Wirtschaft
27.03.2018

H&M: Die fetten Jahre sind vorbei

Weniger Gewinn. Rabattschlachten verhageln den Schweden das Geschäft. Die Probleme sind nicht nur hausgemacht

Sein Großvater hat die Textilhandelskette 1947 gegründet, sein Vater hat sie von 1983 bis 1998 geführt, und seit einigen Jahren ist Karl-Johan Persson selbst Chef des schwedischen Modehauses. Leicht ist der Job nicht, denn die Zeiten sind turbulent, die Zahlen alles andere als schillernd, die Konkurrenz groß.

„Der Jahresbeginn war hart“, sagt Persson zu den Zahlen des ersten Geschäftsquartals (Dezember bis Ende Februar). Das Vorsteuerergebnis ist um 60 Prozent auf umgerechnet rund 124 Millionen Euro eingebrochen, wie die Analysten es bereits erwartet hatten.

Statt voller Kassen hat die Textilhandelskette neuerdings vor allem volle Lager. Ihre Designer produzieren zu oft am Geschmack der Kunden vorbei, Rabattaktionen müssen das Geschäft ankurbeln, um nicht noch mehr Kunden an die Konkurrenz zu verlieren. Unter dem Strich hat das den Schweden von Dezember bis Februar einen Umsatzrückgang von 1,7 Prozent auf 4,6 Milliarden Euro beschert.

Spanischer König

Der größte Textilhändler der Welt heißt längst Inditex (Zara, Bershka, Pull & Bear, Massimo Dutti). Der spanische Konzern ist dafür bekannt, dass er dank einer ausgeklügelten Logistik die Trends der internationalen Laufstege besonders schnell kopiert und in die Läden bringt. Firmen-Patriarch Amancio Ortega hat vor mehr als 40 Jahren mit der Produktion von Bademänteln begonnen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sein Mode-Imperium dank neuer Standorte und des guten Onlinegeschäfts 20,9 Milliarden Euro Umsatz eingespielt, ein Plus von 15 Prozent. Seit dem Börsengang im Jahr 2001 hat sich der Umsatz mehr als versechsfacht, der Aktienkurs zog um mehr als 700 Prozent an. Das freut Ortega. Auch, weil er rund 59 Prozent der Anteile hält und so heute einer der reichsten Männer der Welt ist.

Ortega ist aber nicht der Einzige, der Persson zu schaffen macht. Auf der Fläche heizt die irische Billigkette Primark den Preiskampf an. Das kommt vor allem bei jungen Kunden gut an. Mit T-Shirts um 2,50 Euro oder Jeans um 8 Euro setzen die Iren mehr als 16 Milliarden Euro im Jahr um.

Das Konzept hinter Primark ist relativ einfach: Massenhaft Ware zu billigen Preisen einkaufen und keinen Cent für Werbung ausgeben. Eine Rechnung, die offenbar aufgeht. Zumindest in den Läden. Vom Onlinehandel wollen die Primark-Manager dagegen nichts wissen. „Rechnet sich nicht“, sagten sie mit Blick auf die vielen Retouren, die enorme Kosten verursachen.

Das Gegenprogramm fährt Zalando, Europas größter Online-Modehändler (4,5 Milliarden Umsatz). Heuer soll der Umsatz wieder um eine Milliarde Euro steigen, so die Zielvorgabe des 2008 in Berlin gegründeten Unternehmens. Rund 15.000 Mitarbeiter beschäftigt der Online-Riese und lässt damit traditionelle Modehäuser im Web alt aussehen.

Amazons Kampfansage

Auch der US-Versandhandelsriese Amazon drängt nun in den Modezirkus. „Wir haben das einfache Ziel, bei den Kunden zur am meisten geliebten Adresse für Modekäufe zu werden“, ließ Amazons Modebeauftragte für Europa unlängst ausrichten. Überraschend kommt das nicht. Im Web gehören Textilien mittlerweile zu den Top-Sellern, allein in Deutschland werden damit rund elf Milliarden Euro im Jahr umgesetzt.

Währenddessen planen offenbar Familien, die mit dem Textilhandel reich geworden sind, den Ausstieg aus dem Modekarussell. Angeblich will die C&A-Eigentümerfamilie Brenninkmeijer an Investoren aus China verkaufen. Das 1841 gegründete Familienimperium hat die Entwicklung des Internet laut eigenen Angaben unterschätzt.