Schnecken und Läuse im Garten? Dieser Helfer erledigt das Problem
Ein Marienkäfer hält den Lausbefall auf dieser Pflanze in Schach.
Ein Garten kann ein wahres Paradies sein. Jetzt im Frühling kann man Bienen und Schmetterlinge beobachten, wie sie die ersten geöffneten Blüten anfliegen. Sie tun dies auf der Suche nach Nektar und Pollen – gleichzeitig bestäuben sie Blüten. Nur so können aus den Blüten eines Apfel- oder Marillenbaums Früchte werden. Dieses Miteinander von Pflanzen und Tieren im Garten ist ein erfolgreiches Lebensprinzip – wenn es denn nicht gestört wird.
Das passiert, wenn nicht alles so gedeiht, wie es sich Hobbygärtner wünschen – und diese zu Hilfsmitteln greifen, die das natürliche Gleichgewicht stören. Die Unkräuter und Schädlinge nehmen überhand, Wühlmäuse knabbern die mühsam vorgezogenen Pflanzen an, Schnecken fressen große Löcher in Salatköpfe? Da wird schnell zum Unkrautvernichter und Schädlingsbekämpfungsmittel gegriffen – mit fatalen Auswirkungen. Denn das Gift dezimiert nicht nur eine Art, sondern zerstört das ganze Ökosystem.
Eine Biene bestäubt eine Blüte am Apfelbaum
Einen Ausweg aus diesem Dilemma für alle Gartenbesitzer, die gerne die Früchte ihrer Arbeit ernten, bietet die Pflanzplanerin und Buchautorin Sonja Schwingesbauer. In ihrem soeben erschienen Buch „Von Pflanzen, die sich mögen & Tieren, die uns helfen“ zeigt sie, wie sich ein natürliches Gleichgewicht im Mikrokosmos Garten einstellt, wenn man mit der Natur und nicht gegen sie arbeitet – also auch mit den Tieren im Garten. Damit Pflanzen bestäubt werden, braucht es Bienen, Hummeln, Schmetterlinge – aber nicht nur.
„Bienen und Hummeln sind die Hauptbestäuber. Besonders komplizierter gebaute Blüten wie Salbei oder Akelei werden von ihnen bestäubt. Aber auch die Schwebfliegen sind wichtig, da sie überwintern und daher sehr früh unterwegs sind“, sagt Sonja Schwingesbauer.
Ihre Larven ernähren sich zum Beispiel von Blattläusen. Schmetterlinge bestäuben ebenfalls viele Blühpflanzen, Käfer robuste Blüten.
Ein Nachtfalter auf einer weißen Blüte.
Der Nachtfalter etwa ist auf Blüten in Weiß und in hellem Gelb spezialisiert und auf jene, die duften, wie zum Beispiel das Seifenkraut. Doch welcher dieser Nützlinge hält nun Schnecken, Läuse und Raupen in Schach? „Die Nahrungspyramide kommt uns zugute“, sagt Schwingesbauer. „Die, die sich von Pollen und Nektar ernähren, stören uns nicht, sondern sind wertvolle Bestäuber. Um aber Schnecken, Raupen und Läuse in den Griff zu bekommen, hilft es, ein Netz an Nützlingen zu schaffen.
So sind Spinnen sehr gute Räuber, Laufkäfer tolle Schneckenjäger und auch Glühwürmchenlarven jagen ebenfalls Schnecken“, so die Autorin. Vögel brauchen zur Brutzeit tierisches Futter. So frisst etwa die Drossel Schnecken und hat dazu eine eigene Technik entwickelt – sie verwenden Steine, um Schneckengehäuse aufzuklopfen.
Sonja Schwingesbauer ist Pflanzexpertin und Buchautorin.
