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Wirtschaft
07/30/2012

Ignoranten

Die Regierung tut so, als ob die ÖIAG ein Greißlerladen wäre.

von Andrea Hodoschek

Wie auch immer der neue ÖIAG-Chef heißt, er (oder vielleicht wird’s ausnahmsweise doch einmal eine sie) wird neben einem starken Nervengerüst eine sehr hohe Frustrationsschwelle brauchen. Die Regierung denkt nicht im Traum daran, sich mit der Zukunft der Staatsholding auseinanderzusetzen. Rot und Schwarz haben sich auf oberflächlichen Positionen einzementiert – ÖIAG brauch’ ma eh nicht, also auflösen, sagen die einen. ÖIAG vergrößern und alles privatisieren, fordern die anderen. Was immer sich der neue ÖIAG-Boss an strategischen Konzepten ausdenkt, kann er gleich wieder ins Schubladl legen. Weil’s ohnehin keiner lesen will.

Wir sprechen hier von maßgeblichen Beteiligungen des Staates – und damit der Steuerzahler – an drei der bedeutendsten Infrastrukturunternehmen des Landes, allesamt Schwergewichte der Wiener Börse, mit insgesamt knapp 73.000 Mitarbeitern. Das ist der Politik herzlich egal. Da wird vorerst auf Zeit gespielt, denn parteipolitische Interessen und Ideologien sind allemal wichtiger als Entscheidungen über die Zukunft des wichtigsten Schlachtschiffes der österreichischen Wirtschaft. Bis zu den Nationalratswahlen im kommenden Jahr bewegt sich gar nix und nachher darf man sich auf hochqualitative Diskussionen freuen, in denen die Blinden wieder über die Farbe streiten werden.

Wie gefährlich und vermögensvernichtend diese Ignoranz ist, bewies die Politik einmal schon sehr anschaulich. Obwohl die ÖIAG und das damalige AUA-Management die Regierung beknieten und auf einen internationalen Partner für die staatliche Airline drängten, stellte sich die Politik taub. Solange, bis die AUA am Rande des Abgrunds stand und an die Lufthansa verschenkt werden musste. Mit 500 Millionen Euro Staatshilfe als Zugabe.

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