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Wirtschaft
03/21/2019

Harter Brexit: Wer in Österreich wie viel verlieren würde

Studie: Chaos-Brexit würde die Salzburger mit 90 Euro pro Kopf fast doppelt so viel kosten wie Burgenländer (52 Euro).

Auch wenn derzeit keiner weiß, wie der Brexit aussehen und wann er vollzogen wird: Der wirtschaftliche Schaden durch einen ungeregelten Austritt Großbritanniens aus der EU wäre beträchtlich.

Demnach müsste sich Österreich auf Einbußen der Bruttoeinkommen in Höhe von 724 Millionen Euro einstellen - ein noch vergleichsweise überschaubarer Betrag.  Die Deutschen würde ein Einkommensverlust von fast 10 Milliarden Euro jährlich treffen, analysiert eine Studie der deutschen Bertelsmann-Stiftung in Gütersloh.

Salzburg stark betroffen, Burgenland wenig

Anschaulicher sind die Pro-Kopf-Beträge. Für die Österreicher wären demnach Einbußen von durchschnittlich 83 Euro zu erwarten. Die Bundesländer wären aber recht unterschiedlich betroffen: Am größten wäre der Schaden in Salzburg mit 90 Euro pro Kopf, am geringsten im Burgenland mit 52 Euro.

Das liegt vor allem an der unterschiedlichen Wirtschaftsstruktur und Exportabhängigkeit der Regionen. So wären Wien und Vorarlberg mit jeweils 85 Euro Einkommenseinbußen stärker betroffen als Niederösterreich (-62 Euro) oder Kärnten (-63 Euro).

Nach Ländern betrachtet wäre der Schaden für die Briten klarerweise am größten. Auf das Vereinigte Königreich käme laut der Simulation bei einem No-Deal-Austritt ein jährlicher Einkommensverlust von 57 Milliarden Euro zu - umgerechnet 875 Euro pro Einwohner.

Fast ebenso hart erwischen würde es die Iren (minus 726 Euro), die ökonomisch eng mit den britischen Nachbarn verbandelt sind. Auf Luxemburg und Norwegen, Schweiz, Schweden, Island, Dänemark, Niederlande und Belgien käme ebenfalls ein spürbarer Schaden zu.

Im stark exportlastigen Deutschland wären die Pro-Kopf-Einbußen mit statistisch rund 115 Euro ebenfalls größer als in Österreich.

In absoluten Beträgen wäre nach Großbritannien (57 Mrd. Euro) Deutschland mit knapp 10 Mrd. Milliarden am stärksten belastet, gefolgt von Frankreich und Italien. Auf fast 8 Milliarden Euro weniger müssten sich die Franzosen und auf gut 4 Milliarden Euro weniger die Italiener gefasst machen, sagt die Studie voraus.

May-Deal verringert Schäden

Ein geordneter Brexit mit Austrittsabkommen würde die negativen Auswirkungen deutlich abmildern, betonen die Autoren. Sie hatten auf Basis von amtlichen Handelsdaten in zwei Szenarien - Brexit mit oder ohne Vertrag - Einkommensentwicklungen geschätzt, auf Grundlage erwarteter Veränderungen beim Bruttoinlandsprodukt.

Als Gründe für die erwarteten Verluste nennen sie Zölle, die Waren verteuerten, aber auch einen wohl sinkenden Wettbewerb in Europa mit negativen Folgen für Preis- und Lohnentwicklung.

Fast 10 Milliarden Euro absoluter Einkommensverlust für Deutschland jedes Jahr sei ein hoher Wert, entspreche aber nur etwa 0,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, erläuterte Mitautor Dominic Ponattu.

Bei einem vertraglich geregelten Austritt sieht die Simulation weit weniger negative Auswirkungen. Für Deutschland nehme man dann Einkommensverluste von rund 5 Milliarden Euro an. Auch für die gesamte EU (ohne Großbritannien) würde sich der Verlust in etwa halbieren - auf geschätzte 22 Milliarden Euro.

USA, China, Russland profitieren

Profitieren könnten wohl die USA und China mit jährlichen Milliarden-Einkommenszuwächsen, einen leichten Anstieg erwartet die Studie auch für Russland. Ponattu sagte, werde der Handel innerhalb Europas teuer, würden die „Wirtschaftsbeziehungen mit dem Rest der Welt“ attraktiver.

Stiftungsvorstand Aart de Geus mahnte, London und Brüssel sollten den Ausstieg unbedingt vertraglich regeln. Das Fundament des weltweit größten gemeinsamen Wirtschaftsraums drohe schwer beschädigt zu werden.