Wirtschaft | Immobiz
03.02.2015

"Der Erstkontakt ist für viele Interessenten eine große Hürde"

Die Initiatorinnen des Wohn und Bau Café sprachen mit IMMO über ihre Idee und die Kommunikation zwischen Auftraggeber und Architekt.

Sie sind die Organisatorinnen des Wohn & Bau Cafés der IG Architektur, das Ende Februar zum ersten Mal stattfinden wird. Wie kam es zu der Idee?

Astghik Der Sakarian: Das Netzwerk ORTE hat uns zu einem Speed-Dating im Rahmen der Architekturtage eingeladen. Bauwerber konnten in einer ungezwungenen Atmosphäre verschiedene Büros und Arbeitsweisen kennenlernen. Dort haben wir eine große Begeisterung bei den potenziellen Auftraggebern erlebt. Wir haben uns viele Gedanken darüber gemacht, wie man das Konzept noch weiter ausbauen könnte. Wir wollten ein etwas anderes Format – es sollte gemütlicher sein, in einer netten Kaffeehaus-Atmosphäre, mit einem längeren Zeitraum für das Gespräch, als das beim Speed-Dating der Fall war.

Heide Schicht: Wir haben uns dann mit unserer Idee an die IG Architektur gewandt. Die waren sofort überzeugt und haben die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen. Bisher gibt es drei fixe Termine, je einen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Wir moderieren die Treffen, in Wien sind wir auch für die Organisation zuständig. Aber wir wünschen uns, dass das Wohn & Bau Café eine ständige Einrichtung in allen Bundesländern wird.

Wie soll ein solcher Termin ablaufen?

Schicht: Wir stellen zuerst kurz die teilnehmenden Büros vor. Außerdem haben wir einen Bauherren eingeladen, der erzählen wird, wie es ist, mit einem Architekten zu bauen. Danach geht es in die Einzelgespräche.

Der Sakarian: Es ist geplant, dass pro Termin 14 Bauwillige und sieben Büros kommen. Jeder kann mit vier Architekten oder Architektinnen plaudern, pro Gespräch stehen 15 bis 20 Minuten zur Verfügung. Danach gibt es noch eine offene Runde, in der sich alle austauschen können.

Was genau erwarten Sie sich davon?

Der Sakarian: Das Wohn & Bau Café soll zu einer echten Plattform werden. Die Bauwilligen sollen wissen, dass sie hier immer spannende Architekten treffen. Wir wünschen uns eine ungezwungene Kontaktaufnahme und dass die Schwellenangst abgebaut wird.

Warum sollten Bauwillige überhaupt einen Architekten beauftragen?

Schicht: Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht – es ist eine Kosteneinsparung. Es gibt Statistiken, die belegen, dass ein Bauprojekt mit fachgerechter Planung und Kontrolle um bis zu 15 Prozent billiger ist. Allein durch die Überwachung der Bauphasen spart man viel Geld. Und ein wirklich gut geplantes Haus, bei dem Ästhetik und Funktionalität im Einklang stehen, hat auch einen höheren Verkaufswert.

Warum tun es trotzdem viele nicht?

Der Sakarian: Weil sie den Weg nicht finden. Der Erstkontakt ist für viele eine große Hürde. Und genau deshalb soll das Wohn & Bau Café eine fixe Einrichtung werden. Außerdem stellt sich immer die Frage: Wie sucht man aus?

Und wie lautet die Antwort auf diese Frage? Wie findet man den passenden Planer?

Schicht: Man kann sich die Webseiten der Büros anschauen und die realisierten Projekte. Bei uns war neulich jemand, der hat sich 100 Büros angesehen. Das ist natürlich eine Ausnahme.

Der Sakarian: Es gibt Plattformen wie die IG Architektur oder man kann sich bei der Kammer informieren. Und wenn man irgendwo ein tolles Haus sieht, sollte man die Bewohner einfach fragen, wer das geplant hat.

Gibt es Kriterien für die Auswahl? Worauf sollte man als Laie achten?

Schicht: Zuerst sollte man sich anschauen ob einem die Architektur überhaupt gefällt. In einem persönlichen Gespräch findet man heraus, ob die Chemie passt, ob man sich gut verstanden und aufgehoben fühlt. Und schließlich ist zu klären, ob man mit der Herangehensweise des Planers einverstanden ist. Denn die Grundlage, damit ein gutes Projekt entstehen kann, ist eine gute Zusammenarbeit. Dafür braucht man gegenseitiges Vertrauen.

Was ist wichtig in der Kommunikation zwischen Bauherren und Architekten?

Schicht: Für uns haben sich drei große Hauptthemen herauskristallisiert: Transparenz, Sicherheit und Offenheit. Der Bauwerber muss sicher sein können, dass sein Budget eingehalten wird und dass man sich mit seinen Wünschen und Bedürfnissen auseinandersetzt.

Der Sakarian: Beide Seiten müssen Transparenz einfordern. Bauherren sollten sich die Herangehensweise ganz genau erklären lassen. Andererseits müssen sie sich öffnen und genau sagen, was sie sich wünschen.Wenn ein Auftraggeber nicht sagt, dass er am liebsten in Holz bauen würde, plant der Architekt womöglich mit einem ganz anderen Material.

Viele Bauherren wissen gar nicht genau, was sie eigentlich wollen. Wie funktioniert dann der Dialog?

Schicht:Man muss sich wirklich hinsetzen und mit den Auftraggebern ihre Wünsche herausarbeiten. Wir stellen ihnen sehr viele Fragen und versuchen herauszufinden wie das Haus funktionieren soll, was wirklich wichtig ist und was die Bedürfnisse und Vorlieben sind. Es ist unsere Aufgabe, diese Punkte durch richtiges Fragen herauszufinden. Wir versuchen, die Bauherren hinzuführen und zu begleiten.

Der Sakarian: Wir schicken unsere Auftraggeber auch immer mit Aufgaben nach Hause: Sie sollen sich dann zum Beispiel überlegen, ob sie die Küche getrennt oder im Wohnbereich haben wollen. Oder wie das Zusammenleben funktioniert – ist zum Beispiel der Esstisch das Zentrum oder eher das Wohnzimmer? Oft trauen sich die Leute gar nicht, ihre tiefsten und innersten Wünsche auszusprechen. Aber je mehr Vertrauen sie zu ihrem Architekten oder ihrer Architektin haben, umso besser ist das Ergebnis.

Wien: 27. Februar,18 bis 20 Uhr, IG Architektur, Gumpendorfer Straße 63 B, 1060 Wien, veranstaltet von der IG Architektur


Niederösterreich: 28. Februar, 10 bis 12.30 Uhr, Kino im Sesselhaus, Dr.-Karl-Dorrekt-Str. 30, 3500 Krems, in Kooperation mit dem Netzwerk ORTE


Burgenland: 7. März, Mole West, Seeglände 9, 7100 Neusiedl am See, in Kooperation mit Architektur Raum Burgenland.

Die Teilnahme ist kostenlos, aber nur mit Anmeldung möglich: baucafe@ig-architektur.at
www.ig-architektur.at