Helmut Ettl kehrt überraschend der FMA den Rücken

Der langjährige Vorstand wechselt im Herbst zum Internationalen Währungsfonds (IWF).
Ein Mann mit Brille, Anzug und roter Krawatte gestikuliert an einem Tisch.

Bereits seit 2008 befindet sich Helmut Ettl an der Spitze der FMA. Ende 2022 wurde er bereits zum dritten Mal als FMA-Vorstand für eine Funktionsperiode von 5 Jahren wiederbestellt mit Wirkung Mitte Februar 2023, also bis Mitte Februar 2028. Doch nun ist bereits jetzt bald Schluss. Wie Die Presse berichtet, wurde er für das Exekutivdirektorium des Internationalen Währungsfonds (IWF) vorgeschlagen. Er soll dieses Amt im Herbst antreten.

Dieses leitet die laufenden Geschäfte des IWF. Es besteht aus 25 Direktoren, die für die Mitgliedsstaaten Finanzprogramme genehmigen, die Wirtschaftspolitik der Mitglieder überwachen  und technische Hilfe leisten. Es trifft auch Entscheidungen zu Finanzierungen, um Zahlungsbilanzkrisen abzuwenden. 

Eine offizielle Bestätigung seitens der FMA gab es am Montag noch nicht. Intern scheint der Schritt ziemlich überraschend gekommen zu sein, es dürften nur Wenige in den vergangenen Tagen eingeweiht worden sein.

Studierter Ökonom   

Der in Linz geborene Ettl (60) ist  studierter Ökonom und startete in der Kinder-und Jugendarbeit, bevor er 1995 in die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) eintrat. 2003 wurde er dort Leiter der Abteilung für Bankenanalyse und -revision. Unter anderen war er Sonderprüfer im Bawag-Skandal.  2008 wechselte er in den Vorstand  der Finanzmarktaufsicht. Als solcher ist er zugleich Mitglied in hochrangigen EU-Gremien und seit 2023 auch Vize der EU-Bankenaufsicht EBA in Paris.

Ihm zur Seite steht seit Sommer des Vorjahres Mariana Kühnel. Seit 2018 war sie Generalsekretär-Stellvertreterin bei der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ).

Ettls Karriere stand 2019 bereits vor dem Aus. Denn die schwarz-blaue Bundesregierung hatte damals geplant, den Zweiervorstand um einen zu reduzieren. Ettl, der als SPÖ-Mann gilt, hätte gehen müssen. Die Bankenaufsicht wäre bei der FMA zusammengeführt worden und zugleich rund 180 Mitarbeiter der Nationalbank (OeNB) zur FMA gewandert. Doch aus all dem wurde mit dem Platzen der Koalition infolge des Ibiza-Videos nichts.

Viele Krisen zu bewältigen

Ettl hatte in seiner Funktion bei der FMA große Aufgaben zu bewältigen. Angefangen von den Folgen der Finanzkrise gleich zu Beginn seiner ersten Funktionsperiode, in der zahlreiche Banken in die Schieflage geraten waren, gefolgt von der Euroschuldenkrise oder der Durchsetzung strengerer Kapitalvorschriften.

In den vergangenen Jahren zeigte sich Ettl als harter Verfechter strenger Vergaberichtlinien für private Immobilienkredite (KIM-Verordnung). Bei den heimischen Banken, aber auch gescheiterten Kreditnehmern, machte er sich damit keine Freunde. „Zu spät und zu überschießend“, monierten Kritiker. Ettl verteidigte das Vorgehen; die Verordnung sei Opfer ihres eigenen Erfolges gewesen. Die Regel ist inzwischen ausgelaufen, nun stehen nach dem Zusammenbruch von Immobilienentwicklern Gewerbeimmobilienkredite im Fokus. Ettl betont – wie im letzten KURIER-Interview –, dass  die Unabhängigkeit der FMA die „DNA“ der Behörde sei.

Bis Ende Sommer hat nun die Regierung Zeit, einen Nachfolger für Ettl zu finden.
 

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