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05/21/2019

Designduo "Front Design" löst Hass gegen eigene Entwürfe aus

Sofia Lagerkvist und Anna Lindgren sind bekannt für unkonventionelles Design - und stoßen damit auch auf Ablehnung.

KURIER: Frau Lagerkvist, Sie haben eine Kollektion unter dem Motto „Möbel, in die man sich sofort verliebt oder für immer hasst“ gemacht. Ist es Ihnen wirklich egal, wenn die Menschen Ihre Designs hassen?

Sofia Lagerkvist: Es geht uns nicht darum, das schönste Stück zu designen, sondern vielmehr darum, eine Idee zu erforschen. Die Meinungen zu der „Horse-Lamp“ waren sehr geteilt. Manche Menschen haben sie wirklich gehasst. Das Wallpaper Magazin hat sie als ein „Objekt, das man nicht kaufen sollte“ beschrieben und wir waren damit auf der Titelseite des Time Magazin. Gleichzeitig gibt es auch Menschen, die uns immer noch Bilder schicken und die Lampe lieben. Es ist aber auch okay, wenn sie sie hassen.

Was hat diese Kritik mit Ihnen gemacht?

Sofia Lagerkvist: Wir wollten nicht provozieren. Wir haben etwas gemacht, das uns interessiert hat. Wir haben Befragungen durchgeführt, um herauszufinden, was die Menschen mögen. Einerseits haben wir uns auch gedacht, das sind Snobs, die denken, dass sie besseren Geschmack haben. Am liebsten hätten wir gefragt, ob sie die Design-Polizei sind, die wissen, was gut oder schlecht ist.

„Changing Vase“

Die „Changing Vase“ wurde  für eine Ausstellung designt und ist eigentlich aus Schokolade

„Water Steps“

„Water Steps“ für Axor wurde  in Mailand 2016 präsentiert  

„Melt“

Die Hängeleuchte „Melt“ für Tom Dixon hat die Optik eines Feuerballs

Sie haben also einer lebensgroße Pferdeskulptur einen Lampenschirm aufgesetzt und damit die „Horse-Lamp“ kreiert. Warum?

Anna Lindgren: Wir haben damals eine Umfrage mit Menschen über ihre Alltagsgegenstände gemacht um herauszufinden, warum sie bestimmte Objekte behalten, obwohl sie kaputt sind – und welche Objekte ihnen besonders wichtig sind. Dabei ist uns aufgefallen, dass viele Menschen eine starke Beziehung zu Figuren haben. Als wir die „Horse-Lamp“ gemacht haben, war es nicht gängig mit figurativen Objekten zu arbeiten. Es wurde als Kitsch abgestempelt. Marcel Wanders hat uns damals den Auftrag gegeben, eine Lampe zu designen, die auch seine Großmutter mögen würde. Daraus und aus den Umfrageergebnissen ist dann eine Kollektion aus lebensgroßen Tieren mit der „Horse-Lamp“, dem „Pig-Table“ und der „Rabbit-Lamp“ entstanden.

„Furia“

Schaukelpferd „Furia“ für Gebrüder Thonet Vienna

„Walking on clouds“

Der Teppich „Walking on clouds“ (deutsch: Auf Wolken gehen)  ist das neueste Design für Moooi

„Surface Tension“

Die Lampe „Surface Tension“ stellt eine Seifenblase dar

Frau Lagerkvist, warum haben Sie schlafende Pinguine, Katzen und Bären für Vitra designt?

Sofia Lagerkvist: Es gibt eine Studie, die belegt, dass niedlich aussehende Objekte im Wohnraum einen positiven Einfluss auf die Bewohner haben. Sie können einen Endorphin-Ausstoß auslösen. Der wissenschaftliche Begriff dafür lautet „Niedlichkeits-Effekt“. Für uns war der Ansatz, dass man ein Objekt kreieren kann, das positiven Einfluss auf die Bewohner hat, sehr interessant. Wir behaupten nicht, dass unsere „resting Animals“einen medizinischen Effekt haben, aber das war unser Ausgangspunkt und so sind wir auf die Tiere gekommen.

Für eine Ihrer ersten Kollektionen „Design by animals“ haben Sie sich von Tieren assistieren lassen. Wie kann man sich das vorstellen?

Anna Lindgren: Die Idee war einen zufälligen und unkontrollierbaren Faktor im Designprozess zu kreieren. Wir hatten einen Hund, der durch Schnee gewatet ist – aus seinen Abdrücken haben wir eine Vase gegossen. Ratten haben das Muster für eine Tapete gemacht, indem wir Abdrücke ihrer Essensreste genommen haben. Mithilfe von Schlangen haben wir eine Leuchte geformt. Viele Menschen haben uns damals gefragt, wie unser Designprozess verläuft. Mit den Tieren haben wir demonstriert, dass es immer Faktoren gibt, die nicht kontrollierbar sind.