Wirtschaft
17.04.2018

Horizon 2020: Im EU-Forschungstopf liegt noch viel Geld

Von den geplanten 1,5 Milliarden Euro hat Österreich bisher 871 Millionen an Fördergeld rausgeholt.

Das Wiener Biotech-Start-up Marco Array Diagnostics könnte das Leben von Allergikern entscheidend verbessern. Sein innovativer Allergy Explorer (ALEX), der in der Allergieambulanz am Wiener AKH getestet wird, kann aus einem einzigen Tropfen Blutplasma oder Serum ein umfangreiches Antikörperprofil erstellen. Dabei werden sämtliche bekannten Allergieauslöser berücksichtigt. Um ALEX weiter zu verbessern, erhielt Marco Array Diagnostics erst kürzlich eine Förderung von 2,5 Mio. Euro aus dem EU-Forschungsprogramm „Horizon 2020“.

Der 2014 gefüllte EU-Topf für Wissenschaft und betriebliche Forschung & Innovation hat eine Laufzeit von sieben Jahren ist mit knapp 75 Mrd. Euro dotiert. Davon sind bisher 871 Mio. Euro nach Österreich geflossen.

Hohe Erfolgsquote

Österreich hat durch die Forschungskooperationen in der EU ungemein profitiert, wir sind heute quasi auf Augenhöhe“, zieht Wissenschaftsminister Heinz Faßmann eine positive Zwischenbilanz. Bei der Erfolgsquote der Bewilligungen liegt Österreich mit 16,9 Prozent auf Platz 3 hinter Belgien und Frankreich. Besonders erfolgreich waren hier die Unternehmen, auf die 37 Prozent der an Österreich geflossenen Mittel entfielen. Bisher konnten 462 heimische Betriebe Förderungen von rund 325 Mio. Euro aus dem EU-Topf lukrieren, darunter 73 Klein- und Mittelbetriebe (KMU) mit 30 Mio. Euro. Der stärkste Bereich war die Informations- und Kommunikationstechnologie gefolgt von Mobilität und Energie. Als nationale Kontaktstelle fungiert die Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

Ziel Österreichs war es ursprünglich, ein Fördervolumen von mindestens 1,5 Mrd. Euro auszuschöpfen. Davon ist man zwei Jahre vor Programmende aber noch weit entfernt. Faßmann ist angesichts noch bevorstehender „hochpreisiger Ausschreibungen“ dennoch zuversichtlich, das Ziel zu erreichen. Wirtschaft und universitäre Forschung müssten aber Kräfte und Ressourcen besser bündeln, etwa wenn es um die Verwertbarkeit von Projekten geht.

Neues Programm

Während „Horizon 2020“ in der Zielgeraden ist, wird bereits das nächste, neunte EU-Forschungsprogramm verhandelt. Anfang Mai soll der mittelfristige Finanzrahmen dafür stehen. Massiv beeinflusst wird er durch den EU-Austritt Großbritanniens. Die Briten sind nicht nur ein wichtiger Beitragszahler, sondern holen nach Deutschland auch die meisten Fördergelder aus Brüssel ab.

Faßmann hofft, dass Großbritannien als Kooperationspartner erhalten bleibt und der EU-Topf noch höher dotiert wird: „Der Plan ist ein klares Plus.“ Deutschland und Frankreich hätten diesbezüglich Bereitschaft signalisiert. Zuletzt war von 100 Mrd. Euro die Rede. Während der EU-Präsidentschaft Österreichs sollen wichtige inhaltliche Fragen geklärt werden. Mitte Juli ist dazu ein Treffen der Forschungsminister in Wien geplant.