Wirtschaft | Immobiz
26.11.2018

Das sind die nachhaltigen Baustoffe der Zukunft

Im Rahmen der „Bautech Talks“ im Tech Gate Wien präsentierte Architekt Werner Sobek ein vollkommen rezyklierbares Gebäude.

Ob Jeans als Wärmedämmung und ein Putzträger aus Pilzen die Zukunft des Bauens sind, will Architekt und Ingenieur Werner Sobek zwar so nicht unterschreiben, es sei aber zumindest eine umweltfreundliche Möglichkeit.

Im Rahmen der ersten „Bautech Talks“ der österreichischen Bautechnik Vereinigung vergangenen Montag stellte der Deutsche seinen Pionierbau „Urban Mining and Recycling Unit“ (UMAR) vor.

Das Gebäude steht in der Schweiz, ist ausschließlich aus rezyklierbaren Stoffen oder Rezyklaten (wiederverarbeitete Produkte) gebaut. IMMO hat Sobek nach seinem Vortrag zum Interview getroffen.

KURIER: Herr Sobek, mit welchen Stoffen wurde UMAR gebaut?

Werner Sobek: Die tragende Konstruktion besteht aus Holz, Teile der Fassade sind aus Kupferplatten, die von einer abgerissenen Kirche stammen. Die Wärme- und Schalldämmung sichern zerrissene Jeans, die wir in feine Flocken zerrissen haben.

Die Wände sind teilweise mit Lehm verputzt – dazu ist ein Putzträger notwendig und das sind typischerweise Kunststoffplatten. Wir haben stattdessen Altholz geschreddert, das wir mit Pilzen in große Behälter gefüllt haben. Die Pilze wurden mit einer Nährlösung gefüttert, woraufhin sie ihre Mizellen ausgestreckt haben.

Als der Prozess abgeschlossen war, wurde die Nahrungszufuhr eingestellt und die Pilze leicht erwärmt. Daraufhin sind sie abgestorben. Nachdem die Masse ausgehärtet ist, haben wir sie als Lehmputzträger verwendet.

Das klingt sehr aufwendig.

Die Pilzmizellen sind im ersten Schritt aufwendig zu produzieren, weil der Prozess noch nicht industrialisiert ist und alles händisch gemacht werden muss.

Was sagen Sie zu der Kritik, dass rezyklierbare Baustoffe die Nutzungszyklen der Häuser verkürzen?

Das ist wohl ein Gerücht der Gegenseite. Es geht um gigantische Märkte und die Einflussnahme zur Steuerung der Marktnachfrage sind massiv – die benutzten Methoden subtil. In Deutschland geben Banken beispielsweise andere Kreditkonditionen für Holz- und Betonhäuser.

Man denkt, Holz ist leicht und deshalb eher anfällig für Insekten, Fäulnisbildung, Feuchte und nicht so langlebig. Es klingt auch hohl, wenn man dagegen klopft. Ein Massivbau klingt nicht hohl.

Würde man es anders sehen und nicht dagegen klopfen, sondern das Abgas messen, das beim Herstellen einer Wand aus Beton im Vergleich zu Holz entsteht, würden die Banken ihre Meinung ändern müssen und die Bevölkerung auch.

Verglichen mit einem konventionellen Bau – wie viel teurer ist es rezyklierbar zu bauen?

Ich schätze, dass es rund fünf Prozent teurer ist, das kann aber an anderer Stelle eingespart werden.

Warum macht das dann nicht jeder?

Weil die Leute die Probleme, die auf sie zukommen, nicht wahrnehmen wollen. Sie protestieren gegen das Abhacken eines Baumes im Stadtwald und im Zweifelsfall kommen sie dorthin mit dem SUV.

Das wird ein Generationenkonflikt werden. So wie meine Generation den Eltern vorgeworfen hat, dass sie alles über Hitler gewusst haben, werden die nachfolgenden Generationen ihren Eltern vorwerfen, das sie gewusst haben, was Müll und Abgase anrichten.