Hartlauer: Firmen sollen verraten, wie viel Steuern sie zahlen

Robert Hartlauer im Gespräch mit KURIER-Redakteurin Simone Hoepke
Der oö. Elektronikhändler will mit dem Finanzministerium über mehr Steuer-Transparenz verhandeln.

KURIER: Herr Hartlauer, Sie sind ein Technik-Freak. Bestellen Sie auch auf Amazon?

Robert Hartlauer: Nie. Ich kaufe bei Unternehmen, die in Österreich Steuern zahlen.

Die Post hat mit Shöpping eine Online-Plattform für österreichische Firmen gestartet. Sind Sie dort Käufer oder Verkäufer?

Wir waren in Kontakt, aber sie haben zu hohe Gebühren verlangt. Ich halte solche Plattformen aber für eine prinzipiell gute Idee. Allerdings ist auch zu hinterfragen, ob es sinnvoll ist, nur die Post als Logistikpartner zu haben.

Haben Sie bessere Ideen?

Ich finde, man sollte eine Kooperation mit dem Finanzministerium machen.

Wie bitte?

Das Finanzministerium hat Interesse an Steuereinnahmen und weiß, wer wie viel Steuern zahlt. Ich fände es super, wenn das transparent und für jeden abrufbar gemacht wird.

Wozu?

Mit den Steuern wird das Bildungs- und Gesundheitssystem finanziert, der Straßenbau, die Infrastruktur. Firmen, die hier nichts einzahlen, tragen nichts zu diesen Investitionen bei. Das sollte der Konsument sehen. Dann kann er entscheiden, wen er mit seinem Kauf unterstützt.

Haben Sie schon mit dem Finanzministerium darüber geredet?

Es steht auf meiner To-do-Liste. Vielleicht schlage ich es mit einer Gruppe von Unternehmern vor.

Wie viel Steuern zahlen Sie denn?

Das hab ich mir genau ausgerechnet. Es sind 29,4 Prozent meines Nettoumsatzes.

Wie viel Prozent vom Umsatz machen Sie online?

Zehn Prozent, wobei die Zahl nicht viel aussagt. Im Bereich Hörgeräteakustik sind es Null Prozent, in anderen Bereichen viel mehr. Früher war ich ein Elektrohändler, heute macht der Bereich nur noch einen kleinen Teil des Geschäfts aus. Ich bin Dienstleister geworden. Die Ware rückt in den Hintergrund.

Hartlauer: Firmen sollen verraten, wie viel Steuern sie zahlen

Robert Hartlauer ist begeisterter Fotograf

Sie wollten auch zum Verleiher von Kameras und Drohnen werden. Was ist draus geworden?

Der Drohnenverleih läuft mäßig, er wird nicht stark angenommen.

Warum eigentlich?

Sie sind kein Produkt, das man sich schnell mal ausleiht. Man muss sich mit der Technik auseinandersetzen und mit den Einsatzmöglichkeiten. Wer das tut, kauft eine Drohne und leiht sie nicht aus.

Und im Fotogeschäft?

Da sind die Umsätze im Verleih auch nicht durch die Decke gegangen. Die Branche ist mit den Smartphones schwierig geworden. Bei gutem Licht und Weitwinkel liefern die Handys super Qualitäten, nur Fotografen aus Leidenschaft kaufen noch teure Kameras. Dann aber meist richtig teure und es gibt immer mehr Hobby-Fotografen in Österreich.

Sie haben aktuell 160 Standorte – sollen es noch mehr werden?

Nein, aber wir investieren heuer so viel wie nie zuvor ins Filialnetz – insgesamt neun Millionen Euro. Es geht um die Standortoptimierung, unsere Geschäfte müssen immer größer werden, weil wir alle vier Säulen bedienen müssen. Das kostet viel Geld. Zudem investieren wir acht Millionen in eine neue IT, die uns schneller macht, auch in der Warenverfügbarkeit. Als Händler kannst du es dir nicht mehr leisten, langsam zu sein.

Apropos IT: Wo sind eigentlich die Unternehmensdaten von Hartlauer gespeichert?

Noch am Firmenstandort Steyr, aber wir wandern damit in eine Cloud, weil ich überzeugt bin, dass die Daten dort mittlerweile sicherer aufgehoben sind. Wir konzentrieren uns auf unsere Kernkompetenz, Dienstleistung und Service.

Wie viel hat Sie die Datenschutzgrundverordnung gekostet?

Viel Zeit, Kraft und Nerven. Ich kann ja nicht einfach Daten löschen. In der Hörgeräteakustik muss ich zum Beispiel die Daten fünf Jahre für die Krankenkasse speichern, bei Handelsware schaut es anders aus. Alles sehr komplex. Ich glaube nicht, dass irgendein Konsument von der Verordnung profitiert. Er muss ja sowieso immer die Geschäftsbedingungen akzeptieren. Schon beim Herunterladen einer App, da liest doch niemand die 40 Seiten Bedingungen, die er mit einem Hakerl akzeptiert. Wissen Sie worüber ich mich am meisten geärgert habe?

Worüber?

Über die Meldung, dass öffentliche Ämter und Unternehmen von der DSGVO ausgenommen sind. Das wurde einen Monat vor Inkrafttreten der Verordnung bekannt gegeben. Offenbar ist der Staat mit den Anforderungen nicht fertig geworden und hat sich dann eine Ausnahmeregelung geschaffen. Und Unternehmen drohen Strafen von bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes bei Verstößen. Schon cool, oder?

 

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Zur Person: Robert Hartlauer

Die Hartlauer Handels GmbH  mit Sitz in Steyr/OÖ hat 160 Standorte in Österreich und beschäftigt rund 1450 Mitarbeiter. 2017 betrug der Bruttojahresumsatz 260 Millionen Euro.  

Robert Hartlauer, geboren 1975,  hat die Handelskette nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2000 übernommen. Er besucht einmal im Jahr jede Filiale. Hartlauer ist verheiratet und Vater von vier Töchtern. Zu den Hobbys des Familienmenschen zählt  seit seiner Jugendzeit das Camping.

 

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