Wirtschaft | Immobiz
05.12.2011

Barrierefrei wohnen - von Anfang an

Irgendwann muss jeder sein Zuhause altersgerecht adaptieren. Bauträger reagieren auf diese Bedürfnisse und errichten barrierefreie Immobilien.

Ihre Coverversion von "My Generation" wurde auf YouTube mehr als fünf Millionen mal aufgerufen. Das Durchschnittsalter der Bandmitglieder: 78 Jahre. "The Zimmers" zeigen, dass auch Senioren nicht zum alten Eisen gehören. Wer noch so aktiv ist, will natürlich auch selbstbestimmt wohnen. Damit man auch im Alter möglichst lange in den eigenen vier Wänden leben kann, sollte man schon beim Hausbau oder der Wohnungssuche auf Barrierefreiheit achten. Sonst kann das Umrüsten sehr aufwendig und teuer werden.

Die wichtigsten Bedürfnisse - Kochen, Wohnen, Schlafen und Baden - sollten auf einer Ebene möglich sein. Damit in Bad und Toilette auch mit einem Rollstuhl oder Gehwagen genug Platz ist, kann man diese Räume von Anfang an größer planen oder eine spätere Zusammenlegung von WC und Bad, Bad und Abstellraum oder WC und Abstellraum durch nicht tragende Trennwände zwischen diesen Räumen ermöglichen. Auch auf die üblichen Stufen vor der Eingangstüre könnte man von vornherein verzichten und stattdessen eine kurze, flache Rampe anlegen. Bei der Planung der Elektroinstallationen sollte man an ausreichend Leerverrohrungen denken, damit bei Bedarf etwa eine elektrische Bedienung von Jalousien, Fenster- und Türöffnern installiert werden kann.

In Wien informiert die MA 25 über barrierefreie Umbaumaßnahmen im Innen- und Außenbereich (wie den Einbau von Treppenliften oder den Umbau von Sanitärräumen) und über Förderungsmöglichkeiten für behindertengerechte Umbauten.

Generationen-Wohnen

"Es ist gut, wenn die Leute auch im Alter nicht aus ihrem Umfeld gerissen werden", ist auch Architekt Andreas Lichtblau überzeugt. Er empfiehlt daher eine Mischung der Generationen: "Wohnungen sollten mitwachsen und auch wieder verkleinert werden können."

Einige Bauträger reagieren auf diese Bedürfnisse: So errichtet etwa die Gewog derzeit 55 geförderte Mietwohnungen im 23. Bezirk in Wien. Im Vordergrund steht das Thema Generationen-Wohnen: Barrierefrei gestaltete Einheiten sollen Senioren den Alltag erleichtern. Ein Pensionistenclub wird für aktive Freizeitgestaltung sorgen, Angebote in Kooperation mit der Caritas sind geplant. Am anderen Ende der Stadt, im 22. Bezirk, baut die Gesiba gerade 89 geförderte Mietwohnungen. Ein Teil ist für Großfamilien gedacht: Die Vier-Zimmer-Wohnungen im Parterre können um nebenanliegende Kleinwohnungen für die Großeltern oder studierende Kinder ergänzt werden. Es gibt getrennte Eingänge, den Garten teilen sich die Bewohner.

Ein besonders spannendes Projekt entsteht im 2. Bezirk: Das Österreichische Siedlungswerk (ÖSW) baut Österreichs erstes WG-Haus mit 42 Wohngemeinschaftseinheiten und 98 geförderte Wohnungen. In die WGs für drei bis sechs Personen sollen nicht nur Studenten, sondern auch Familien und junggebliebene Senioren einziehen. Anfragen von älteren Interessenten gibt es bereits.

Barrierefreie Immobilien gibt es nur im Neubau und viel zu wenig im innerstädtischen Raum", kritisiert Immobilientreuhänder Florian Potocnik. Denn im klassischen Altbau beginnen die Probleme schon beim Zugang zur Immobilie: Die Türen sind zu schwer, die Gegensprechanlage ist zu hoch. Nach einem schweren Unfall und einem Jahr im Rollstuhl machte der Physiotherapeut die Immobilientreuhänder-Prüfung und spezialisierte sich auf barrierefreie Immobilien. Potocnik berät seine Kunden bei der Anpassung ihrer Wohnungen. Ist ein Umbau nicht zu einem vernünftigen Preis möglich, hilft er bei der Suche nach einer barrierefreien Immobilie.

Weitere Informationen finden Sie auf folgenden Websites
www.visitreal.at
www.designforall.at
www.barrierefreiestadt.wien.at
www.um-haeuser-besser.at
www.wohnservice-wien.at
www.barrierefreileben.at