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Wirtschaft Immobiz
09/30/2019

Damit liegt man richtig

Ob hart oder weich, Federkern oder Latex: Auf der Suche nach dem besten Liegekomfort sollte man Probe schlafen.

von Wolfgang Greiner

Karin Tenora bevorzugt eine möglichst harte Matratze: „Bei einer weichen habe ich das Gefühl, unterzugehen.“ Monika Penker-Alscher schwört auf Naturmaterialien und liegt seit Jahren auf Dinkelspelzen. Und Britta Brehm-Cernelic hat vieles ausprobiert und hat nun eine günstige Matratze mit Memory-Effekt: „Ich sinke am Abend minimal ein und schlafe binnen zehn Minuten. Irgendwie fühlt man sich wie Baby-Moses im Schilfkörbchen.“

Federkern, Kaltschaum, Memory Foam und Latex

Hart oder weich? Teuer oder günstig? Federkern, Schaumstoff oder doch Boxspring? Die Suche nach der idealen Matratze ist kein leichtes Unterfangen. Besonders Menschen mit Schlafproblemen setzen Hoffnungen in eine neue Matratze, der oft allerhand schlaffördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. Aussagekräftige Studien zur optimalen Matratze gibt es keine. „Und wenn, kommen sie von einer Matratzenfirma“, sagt Schlafcoach Brigitte Holzinger von der Med Uni Wien, die Schlafcoaching-Workshops für Ärzte und Unternehmen zur Weiterbildung gibt. „Matratzen unterliegen Trends. Heutzutage ist eben das Boxspringbett modern.“ Die derzeit am häufigsten nachgefragten Matratzentypen sind übrigens Federkern-, Kaltschaum–, Memory Foam- und Latexmatratzen sowie Boxspringbetten.

90 Tage Probeschlafen

Wasserbetten, Futons oder Matratzen aus Naturmaterialien wie Kokos oder Tierhaaren sind eher Nischenprodukte. „Manche schwören auf Wasserbetten. Andere bekommen davon Schmerzen. Man muss sich schlicht wohlfühlen und das ist individuell verschieden“, so Holzinger. Auf den Zug der Individualität sind auch viele Matratzenhersteller aufgesprungen. Per Onlinefragebogen und Eingabe der Liegeposition, Gewicht und Größe soll so die optimale Matratze ermittelt werden. Holzinger sieht das skeptisch. „Individuell ist nur, wenn man darauf liegt und die Matratze testet.“ Auch das haben vor allem die Onlineanbieter erkannt. Die meisten von ihnen werben mit 100 Tage Probeschlafen.

Matratzen testen

Aber auch manche Händler bieten schon die Möglichkeit, Matratzen bei Nichtgefallen binnen einer gewissen Frist zu retournieren. Beim Möbelhaus Ikea kann man etwa 90 Nächte testschlafen, der Öko-Ausstatter Grüne Erde wirbt mit einer 30-tägigen Rückgabefrist. Das Dänische Bettenlager bietet 90-Tage Probeschlafen für ausgewählte Modelle und Marken. Der Preis einer Matratze sagt jedenfalls grundsätzlich nichts über die Schlafqualität aus. „Nur weil eine Matratze teuer ist, ist sie noch lange nicht gut geeignet“, sagt Holzinger. Die eine Matratze, die für jeden stimmt? Die deutsche Stiftung Warentest hat aktuell Matratzen von Anbietern getestet, die damit werben, dass ihr Modell für alle Körpertypen passt, nach dem Motto: „One fits all.“

Weichere Matratzen besser

Das Ergebnis: Unter den 18 geprüften Matratzen eignen sich nur zwei für jeden Körpertyp. „Trotz der Vielfalt an Betten und Matratzen gilt nach wie vor: Das ideale Bett oder die optimale Matratze für jedermann gibt es nicht“, sagt Gerhard Klösch, Schlaf- und Traumforscher an der Universitätsklinik für Neurologie in Wien. „Bis vor wenigen Jahren wurde von Experten eher zu harten Matratzen geraten, weil sie besser für die Wirbelsäule wären. Untersuchungen konnten zeigen, dass das Gegenteil der Fall ist. Weichere Matratzen wirken sich günstiger auf die Gesundheit aus, weil sie die Wirbelsäule entlasten“, so Klösch.

Wirbelsäule wird gestützt

Neben individuellem Komfortgefühl und Materialienpräferenzen ist die Wirbelsäule das Stichwort, um zur perfekten Matratze zu gelangen. „Eine gute Matratze muss die Wirbelsäule in jeder Lage stützen und darf keine Schmerzen verursachen“, so Schlafcoach Holzinger. In Rückenlage sollte die Matratze beim Probeliegen der Form der Wirbelsäule folgen, damit diese in ihrer natürlichen Doppel-S-Form gelagert wird. Wichtig ist hierbei, dass Oberschenkel und Oberkörper eine waagerechte Linie bilden. Dreht man sich auf die Seite, dürfen Schulter und Hüfte nur so weit in die Matratze einsinken, dass die Wirbelsäule eine horizontale Gerade darstellt.

Gefühl des Schwebens

Wählt man eine zu weiche oder zu harte Matratze aus, wird die Körperhaltung nicht ausreichend oder zu stark gestützt. Dadurch können Schulter- und Beckenbereich kippen. Das kann zu Schmerzen oder Schlafstörungen führen. Holzinger empfiehlt, die bevorzugte Matratze mindestens für eine Woche Probe zu liegen: „Die ideale Matratze muss stützen und gleichzeitig ein Gefühl des Schwebens hervorrufen.“

 Absaugen – besser nicht

Die Pflege der Matratze beeinflusst Liegekomfort und Lebensdauer Zur Pflege zählt das regelmäßige Lüften des Schlafraums und falls die Matratze nicht auf einem Lattenrost liegt, muss auch der Untergrund  immer wieder durchlüftet werden. Einige Hersteller empfehlen, die Matratze ab und an zu wenden, um ein Durchliegen oder eine einseitige Überbeanspruchung des Materials zu verhindern. Dazu reicht es, die Matratze einen Tag lang hochkant aufzustellen. Die meisten Modelle sollten nicht abgesaugt oder abgeklopft werden, denn dies könnte den inneren Aufbau  schädigen. In puncto Pflege sind Matratzen von Vorteil, die  eine abnehmbare und waschbare Hülle besitzen. Je nach Nutzungsfrequenz sollten Matratzen nach rund zehn Jahren erneuert werden.- Claudia Weber