Forensiker Christian Böhler (rechts) wird Neos-Finanzsprecher Rainer Hable unterstützen.

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Wirtschaft von innen
01/20/2015

Hypo-Milliarden: Auf der Spur des Geldes

Neos holen sich für U-Ausschuss ehemaligen Chefermittler der Bank.

von Andrea Hodoschek

Folgt der Spur des Geldes." Der bekannteste Satz des Hollywood-Films "Die Unbestechlichen" über den Watergate-Skandal passt perfekt für die Kärntner Hypo. Bis heute sind noch längst nicht alle Machenschaften aufgeklärt, die die Bank in ein Desaster stürzten und für das die österreichischen Steuerzahler mit Milliarden gerade stehen müssen.

Die Neos haben sich auf der Suche nach dem Geld spektakuläre Verstärkung geholt. Jenen Mann, der die kriminelle Vergangenheit der Katastrophenbank so gut kennt wie kein anderer. Christian Böhler, bis zum September 2014 Leiter der forensischen Abteilung der Bank, wird das Neos-Team für den Hypo-Untersuchungsausschuss verstärken.

Rund 1200 faule Kreditfälle wurden bisher durchleuchtet und 120 Sachverhaltsdarstellungen mit einem strafrechtlichen Schaden von rund 1,7 Milliarden Euro angezeigt. Der Großteil davon am Balkan. Bis dato wurden von der Bank lediglich rund 150 Millionen Euro zurückgeholt.

Der Job war riskant. "Bei gewissen Themen am Balkan wurde ich gewarnt, die Finger davon zu lassen", sagt Böhler. Hatte er Angst um seine Familie? "Man wird vorsichtig." Der Balkan sei "ein knallhartes ehemaliges Kriegsgebiet mit Kriegsgewinnlern, die nicht zimperlich sind", betont Neos-Finanzsprecher Rainer Hable. Und erinnert an den missglückten Handgranaten-Anschlag auf den Ex-Chef der Hypo Leasing in Kroatien, der als Zeuge im Prozess gegen den verurteilten ehemaligen Ministerpräsidenten Ivo Sanader aussagte.

"Es ist noch lange nicht alles auf dem Tisch. Ich möchte dazu beitragen, dass endlich die gesamte Wahrheit ans Tageslicht kommt. Das ist man den Steuerzahlern schuldig", erklärt Böhler seine Motivation. Er will Hable zuarbeiten, der direkt im Ausschuss sitzen und von einem Team unterstützt wird.

"Wo ist das Geld", ist für Hable eine der wesentlichen Fragen. Insgesamt haben Bank und CSI-Hypo rund 6,5 Millionen Dokumente gesammelt. Hable: "Wenn nur ein Bruchteil davon dem Ausschuss übermittelt wird, brauchen wir Strukturen für die Aufarbeitung."

Dabei soll Böhler helfen. Der Forensiker war 15 Jahre lang im Innenministerium, im Bereich für verdeckte Ermittlungen und organisierte Kriminalität. Er war bei der Soko Hypo des Bundeskriminalamtes dabei und übernahm nach einem Zwischenspiel beim Wirtschaftsprüfer KPMG 2011 in der Hypo direkt die Abteilung "Aufarbeitung der Vergangenheit". Dabei saß er auch im Verwaltungsrat der Hypo Liechtenstein, einer Drehscheibe für etliche der Malversationen.

Böhler steht allerdings eine heikle rechtliche Gratwanderung bevor. Er muss aufpassen, weder das Bankgeheimnis noch andere Verschwiegenheitsvereinbarungen zu verletzen.

Die Hypo hatte ihren Chef-Forensiker während eines Urlaubs vom Dienst freigestellt. Wegen des Verdachts, er habe Informationen an die steirischen Neos, bei denen Böhler politisch andockte, weitergegeben. Stimmt nicht, sagt Böhler. Er habe lediglich, "um mich arbeitsrechtlich abzusichern, Daten und Mails mit dem Bank-Management, bei denen ich befürchtete, dass sie unter den Tisch gekehrt werden könnten, an meinen privaten Account weitergeleitet". Die Hypo erstattete Anzeige bei der Klagenfurter Staatsanwaltschaft, das arbeitsrechtliche Verfahren ruht derzeit.

Er sei ausgetauscht worden, "weil ich unbequem wurde und zu viele Fragen stellte", meint Böhler im KURIER-Gespräch. "Die Bank wollte ihn mundtot machen", legt Hable nach. Nicht nur mit dem Bank-Vorstand gab es Konflikte. Auch mit Wolfgang Peschorn, dem umtriebigen Chef der Finanzprokuratur, soll es immer wieder gravierende Meinungsverschiedenheiten gegeben haben. Dass die Bank die Ermittlungen im eigenen Haus hatte und die CSI bezahlen musste, ist für Hable "ohnehin ein grundsätzlicher Interessenskonflikt".

Böhler hat seine stillgelegte Forensik-Beratungsfirma wieder aktiviert. Ex-Hypo-Chef und Wirtschaftsprüfer Gottwald Kranebitter gründete im Vorjahr übrigens ebenfalls eine Gesellschaft für Forensik.

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