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Wirtschaft
01/25/2021

Homeoffice am Strand: Digitale Nomaden als Vorreiter

Trend gab es schon vor Corona. Junge Leute zieht es in die Ferne.

Von der Dachterrasse aus kann man ├╝ber die bunten H├Ąuser der Nachbarschaft sehen, die an die spanische Kolonialzeit erinnern. Unter einem Sonnenschirm sitzen Kate und Tomas, Amanda und Diego an einem Holztisch vor ihren geschlossenen Laptops, trinken Kaffee und lachen entspannt bei dem Gedanken an ihre Pl├Ąne f├╝r den heutigen Samstag: Ein freier Tag, an dem sie die Kanareninsel Gran Canaria besser kennenlernen wollen, auf der sie diesen Monat verbringen.

Die vier jungen Leute sind digitale Nomaden. Sie arbeiteten schon vor den Corona-bedingten Lockdowns im Homeoffice und nutzen das aus, um die Arbeit mit Vergn├╝gen zu verbinden. Denn warum sollten sie alleine in ihren Wohnungen in Gro├čbritannien, Litauen oder Deutschland sitzen, wenn sie auch mit Leuten in ├Ąhnlichen Situationen eine Ferienwohnung mieten und den Feierabend am Strand verbringen k├Ânnen?

Diego Bejarano Gerke, 30, hat sich diese Frage vor f├╝nf Jahren gestellt und mit seiner ebenfalls deutschen Kollegin Julia Kallweit den "Wifi Tribe" gegr├╝ndet. Gruppen von circa 20 Personen reisen jeden Monat an einen anderen Ort. Um Teil des "Stamms" zu werden, muss man sich bewerben. Einmal dabei, k├Ânnen die Mitglieder selbst entscheiden, an wie vielen "Kapiteln" sie teilnehmen m├Âchten, sprich wie viele Monate sie zu den Reisenden geh├Âren wollen.

Brasilien und Kreta

"Wir haben uns in Brasilien kennengelernt, oder?", sagt die Engl├Ąnderin Kate, 29, und schaut den 36-j├Ąhrigen Tomas aus Litauen fragend an. "Ja genau, und dann waren wir zusammen auf Kreta, und jetzt sind wir hier", best├Ątigt dieser. Er arbeitet f├╝r ein amerikanisches Unternehmen, war vorher als freier Mitarbeiter sowieso schon im Homeoffice und wurde schlie├člich Vollzeit angestellt.

"Mein Arbeitstag ist ganz normal, um die acht Stunden, wobei die Zeitumstellung manchmal den Rhythmus durcheinanderbringt", erz├Ąhlt er. Kate ist jetzt Junior Softwareentwicklerin, als sie vor zwei Jahren zum "Wifi Tribe" gesto├čen ist, war sie noch als Freischaffende im Marketing t├Ątig.

"F├╝r die meisten Leute, die im Homeoffice arbeiten, ist es schwierig, sich mit den Arbeitszeiten der Freunde zu arrangieren, die einen B├╝roalltag haben. Dementsprechend schwierig ist es, gemeinsam Urlaub zu machen. Das ist es, was unsere Gemeinschaft bietet: Die M├Âglichkeit, neue Beziehungen zu kn├╝pfen und mit anderen gemeinsam zu reisen", so Diego.

In der Zwischenzeit reisen mehrere Gruppen des "Wifi Tribes" parallel, in S├╝damerika, Europa, S├╝dostasien und Afrika, wobei das Coronavirus auch ihre Pl├Ąne f├╝r 2020 gest├Ârt hat. US-Amerikaner konnten nicht an den ÔÇ×KapitelnÔÇť teilnehmen. Gran Canaria war einer der wenigen Orte, der sich wegen geringer Infektionszahlen als Reiseziel anbot. Sie sorgen sich vor allem um das Gastland und bleiben dieser Tagen unter sich, um auf keinen Fall Infektionen unter die Leute zu bringen.

Auf Kanaren willkommen

Die Besitzer der Ferienwohnungen sehen in den digitalen Nomaden zumindest einen Ersatz f├╝r die durch Corona wegfallenden Urlauber. "Meiner Meinung nach sind sie die besseren Touristen, weil sie nachhaltiger sind. Sie bleiben l├Ąnger, haben mehr Geld und geben es in den lokalen Gastst├Ątten aus", sagt Nacho Rodriquez von "Repeople", einem Unternehmen, das seit f├╝nf Jahren an einer Infrastruktur f├╝r Homeoffice-Touristen auf den Kanaren arbeitet und nun auch von der Regierung mit Marketing-Ma├čnahmen im Wert von 500.000 Euro unterst├╝tzt wird.

Man hofft darauf, dass die Leute wiederkommen, sich in die lokale Gemeinschaft eingliedern, eventuell auf lange Sicht ganz herziehen, ihre Steuern auf den Kanaren zahlen und neue Unternehmen mit Sitz hier gr├╝nden.

Maren H├Ąu├čermann

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