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Wirtschaft
05/09/2021

Holz- und Stahlmangel: Wirtschaft wächst schneller, als Produzenten dachten

"Sprunghafte Nachfrage aus USA fegt EU-Markt leer", klagt Thüringens Wirtschaftsminister. Die Exporte wachsen kräftig, Debatte über Ausfuhrverbote.

von Daniela Kittner

Holz, Stahl und Kunststoffe fehlen: Die europäische Wirtschaft ächzt immer wehr wegen grassierenden Rohstoffmangels. Als Ursachen für die Rohstoffknappheit gelten vor allem reduzierte Produktions- und Transportkapazitäten weltweit infolge der Corona-Krise aus. Außerdem gibt es eine erhöhte Nachfrage aus China und den USA. „Die sprunghaft gestiegene Nachfrage in den USA bei gleichzeitig deutlich höheren Margen für die Produzenten lassen den Export über Gebühr wachsen und fegen den europäischen Markt leer“, sagt Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD). Zudem hätten Holz-, Stahl- und Kunststoffproduzenten die rasche Erholung der Weltwirtschaft so nicht vorhergesehen und könnten nun nicht mit dem Bedarf Schritt halten.

Hilferufe aus mittelständischer Wirtschaft

 „Bei Holz, Kunststoffen, Baumaterial, aber auch Stahl bekomme ich aus dem Handwerk, aber auch aus der Automobilindustrie immer mehr Hilferufe wegen der Lieferengpässe und sprunghaft ansteigender Preise“, erzählt Tiefensee. Er wolle das Problem bei der nächsten innerdeutschen Wirtschaftsministerkonferenz ansprechen.

Tiefensee plädierte für eine schnelle Ausweitung der Stahl- und Kunststoffproduktion, der Sägewerkskapazitäten und für eine Erschließung von Recycling- oder alternativen Rohstoffen. Als Ultima Ratio seien aber auch temporäre Exportbeschränkungen durch die EU denkbar. „Wenn wichtige Rohstoffe hier benötigt werden, dann müssen wir dafür sorgen, dass sie auch hier verfügbar sind.“ Tiefensee sieht durch die Rohstoffknappheit Arbeitsplätze und den schnellen wirtschaftliche Aufschwung nach der Corona-Krise gefährdet.

"Exportbeschränkungen andenken"

Ähnlich äußert sich der deutsche Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer. Der teils drastische Preis-Anstieg bei Baumaterial stelle viele Bau- und Ausbau-Gewerke vor enorme Probleme, sagte Wollseifer dem „Münchner Merkur“. „Sollte sich die Lage unserer Betriebe weiter verschärfen, sollten angesichts der wirklich sehr angespannten Situation zumindest interimsmäßig Exportbeschränkungen angedacht werden.“
Zwischen den kurzfristig stark gestiegenen Preisen und der ursprünglichen Preiskalkulation klaffe bei vielen Betrieben „jetzt häufig ein großes Loch“, sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks. „Wenn die Betriebe den Vertrag dann ohne Preis-Anpassung erfüllen müssen, machen sie faktisch Verluste.“ Das stelle nicht wenige Handwerksunternehmen vor existenzielle Probleme. Schlimmstenfalls drohe die Insolvenz.

Kurzarbeit droht - diesmal wegen Materialmangels

„Erste Betriebe haben bereits Kurzarbeit angemeldet, weil das Material nicht zu beschaffen war“, sagte Wollseifer. An einigen Baustellen drohe wegen Materialmangels inzwischen ein Baustopp.

 

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