Wirtschaft | Immobiz
26.11.2018

Ade Abwanderung: So wird das Land für Städter wieder attraktiv

Die beiden gemeinschaftlichen Wohnprojekte Mayr in der Wim und Hasendorf sind Alternativen zum Einfamilienhaus.

Eine Alternative zum ökologisch nicht besonders nachhaltigen Einfamilienhaus – das wollte der Linzer Architekt Fritz Matzinger mit dem Projekt „Mayr in der Wim“ schaffen. Der 550 Jahre alte Gutshof nahe Steyr in Oberösterreich stand 25 Jahre leer, bis Matzinger das stark verfallene Objekt mit einer Gruppe von Leuten wieder zum Leben erweckte und ökologisch sanierte. 20 Wohneinheiten samt Pool im überdachten Innenbereich sind im Vierkanthof kürzlich entstanden. Das gemeinschaftliche Leben steht dabei im Vordergrund: es gibt viel Austausch zwischen den Bewohnern.

Mayr in der Wim liegt in einer Alleinlage, umgeben von einem Hektar Grünfläche. Die Bewohner haben in diesem riesigen Garten 50 Obstbäume geplatzt, halten drei Ziegen und haben einen Fußballplatz angelegt. Fritz Matzinger: „Diese Attraktivität kann das am Land beliebte Einfamilienhaus nicht bieten. Die Wohnform ist ideal für Ältere und Kinder.“

Ein ökologisches Landleben wünschte sich auch Anne Erwand. Anfang 2015 kaufte sie mit 25 anderen Erwachsenen ein Grundstück im niederösterreichischen Hasendorf zwischen Krems und St. Pölten. Die Ortschaft hat gerade mal 200 Einwohner. Die Gruppe baute ein ökologisches Vorzeigehaus mit Wohnungen und 650 Quadratmeter Gemeinschaftsflächen wie einer Gemeinschaftsküche und einem Co-Working-Space. Im Sommer zogen die „Hasen“, wie sie sich selbst nennen, ein. Zwei Bewohner betreiben seitdem auch auf angrenzenden Agrarflächen die Bio-Gärtnerei „Ackerschön“. Anne Erwand: „Wir wollen ein Leuchtturmprojekt für nachhaltiges Leben am Land sein.“

Die neuen Dorfbewohner bringen sich auf vielfältige Weise in ihrer neuen Lebensumgebung ein: Die Kinder des Wohnprojekts Hasendorf gehen in den örtlichen Kindergarten und im gerade begonnenen Gemeindeentwicklungsprozess sind Leute aus dem Wohnprojekt engagiert. Anne Erwand: „Demnächst wollen wir einen Leihladen aufmachen, der auch anderen Dorfbewohnern offen steht.“