© Nathalie Bertrams/Fairtrade/Nathalie Bertrams

Wirtschaft
05/17/2019

Heftiger Preiskampf bei Bananen

Konsumenten greifen öfters zu Bioware, weil sie billiger wurde. Auch die Fairtrade-Bauern profitieren davon.

Dass der steirische Chocolatier Josef Zotter neuerdings aufs Fairtrade-Logo pfeift, hat in der Bilanz von Fairtrade Österreich keine Spuren hinterlassen. Die Umsätze sind 2018 um neun Prozent auf 333 Millionen Euro gestiegen. „Zotter war 2018 noch Partner von uns, aber nicht unser Wichtigster“, erläutert Hartwig Kirner, Österreich-Chef von Fairtrade. „Auch ohne Zotter werden wir heuer wieder ein Plus schaffen“, ist er überzeugt.

Dazu tragen auch die Handelskonzerne bei, die ihre Eigenmarken verstärkt mit dem Siegel schmücken. So hat unter anderem die deutsche Hofer-Mutter Aldi ihre Moser Roth Linie auf Fairtrade umgestellt. „Im Eigenmarkensegment haben wir viele Neuaufträge“, sagt Kirner. Den Vorwurf, dass sein Logo mittlerweile auch bei Diskont-Schokoladen einzieht, versteht er nicht. Die Diskonter würden schließlich große Mengen umsetzen, wovon wiederum die Fairtrade-Bauern profitieren. Zu den größten österreichischen Abnehmern von Fairtrade-Kakaobohnen zählt neben der Confiserie Heindl der Wiener Traditionsbetrieb Manner, der seine Schokobananen mit Fairtrade-Schokolade überzieht. Unter dem Strich trägt das Schokoladesegment 42 Prozent zum Fairtrade-Umsatz in Österreich bei, gefolgt von Bananen mit 18 Prozent.

Diese haben im Vorjahr einen Umsatzsprung gemacht, hinter dem vor allem die Preispolitik der Handelskonzerne steht. Die Lebensmittelhändler haben sich im Vorjahr auf eine Preisschlacht bei Bio-Bananen eingelassen, die dazu geführt hat, dass die Preisdifferenz zwischen Bio und konventioneller Ware immer geringer wurde. In der Folge griffen mehr Konsumenten zu Bio-Bananen, die wiederum in Österreich zu hundert Prozent das Fairtrade-Siegel tragen. Kirner: „Mittlerweile haben wir einen Anteil von 23 Prozent am gesamten Bananenmarkt.“

Kaffeepreis am Boden

Drittgrößter Umsatzbringer (13 Prozent) sind Kaffeebohnen, deren Weltmarktpreise erodieren. Kirner: „Heute kostet Kaffee etwa ein Drittel von dem, was er 2012 gekostet hat.“ Ein Grund dafür sind gute Ernten in Brasilien, den größten Kaffee-Exportland der Welt. Aber auch Spekulanten haben ihre Finger im Spiel. Sie haben nach der Finanzkrise verstärkt in Rohstoffe investiert, mittlerweile aber das Interesse daran verloren. Fairtrade-Bauernkooperativen profitieren von Mindestpreisen, die als Sicherheitsnetz gegen schwankende Weltmarktpreise nach unten dienen.

In Österreich werden übrigens schon 27 Prozent des Fairtrade-Kaffees außer Haus konsumiert. Nach Bäckereiketten wie Ströck haben im Vorjahr u.a. die ÖBB auf die fair gehandelten Bohnen umgestellt und damit zum Umsatzplus von acht Prozent beigetragen.

Rosen und Fruchtsäfte

Weniger gut gelaufen ist es zuletzt bei Rosen. Nachdem Unwetter in Tansania Gewächshäuser und damit ganze Ernten zerstört haben, blieben die Lieferungen nach Europa aus. In Österreich wurden im Vorjahr mit 36,5 Millionen Rosen um vier Prozent weniger  gehandelt als im Jahr zuvor.

Auch bei Fruchtsaftkonzentrat zeigt die Umsatzkurve nach unten (-2 Prozent). Kirner: „Hier bekommen wir die Konkurrenz der Near-Water-Produkte zu spüren, aber auch die Zuckerdiskussion.“ Die Verkäufe von Fruchtsäften würden in Österreich generell schleppend verlaufen.