Robert Hartlauer macht ein Viertel seines Geschäfs mit Smartphones. Die Überwachungsmöglichkeiten sind ihm aber nicht geheuer.

© KURIER/Gerhard Deutsch

Interview
07/18/2015

Hartlauer: "Die Leute geben Geld jetzt lieber aus"

Der Firmenchef über Handytarife, das Geschäft mit Kundendaten und die neue Lust am Fotografieren.

von Simone Hoepke

KURIER: Gehen Sie eigentlich gerne einkaufen?

Robert Hartlauer: Werkzeug einkaufen macht mir Spaß – das würde ich mir nicht nehmen lassen. Der Lebensmitteleinkauf ist etwas anderes. Wenn es ein App geben würde, das automatisch immer Butter, Milch, Salat nachbestellt, wäre mir geholfen. Als Lebensmittelhändler oder Drogeriemarkt würde ich mir wirklich Sorgen um mein stationäres Geschäft machen. Ich glaube, sobald es die Zustellmöglichkeiten gibt, werden viele Lebensmittel online bestellen. Ich kann mir gut einen Online-Anteil von 50 Prozent vorstellen.

Wie hoch ist der Online-Anteil bei Ihnen?

Unter zehn Prozent. Auch bei uns werden Apps ein Thema werden. Ich stelle mir Apps vor, die mittels Scan erkennen, in welchem Geschäft man von welchem Verkäufer bedient wurde und eine Telefonverbindung zu ihm herstellen, wenn es zuhause noch Fragen gibt.

Sie machen laut eigenen Angaben rund ein Viertel Ihres Geschäfts mit Smartphones. Wird telefonieren teurer werden?

Im internationalen Vergleich sind wir noch günstig. Die Netzbetreiber hatten Geld und konnten deswegen günstige Tarife und Handys anbieten.

Ist das jetzt vorbei?

Verdient haben sie unter anderem beim Roaming, weil unterm Strich mehr Touristen bei uns Gebühren gezahlt haben als wir im Ausland. Zudem waren SMS eine Cash-Cow, was sich mit WhatsApp auch aufgehört hat.

Und jetzt?

Das neue Geschäft der Netzbetreiber ist vor allem das Datenvolumen. Ein weiterer neuer Geschäftszweig für Netzbetreiber und andere Datensammler wie Google und Co ist der Handel mit anonymisierten Bewegungsdaten von Nutzern. Diese sehe ich persönlich eher kritisch.

Weil mit Smartphones jeder überwacht werden kann?

Ja, leider schon. Der Hardwarehersteller und der Softwarehersteller des Betriebssystems (Google oder Apple) und der Netzbetreiber haben sämtliche Bewegungsdaten ihrer Kunden und dürfen diese auswerten und die Erkenntnisse daraus anonymisiert weiterverkaufen.

Auch Händler lesen Daten aus ...

Amazon liest alle Cookies aus – das heißt sie schauen sich an, was die Besucher auf ihrer Seite jemals zuvor auf anderen Seiten und speziell auf Google gesucht haben. Daraus machen sie dann entsprechende Angebote. Meine Homepage könnte das auch. Aber Hartlauer macht das nicht.

Warum nicht?

Das halte ich nicht für vertretbar. Ich schau einer Kundin ja auch nicht ins Handtascherl, wenn sie aufs WC geht. Irgendwann werden es sich die Kunden auch nicht mehr gefallen lassen, dass sie so ausspioniert werden. Davon bin ich überzeugt.

Wie viel Prozent vom Umsatz machen Sie noch mit Optik?

Wir machen jeweils ein Viertel mit Smartphones, Fotoartikeln, Hörgeräten und Optik.

Und in welchem Bereich verdienen Sie am meisten?

Das sag ich nicht. Diese Freiheit hab ich als Familienunternehmen gegenüber Konzernen.

Ist das Fotogeschäft stark rückläufig, seitdem alle mit dem Smartphone fotografieren?

Vor 15 Jahren haben alle gesagt, die Fotografie ist tot. Das Gegenteil ist der Fall, es wurde noch nie so viel fotografiert wie heute. Im Preiseinstiegssegment haben die Smartphones die Kameras abgelöst, aber im oberen Preissegment steigen die Verkaufszahlen.

Fotografiert wird mehr, ausgearbeitet aber weniger, oder?

Früher wurde nur anlassbezogen fotografiert, heute quasi immer und überall. Da wird unterm Strich auch mehr ausgearbeitet.

80 Prozent Ihrer Läden sind in Altstädten. Sind Ihnen die Mieten in den Einkaufszentren zu teuer?

Da geht es auch ums Einkaufserlebnis. Es macht ja einen Unterschied, ob man einen Kaffee am Hauptplatz trinkt oder in einem belüfteten Einkaufszentrum sitzt. In den USA bauen sie jetzt schon Städte nach, um ein Einkaufsflair zu schaffen. In Istanbul hat ein Einkaufszentrum mit angeschlossenem Marktplatz mit Lokalen aufgemacht.

Mitunter sitzt man am Hauptplatz aber auf Nadeln, weil der Parkschein ausläuft ...

Bürgermeister sollten vielleicht einmal überlegen, weniger ins Stadtmarketing zu investieren und dafür Gratisparkplätze anzubieten. In vielen Städten wird der Handel wirklich sträflich vernachlässigt. Vor allem wenn es viele Industriebetriebe gibt, die viel Kommunalsteuern zahlen. In Tourismusgemeinden ist das noch anders.

Die Einzelhandelsumsätze steigen seit Jahren nicht mehr, die Leute halten das Geld zusammen. Merken Sie das auch?

Eigentlich nicht. Ich habe manchmal eher das Gefühl, die Leute geben das Geld jetzt lieber aus, als zu sparen.

Firma mit vier Standbeinen

Der Händler mit Sitz in Steyr hat 161 Standorte in Österreich und beschäftigt rund 1450 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2014 ist der Umsatz um 5,5 Prozent au 244 Millionen Euro gestiegen, das Ergebnis (EGT) von 1,9 auf 2,4 Millionen Euro. Das Unternehmen wurde 1971 von Franz Josef Hartlauer gegründet und war anfangs auf den Fotobereich spezialisiert. Später kamen auch Optik, Handys und Hörgeräteakustik dazu.

Robert Hartlauer, geboren 1975, hat das Unternehmen nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2000 übernommen. Angefangen hat der ausgebildete Optiker im Verkauf, einmal im Jahr besucht er jede Filiale. Hartlauer ist verheiratet und Vater von vier Töchtern. An mindestens vier Tagen in der Woche ist er abends bei seinen Kindern zuhause, betont er. Zu seinen Hobbys zählt seit seiner Jugendzeit das Camping.
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