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Besondere Architektur: Kapelle in Kirschform

Architektin Doris Dockner plante in der Südsteiermark eine Kapelle mit rund 30 Quadratmetern und einer Höhe von acht Metern.

von Julia Beirer

09/10/2019, 04:50 PM

Der Ort, auf dem die Kirschkapelle am südsteirischen Flamberg im Saustal heute steht, war einst eine Kultstätte in der Jungsteinzeit. „Wir wussten, dass wir vorsichtig sein müssen, und haben daher Fachleute hinzugeholt“, erzählt Architektin Doris Dockner. Die Scherben, die die Archäologen vor Baubeginn gefunden haben, stammen aus der prähistorischen Kultur „Lasinja“ (3000 - 4000 v. Chr.) Manche davon konnten sogar in der Kapelle verwendet werden – dazu später mehr.

Bauherr Heinz Harkamp gab die Kirschkapelle anlässlich des 90-jährigen Firmenjubiläums des heutigen „Weingartenhotels Harkamp“ in Auftrag. „Der Bauherr wollte einerseits eine Verbindung zwischen Himmel und Erde schaffen und andererseits vielen Menschen die Möglichkeit geben, an der Messe teilzunehmen“, so die Architektin.

Daher entschied sie sich für einen gläsernen, vertikalen Bau. „Wald und Landschaft sollten mit der Architektur interagieren. Ich wollte einen fließenden Übergang zwischen innen und außen herstellen“, sagt Dockner. Daher wählte sie insgesamt 250 kleine, teils bunte Gläser.

Um auch nach oben hin Transparenz zu schaffen, wählte sie eine Struktur, die es ermöglicht, den Himmel bei jeder Tages- und Nachtzeit zu sehen. „Da sich das Gelände an dieser Stelle leicht anhebt und die Tore der Kapelle geöffnet werden können, können viele Menschen an einer Messe teilnehmen“, erklärt Dockner.

Um die Höhe der Kapelle zu definieren ließ Dockner drei Stangen im Maßstab eins zu eins aufstellen. So konnte auch der Bauherr noch Änderungswünsche äußern. „Der Entwurf stammt von mir, die Hochbaudetails haben Herbst + Tritthart Architekten erarbeitet“, sagt Dockner.

Grundriss in Herzkirschform

Geweiht ist die Kapelle dem heiligen Valentin, dem Heiligen der Liebenden, und dem heiligen Urbanus, dem Weinheiligen. Das spiegelt sich im Grundriss und in der Decke wider. Der Grundriss ist in Herzkirschform gebaut, daher auch der Name der Kapelle.

Nach oben hin ist die Kapelle transparent. Die Form von Weinblättern lässt das Licht wie durch eine Laube eindringen. „Dadurch entsteht am Boden je nach Tageszeit ein Spiel aus Licht und Schatten“, so Dockner.

In das Kruzifix aus Glas wurden Scherben der Jungsteinzeit eingelegt. Der ellipsenförmige Altar steht auf einem Felsen und soll die Bahn der Planeten des Universums darstellen. Dockner: „Ich möchte gerne noch passende Stühle bauen lassen, das dauert aber wahrscheinlich noch. Wichtig ist, dass Natur und Landschaft durch den Raum fließen.“

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