© KURIER/Jeff Mangione

Interview
08/27/2015

RLB OÖ will Geschäft in Deutschland ausbauen

Generaldirektor Heinrich Schaller im KURIER-Interview über Zinstief, Ertragsdruck und Expansionspläne.

von Irmgard Kischko

Im Jahr sieben nach der Finanzkrise leiden auch die heimischen Geldinstitute noch immer unter einem schlechten Image. Zudem setzen schwindende Margen und neue Wettbewerber aus dem Internet den Banken zu. Wie die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ) mit diesen Herausforderungen umgeht, erklärt deren Chef Heinrich Schaller im Gespräch mit dem KURIER.

KURIER: Herr Schaller, die Sparzinsen liegen nur noch knapp über null. Legen die Menschen überhaupt noch Geld bei den Banken an?

Heinrich Schaller: Die Leute tun es nach wie vor. Sie schätzen die Sicherheit. Sie sagen sich offenbar: Beim Sparbuch verliere ich das Kapital wenigstens nicht. Die tiefen Zinsen nehme ich da in Kauf.

Raten Sie Kunden auch zu ertragreicheren Alternativen zum Sparbuch?

Wir empfehlen vernünftige Unternehmensanleihen und Fonds, die breit gestreut sind. Viele Kunden bevorzugen nach wie vor Anleihenfonds, zum Teil auch Mischfonds.

Verdient die RLB bei den tiefen Zinsen überhaupt noch Geld?

Ja, der Druck ist aber groß. Wir müssen die Margen, die wir noch haben, den Kunden erklären. Wir müssen ihnen sagen, dass wir nicht jedes Geschäft zum besten Preis machen.

Zwingt der Margendruck zu Einsparungen, Filialschließungen, Personalabbau?

Wir haben kein Filialschließungs- und Personalabbauprogramm, sondern wir setzen auf Effizienz. Gemeinsam mit den Raiffeisenbanken sind wir mitten drin im Effizienzsteigerungsprogramm "Raiffeisenbankengruppe Oberösterreich 2020". Grundsätzlich geht es darum, dass wir uns noch stärker um den Markt kümmern können. Also: mit bestehenden Kunden noch mehr reden und zusätzlich Neukunden gewinnen.

Um wie viel müssen die Kosten von Raiffeisen Oberösterreich sinken?

Ich möchte das nicht in Zahlen ausdrücken. Wir möchten zum Beispiel Verwaltungstätigkeiten konzentrieren und die Filialen sowie die Raiffeisenbanken entlasten. Manches wie die IT wird sogar österreichweit zusammengelegt. Es geht darum, die Erträge weiter zu stärken.

Wie stellt sich die RLB auf die wachsende Konkurrenz aus dem Internet ein?

Das Bankgeschäft steckt mitten in der Veränderung. Der digitale Bereich gewinnt weiter an Bedeutung. Wir sind der Meinung, dass man die persönliche Beratung und Betreuung vor Ort mit den neuen Möglichkeiten des Online- und Mobile-Bankings verbinden muss. Da sind wir gut unterwegs. Digitale Plattformen, die Kredite, Wertpapierprodukte oder Sparformen anbieten, werden mehr. Allerdings verdrängen die viel eher die Finanzdienstleister, also die Vermittler, als die Banken. Denn im Hintergrund bieten Banken diese Produkte an.

Warum verschmilzt die Privat Bank AG mit der RLB OÖ? Verbessert das die Betreuung der Kunden?

Das hat einen anderen Grund. Die Privat Bank ist eine 100-Prozent-Tochter von uns. Und laut den Vorgaben der Europäischen Zentralbank müsste diese alle regulatorischen Aufgaben mit entsprechender Infrastruktur selbst erfüllen. So eine Doppelgleisigkeit tun wir uns nicht an. Wir kümmern uns lieber um die Anliegen der Kunden.

Die RLB hat Filialen in Deutschland. Spüren Sie dort, dass die Konjunktur im Nachbarland viel besser läuft?

Ja. Die Nachfrage nach Krediten ist dort deutlich höher. Wir sind sehr daran interessiert, das Geschäft weiter auszubauen. Derzeit gibt es acht Standorte und wir prüfen, ob weitere dazukommen sollen. In Österreich ist die Nachfrage nach Finanzierungen noch zurückhaltender. Hier sind auch nationale Besonderheiten, wie die zehn Mal höhere Bankenabgabe oder der sogenannte Systempuffer, der schärfere Kapitalanforderungen bedeutet, zu beobachten. Wenn die Kreditnachfrage anspringt, könnten uns ausländische Institute das Feld streitig machen.

Sie haben auch das Problem der Hypo Alpe-Adria. Wie viel kostet Sie das?

Die RLB OÖ ist selbst nicht betroffen, allerdings indirekt über ihre Beteiligungen an den Hypos Oberösterreich und Salzburg. Diese müssen für Anleihen der gemeinsamen Pfandbriefstelle einstehen. Das muss anteilsmäßig auch in unseren Bilanzen berücksichtigt werden. Im vergangenen Jahr waren das 25 Millionen Euro. Selbst wenn ein absoluter worst case eintreten würde, der meiner Meinung nach aber gänzlich auszuschließen ist, trifft mich die Bankenabgabe mehr. Und da fragt mich kein Mensch, ob das verkraftbar ist. Ich glaube nach wie vor, dass die Haftung Kärntens schlagend wird.

Verluste musste die RLB auch aus ihrer indirekten Beteiligung an der Raiffeisen Bank International verkraften ...Die Restrukturierungen in der Raiffeisen Bank International sind eingeleitet und ich bin hier sehr zuversichtlich. Aber wir konnten in der RLB OÖ unser Kapital im vergangenen Jahr dennoch stärken, auch im ersten Halbjahr 2015 ist uns das gelungen. Das geht, weil wir darauf schauen, dass wir Geschäfte machen, die weniger Kapital binden, auf Sicherheiten bei Finanzierungen achten und Gewinne in die Kapitalrücklage stecken.

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