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Wirtschaft Immobiz
05/18/2019

Architektur: Bauen fürs Klima

Baustoffe, Bodenverbrauch, öffentliche Verkehrsanbindung: Wie und wo Häuser gebaut werden, beeinflusst unsere Umwelt.

von Barbara Nothegger, Julia Beirer

Sieben Beispiele aus ganz Österreich zeigen, wie Architektur ein gutes Klima schafft.

„Wohnanlage Salamander“ in Innsbruck

„Es ist ein Hof im Hof“, erklärt Architektin Birgit Licker-Plank. Gemeinsam mit  Bernd Ludin und Armin Kathan hat sie die „Wohnanlage Salamander“  geplant und damit 120 Wohnungen im Innsbrucker Stadtzentrum  nachverdichtet – und zwar nach unten. 15 Meter war die Baugrube tief, in der zwei Garagenebenen und zwei Stockwerke entstanden sind. Damit genug Licht in die 1- bis 4-Zimmerwohnungen einfällt, wurde der Bau in Richtung Innenhof  mit einer Glasfassade versehen.  Auf der anderen Seite sorgt ein Lichtschacht für Beleuchtung. Licker-Plank: „Mit viel Liebe zum Detail ist eine Oase mitten in der Innenstadt entstanden.“ planetimmobilien.at

Ein Strohhaus am Hang in Graz

Mit einem Höhenunterschied von 14 Metern musste Architekt Gerald Diechler von pluspunkt Architektur beim Bau seines Hauses „HGW“ kämpfen. Die Lösung: 220 Quadratmeter Wohnfläche auf drei Ebenen aufzuteilen. Im untersten Bereich sind Autoabstellplätze, im Erdgeschoß der Eingangsbereich sowie vier Kinderzimmer. Im obersten Geschoß sind Wohn- und Essbereich, sowie Elternschlafzimmer untergebracht. „Das Erdgeschoß ist so geplant, dass wir die Wände herausreißen und eine Einliegerwohnung daraus machen können“, so Diechler. Die Lage am Hang war aber nicht die einzige Herausforderung, der sich der Architekt gestellt hat.

Ein Strohhaus am Hang in Graz

Diechlers Ziel: Auf Kunststoffe verzichten. „Leider ist das nicht immer möglich“,  erklärt er. Der erdberührende Bauteil muss vor  Feuchtigkeit geschützt werden und auch in der äußersten Dachhülle  hält Kunststoff das Wasser ab. Ansonsten wurden nur Naturmaterialien verwendet. Das Dämmmaterial der Bodenflächen besteht aus Glasschaumschotter. Für die Wanddämmung wurden Strohballen verwendet, die mittels Gurten vorverdichtet wurden. Zusätzlich wurde eine vier Zentimeter dicke Holzfaserdämmung aufgebracht.  „Durch die Fassade zieht immer frische Luft. So bleiben extreme Temperaturen an der Metallfassade hängen und wir brauchen keinen Sonnenschutz.“ pluspunktarchitektur.com 

Haus für einen Weinbauern im Burgenland

Fahr nicht fort, kauf im Ort – so lautete mal ein Werbeslogan für Geschäftstreibende. Umgemünzt auf ökologisches Bauen würde der Spruch wohl lauten: Bau nicht weit fort, bau im Ort. Sprich:  Sanierungen im Ortskern sind ökologischer als die grünen Wiesen am Ortsrand zu verbauen. Genau das tat auch ein Weinbauer aus dem burgenländischen Horitschon. Für sein Wohnhaus sanierte er ein bestehendes Haus in einer typischen burgenländischen Zeilenbebauung. Oder wie Architekt Martin Mostböck es nennt: „Das Gebäude wurde in die moderne Zeit geführt.“  Mit großen Fensterfronten wurde dazu das Maximum an Licht und Ausblick in die Räume geholt. Der Wohn- und Essbereich wurde zum Dach geöffnet. Dazu wurde als Verbindungsgang zwischen den Geschoßen eine Rampe errichtet. martin-mostboeck.com

