro/m² 2800 bis 4000 Euro/m²
Innsbruck ( Tirol) 3600 bis 4500 Euro/m² 2400 bis 3000 Euro/m²
Bregenz ( Vorarlberg) 3000 bis 3400 Euro/m² 1600 bis 2300 Euro/m²
St. Pölten ( Niederösterreich) ab 2000 Euro/m² 1200 bis 1900 Euro/m²

Mieten legen nur leicht zu

Die Netto-Mieten haben die Dynamik der Kaufpreise nicht mitgemacht und nur leicht zugelegt. In Wien zahlt man für Wohnungen (ohne Mietzins-Beschränkung durch das MRG) zwischen 10 und 13 Euro pro Quadratmeter, außerhalb des Gürtels sind es zwischen sieben und neun Euro.

Als Preistreiber erweisen sich jedoch die Betriebskosten. In Wien werden ab 1. Jänner die Gebühren für Wasser um 33 Prozent erhöht, jene von Kanal um 6,2 und die von Müll um 6,3 Prozent. Damit verteuern sich die Betriebskosten in einem durchschnittlichen Haushalt um rund sechs Prozent. Die Wiener müssen daher mit über 100 Euro Mehrkosten pro Jahr rechnen.

( Kurier ) Erstellt am 20.12.2011