Doch wie gelingt es, dass sich Nützlinge im Garten ansiedeln? Man kann sie vor allem durch den Verzicht auf Pestizide fördern. „Denn Gifte vernichten die Nahrungsgrundlage für Nützlinge“, betont Schwingesbauer. Was außerdem hilft: Zurückhaltung bei der Bodenbearbeitung, also Beete nicht zu viel umzugraben, Teilbereiche des Gartens wild zu belassen, indem nicht oder nur selten gemäht wird, und Beete artenreich zu bepflanzen. „Um nicht so viel jäten zu müssen, deckt man Beete mit Mulchmaterial ab, es unterdrückt das Aufkommen von Pflanzen, die man nicht will“, so die Expertin. Um den Boden nicht offenzulassen, mulcht man mit Stroh, Rasenschnitt (nicht zu viele blühende Samen), Laub wie zum Beispiel Lindenlaub, denn dieses verrottet rasch. Kies eignet sich nur fürs sonnige Blumenbeet, nicht fürs Gemüsebeet.
Wenn man das Beet nicht abdecken will, kann man zum Beispiel Spinat, Sonnenblume, Ackersenf oder Buchweizen als Gründüngung und Zwischenkultur ansäen.
BUCHTIPP: „Von Pflanzen, die sich mögen & Tieren, die uns helfen“ von Sonja Schwingesbauer, erschienen im Haupt Verlag, € 36
Der Nützlingsgarten besteht aus Gehölzen wie Sträuchern und Hecken für Igel und Vögel, Blumenbeeten und -wiesen für Bestäuber sowie einer Mischkultur im Gemüsebeet mit Gemüsesorten und Kräutern. Außerdem kann man Strukturelemente schaffen. „Etwa eine Wasserstelle für Vögel und Sandstellen für Spatzen“, so die Autorin. „Wichtig sind auch geeignete Brutplätze für Vögel.
Wenn keine Baumhöhle vorhanden ist, kann man einen Nistkasten aufhängen.“ Säugetiere wie Igel brauchen einen großen Laub-Haufen zum Überwintern. „Eidechsen lieben Mauerwerk und Spalten, um darin Unterschlupf zu finden. Totholz ist ideal für Blindschleichen, Spinnen und Käfer – dieses sollte man dort anlegen, wo es weniger stört: Größere Äste und Zweige sowie Grünschnitt werden aufgestapelt, etwa einen Quadratmeter groß. So bietet Totholz auch einen guten Schutz für überwinternde Tiere.“
Doch es gibt auch Pflanzen, die Nützlinge gezielt anlocken. „Doldenblütler wie die Dille locken nützliche Tiere wie räuberische Wespen ins Gemüsebeet, die Lästlinge jagen“, nennt die Expertin ein Beispiel. „Schwebfliegen ernähren sich von Pollen. Ihre Eier legen sie gerne in der Nähe von Blattläusen ab, denn die Larve frisst Blattläuse, ebenso wie der Marienkäfer, aber auch die Florfliegenlarve. Durch blühende Kräuter und heilende Blumen wie Kamille und Ringelblume lockt man Bestäuber an.“ Diese Blumen halten mit ihren Inhaltsstoffen aber auch Nematoden und Viren im Boden fern oder andere Krankheiten.“
Es braucht viel Geduld
Doch was ist, wenn sich das natürliche Gleichgewicht trotz Verzichts auf Gifte nicht einstellen will? Man muss ein wenig Geduld mitbringen, rät die Expertin. „Falls die Witterungsbedingungen nicht optimal sind, dann sind die Pflanzen anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.“ Außerdem sollte man Gehölze und Stauden standortgerecht pflanzen, die Beschaffenheit des Bodens sollte stimmen – nicht zu lehmig, nicht zu sandig. Man kann Pflanzen aber auch gezielt stärken – ganz ohne Chemie. „Es gibt viele Stärkungsmittel auf biologischer Basis wie Brennnesseljauche, Seifenlauge – zum Beispiel gegen Läuse. Man kann auch Urgesteinsmehl auf die Blätter streuen.“ Leimringe für Obstbäume kann man laut der Expertin ebenfalls verwenden. Grundsätzlich müsse man abschätzen: „Ist das Problem so groß, dass ich etwas tun muss – oder kann ich damit leben.“
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