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Wirtschaft | Immobiz
07/04/2019

Boom bei Logistikimmobilien: Mehr als nur Hallen

Weil der Onlinehandel boomt, entstehen rund um Wien mehr Lagerflächen für Möbelketten, Internethändler und Logistikkonzerne.

Der Möbelriese XXX Lutz, der Diskonter Lidl und die Österreichische Post: sie alle bauen ein eigenes Logistikzentrum. Riesige Lagerflächen in der Nähe großer Städte, wo Produkte bis zur Lieferung an den Endkunden gelagert werden. „Je mehr über Onlineshops gekauft wird, desto mehr Flächen werden benötigt“, so Franz Kastner vom Immobilienunternehmen CBRE.

Neue Projekte in Bau

Daher verzeichnet der Markt für Logistikimmobilien in Österreich einen Rekord: Rund 5,5 Millionen Quadratmeter sind in Wien, Linz und Graz bereits gebaut. Bis Ende 2020 sollen an diesen drei Standorten nochmals 349.000 Quadratmeter neu dazukommen. Franz Kastner erklärt: „Der Großteil der Neubauleistung wird von den Errichtern auch selbst genutzt. Ein Beispiel: Das Möbelhaus XXXLutz baut bis Ende des Jahres in Zurndorf (Bezirk Neusiedl am See) auf einem 22 Hektar großen Areal rund 100.000 Quadratmeter Nutzfläche für ein neues Zentrallager – im Eigentum.

Logistikzentren entstehen

Doch auch der Vermietungsmarkt zieht ordentlich an. Immer häufiger errichten Immobilienentwickler Logistikzentren und vermieten sie an Kunden. Ein Beispiel dafür ist der Industrial Campus Vienna East in Enzersdorf an der Fischa, südöstlich von Wien. Dort baut der deutsche Immobilienkonzern DLH derzeit mehr als 100.000 Quadratmeter Lagerflächen. Mieter ist hier etwa der Baumarkt Hornbach. Der wichtigste Standort für Logistikimmobilien ist Wien, wobei sich fast 70 Prozent des Marktes im Gebiet Wien-Umgebung Süd abspielt.

Spekulative Errichtungen

„Da der Süden Wiens mittlerweile rar an verkehrsgünstig gelegenen und verfügbaren Liegenschaften ist und die Kaufpreise fortwährend gestiegen sind, verlagerten sich die letzten Großprojektierungen für Logistikflächen in die Region östlich und nördlich von Wien“, erklärt Stefan Wernhart vom Immobilienunternehmen EHL. Ein immer größerer Anteil der Logistik-Neubauflächen wird auch „spekulativ“ errichtet. Derzeit sind es etwa 13 Prozent, also rund 45.000 Quadratmeter.

Big Box

In diesem Zusammenhang ist das Wort „spekulativ“ nicht unbedingt negativ konnotiert, wie CBRE-Experte Kastner sagt: „Immobilienentwickler errichten ohne Vorvertrag mit einem Kunden Flächen. Da die Nachfrage hoch ist, können diese Flächen dann kurzfristig gut vermietet werden.“ Die Standard-Logisitikimmobilie ist übrigens eine „Big Box“: Dabei handelt es sich um zehn Meter hohe Hallen, die unter anderem pro Quadratmeter fünf Tonnen Lasten standhalten und pro 650 Quadratmeter Hallenfläche eine Auffahrtsrampe haben. „Mit dieser Art von Immobilien kann 80 bis 90 Prozent der Nachfrage gedeckt werden“, so Kastner.