© CLEMENS STECHER

Interview
04/02/2013

„Mit Verfall ist zu rechnen“

Clemens Stecher ist einer von vielen Künstlern, die für die Restaurierung von historischen Gebäuden engagiert werden. Wir haben mit ihm über diesen Job gesprochen.

Er hat auf der Akademie der bildenden Künste Malerei studiert und ist mit seinen Collagen, Installationen und Gemälden regelmäßiger Teilnehmer von renommierten Ausstellungen. Clemens Stecher, 44, ist Künstler, er lebt und arbeitet in Wien.

Neben seiner Tätigkeit in seinem Atelier auf der Donauplatte arbeitet Stecher auch immer wieder als Restaurator – so wie übrigens viele andere Künstler auch.

Als Laie würde man vielleicht vermuten, dass die Auffrischung von Wandmalereien in Schönbrunn oder die Restaurierung von historischen Steinmauern ausschließlich von eigens ausgebildeten Restauratoren erledigt wird. Doch weit gefehlt: Wir haben ihn in einer seiner Wirkungsstätten, dem Kunsthistorischen Museum in Wien, getroffen. Stecher hat hier mitgeholfen, die Steinplatten der Außenfassade zu restaurieren.

Wie wird man eigentlich Restaurator?

In meinem Fall ist das eine der Zusatzausbildungen, die das Studium an einer Kunstakademie mit sich bringt. Den Rest lernt man natürlich erst on the job. Der erste Auftrag, an dem ich mitgearbeitet habe, war im Stadtpark. Da mussten die Steinplatten unten am Wienfluss wieder instand gesetzt und ergänzt werden.

Danach haben wir als Team fünf Jahre lang in der Burg Forchtenstein gearbeitet. Da waren Wände freizulegen, die über Jahrhunderte immer wieder überstrichen worden waren. In so einem Fall muss man mit dem Skalpell Schicht für Schicht abtragen. Das dauert seine Zeit, man sollte also Geduld mitbringen.

Besteht nicht die Gefahr, dass man dabei auch Dinge kaputt macht?

Ich habe einmal gehört, dass jede Freilegung auch eine Teilzerstörung ist. Dem kann ich nur zustimmen: Das ist leider so, mit Verlust ist grundsätzlich zu rechnen – genauso wie ganz allgemein mit dem Verfall von Bauwerken.

Wie oft legt man Mauern so mühevoll frei und trägt Farbe Schicht für Schicht ab?

Das kommt ganz darauf an, wie erhaltenswert das Objekt ist. Bei manchen Schlössern passiert das zum ersten Mal seit 500 Jahren.

Gibt es eine Aufgabe, an die Sie sich besonders gerne erinnern?

Die Arbeit am Zimmer P25, ein ovaler Vorraum zu den berühmten Berglzimmern des Rokoko-Malers Johann Wenzel Bergl, war so ein Fall.

Das war einfach irgendwann überstrichen worden und wir haben es dann in mühevoller Feinarbeit wieder freigelegt und ergänzt.

Man muss da übrigens sehr aufpassen: Nachdem man mit dem Skalpell dran war, ist so eine Wand porös und voller kleiner Löcher. Die muss man dann alle wieder mit Aquarellfarbe füllen.

Wenn man selbst Künstler ist, wie steht man dann zu derartigen Vogel-Sujets aus einer ganz anderen Epoche – mag man so etwas?

Unbedingt. Ich habe sogar einen Vogel abgepaust und später in eines meiner Bilder eingebaut.

Grundsätzlich bekommt man auf jeden Fall eine gewisse Achtung vor dem, was diese Menschen damals auf die Beine gestellt haben.

Sie dürfen nicht vergessen: Die Steinplatten, so wie wir sie an der Fassade des Kunsthistorischen Museums sehen, die wurden ja nicht einfach geliefert und montiert. Die wurden vor Ort aus dem Stein herausgehauen.

Apropos Außenfassade – ist das eine anstrengendere Arbeit als die Restaurierung von Wandgemälden in Innenräumen?

Bei der Wandmalerei braucht man nur eine ruhige Hand, viel Geduld und vielleicht noch eine gute Schultermuskulatur. Draußen arbeitet man mit Hammer und Meißel oder mit der Flex und schleppt reisige Trümmer. Das verlangt sehr viel Kraft.

Interessant ist übrigens, dass so ein Fassadenstein richtig lebt. Der ist voller Algen, Pilze und anderem Zeug. Das muss man dann ziemlich aufwendig vergiften, um die Mauer zu erhalten.

www.clemensstecher.com

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