Wirtschaft | Immobiz
05.12.2011

Die Grande Dame der Immo-Branche

Maklerin, Immobilienbewerterin und Präsidentin des Frauennetzwerkes Salon Real: Margret Funk über gute Dienstleistungen und ungeliebte Verordnungen.

IMMO: Frau Dr. Funk, Sie sind Mitinitiatorin des ersten österreichischen Frauennetzwerkes innerhalb der Immobilienwirtschaft. Genügen Ihnen und Ihren Kolleginnen die bestehenden Plattformen nicht oder müssen Sie sich in einer von Männern dominierten Branche durchsetzen?
Margret Funk: Zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn war es tatsächlich noch schwer, sich als Frau durchzusetzen und sich Respekt zu verschaffen. Das ist heute kein Thema mehr. Aber Männer sind grundsätzlich immer gut vernetzt gewesen und natürlich sind einige von uns auch dort dabei. Ich weiß aus meiner europäischen Tätigkeit, dass in fast allen Ländern solche Vereinigungen von Frauen bestehen. Es war an der Zeit, auch bei uns eine Plattform zu haben, über die wir uns austauschen können - und die Öffentlichkeit darauf aufmerksam zu machen, dass Frauen in Führungspositionen einen bedeutenden Anteil in der Immobilienwirtschaft darstellen.

Die Regierung hat sich mit der neuen Maklerverordnung gerade den Zorn Ihrer Standesgenossen zugezogen. Muss man nicht Verständnis dafür haben, dass es gut ist, wenn Wohnen für die Konsumenten günstiger wird?

Es wird ja nicht das Wohnen an sich billiger, auch die Abgaben für Müllabfuhr und Abwasser an die Stadt Wien bleiben genau so hoch - was durch diese Verordnung billiger wird, ist nur die einmalige Provision für die Dienstleistung eines Maklers. Wir ziehen in Österreich ja traditionell nicht ständig um, man erspart sich in 10 oder 15 Jahren also rund 700 Euro. Da kann man doch wirklich nicht davon sprechen, dass das Wohnen billiger geworden ist.

Wir hingegen sitzen jetzt in der Falle, dass wir für alle auf drei Jahre befristeten Wohnungen nur mehr eine Monatsmiete Provision verlangen dürfen. Davon kann man nicht leben und das wird für die kleineren Unternehmer unter uns existenzbedrohend, da stehen auch viele Jobs auf dem Spiel.

Lässt es Sie an ein Wahlzuckerl denken?
Es hat ein bisschen was davon. Es ist auf jeden Fall komisch, dass das gerade jetzt so wichtig ist.

Was würden Sie einem Politiker denn bei einem Abendessen gerne sagen?
Dass Wohnen und Leben in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen müssen und das tut es in Österreich. Wir sind in Wien nicht in der Situation wie in vielen anderen Metropolen, dass die Miete einen Anteil von 40 bis 50 Prozent des Einkommens ausmacht.

Von manchen Leuten wird der Makler immer noch viel zu wenig als professioneller Dienstleister, sondern als reiner Geschäftemacher mit Blick aufs schnelle Geld gesehen. Wie erklären Sie sich dieses Image-Problem?
Wie in allen Branchen gibt es natürlich auch bei uns einzelne schwarze Schafe, so wie es eben auch schlechte Friseure oder schlechte Taxifahrer gibt. Mir tut diese Einschätzung aber natürlich sehr weh: Die Gesamtströmung ist in den letzten Jahren extrem in Qualitätsverbesserung und verstärkte Ausbildung gegangen. Der Makler ist heute ein Dienstleister mit einer enormen Informationspflicht gegenüber seinem Kunden. Das nehmen die meisten von uns sehr ernst und dafür setzen wir uns ein. Dass wir davon auch leben wollen, ist klar: Wir sind natürlich auch Geschäfstleute.

Zur Person

Margret Funk ist studierte Juristin und gehört zu den renommiertesten und aktivsten Vertreterinnen der Immobilienbranche. Als Maklerin betreibt sie ihre eigene Firma in Wien - mit Schwerpunkt auf gehobenen Wohnimmobilien im Kauf, Zinshäusern und Gewerbeimmobilien, sowie der Immobilienbewertung. Darüber hinaus ist Funk Präsidentin des vor Kurzem gegründeten Frauennetzwerkes Salon Real und unterrichtet am Wifi und an der Fachhochschule in Wiener Neustadt. Sie ist außerdem Mitglied mehrerer internationaler Maklervereinigungen.

Vergangenes Jahr wurde sie für ihr Lebenswerk mit dem "Cäsar" ausgezeichnet, einer der höchsten Auszeichnungen der österreichische Immobilienbranche.