Sanierung der Altstadt in Oberösterreich

An einer „Kultur der Reparatur“ wollten sich TP3 Architekten orientieren, als es um die Sanierung der Linzer Altstadt ging. Und diese Einstellung passt für altes Gemäuer ganz gut: Denn nicht nur die Baumaterialien altern im Lauf der Zeit, sondern auch die Funktion der Gebäude ändert sich. In diesem Sinne änderten TP3 Architekten auch die Funktion eines alten Brunnenstandorts am Hofberg mitten in der Altstadt. Der Brunnen galt einst als Lebensspender. Seit 2018 befindet sich auf dem Platz nun ein  Lichtbrunnen – als Symbol der Aufwertung der Linzer Altstadt. Der Lichtbrunnen ist 8,5 Meter hoch und mit Fotovoltaikpaneelen ausgestattet, die am Tag Sonnenlicht speichern und dieses in der Nacht als Lichtpunkte wieder  abgeben. www.tp3.at

„Siedlung der kurzen Wege“ in Zell am See in Salzburg

Nahversorger, Kindergarten, Musikraum, Werkstatt, Gemeinschaftsgarten und ein Quartiersplatz als Treffpunkt sind im Ortsteil des „Sonnengarten Limberg“ in Zell am See zu Fuß erreichbar. Die Wohnanlage wird derzeit errichtet und ist als „Siedlung der kurzen Wege“ konzipiert.  Sie verfügt neben einem barrierefreien Zentrum auch über ein umfassendes Mobilitätskonzept, das  Alternativen zur privaten Autonutzung bieten soll. Den zukünftigen Bewohnern werden E-Autos, E-Fahrräder und E-Scooter zur Verfügung stehen, die je nach Bedarf vor Ort über digitale Infoboards oder bei der Wohnkoordinatorin gebucht werden können.  Dadurch soll ein Beitrag zur Verkehrsreduktion und zum Umweltschutz geleistet werden. Die Maßnahmen wurden mit dem VCÖ Mobilitätspreis 2018 ausgezeichnet.  www.hillebrand.at

Vom Feld zur Stadt: das Donaufeld in Wien

Nördlich der Alten Donau, eingebettet zwischen Floridsdorf und Kagran, liegt das 60 Hektar große Donaufeld. Demnächst soll genau hier ein neues Stück Stadt entstehen. Bis Ende des Jahres läuft die erste Etappe des Bauträgerwettbewerbs der Stadt Wien. Doch schon jetzt ist klar: Das Donaufeld soll ein umweltverträglicher Stadtteil werden. Unter dem Leitbild „Stadtklima Donaufeld“ werden verschiedene Aspekte wie Kühlung, Biodiversität, Mobilität und ein nachhaltiger Wasserhaushalt geplant. Rund ein Drittel der Fläche soll den künftigen Bewohner als öffentlicher Grün- und Freiraum zur Verfügung stehen. Dabei soll die Stadtökologie eine große Rolle spielen: Es soll Gehölz als Unterschlupf für Tiere und verschiedene miteinander verbundene Biotope geben. Im Donaufeld ist außerdem eine  Reduktion der Autos und somit nachhaltige Mobilität Teil des Konzepts. www.gbstern.at 

„Haus des Lernens“ in Niederösterreich

Holz, Stroh und Lehm – das sind die wichtigsten Baustoffe, die beim „Haus des Lernens“ verwendet wurden. Das Gebäude ist seit Jänner 2019 Sitz der gemeinnützigen Organisation Gesa, die Langzeitarbeitslose weiterbildet. Ein Qualifizierungsprogramm trägt den Namen „Strohbau“ und das traf sich insofern gut, weil die Teilnehmer gleich bei der Errichtung mithalfen. „Der Strohbau ist extrem aufwendig. Die Strohballen wurden teilweise händisch eingebracht“, erzählt Gesa-Geschäftsführer Matthias Zuser. Geplant hat das Haus Architekt Martin Aicholzer.  Die Errichtungskosten waren etwa gleich hoch wie jene von vergleichbaren konventionellen  Bauten.  www.magk.at