Der Wettergott hat den Modehändlern einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Folge waren Abverkäufe

© APA/BARBARA GINDL

Wirtschaft
01/30/2019

Handel: Preisverfall im Elektronik-Geschäft

Volle Lager drückten auf die Preise. Auch im Modehandel lagen Pullis wie Blei in den Regalen.

von Simone Hoepke

2018 scheint ein gutes Jahr für die Anschaffung von Fernsehern gewesen zu sein. Laut der KMU-Forschung Austria war der Elektronikhandel die einzige Branche, die im Vorjahr einen Preisverfall hatte. „Sie haben um 0,4 Prozent mehr verkauft, aber um zwei Prozent weniger umgesetzt“, rechnet Ernst Gittenberger von der KMU-Forschung Austria vor.

Schuld ist aus Sicht von Spartenobmann Wolfgang Krejcik unter anderem der ursprünglich von Online-Händlern forcierte Black Friday. Was mit einem Aktionstag begann, weitet sich mittlerweile zu einer ganzen Aktionswoche aus. „Ausländische Anbieter haben damit begonnen, österreichische Händler müssen mitspielen. Das spiegelt sich in den Preisen wider“, sagt Krejcik.

Preisspirale dreht sich

Obendrein sei das TV-Geschäft trotz des WM-Jahres 2018 weit schlechter gelaufen als Händler dachten. Die Folge: Großkonzerne haben ihre Überkapazitäten abverkauft und damit die Preisspirale nach unten in Gang gesetzt. „Letztlich hatten wir ein Minus von bis zu acht Prozent im TV-Geschäft. Klingt nach keiner Katastrophe, aber Fernsehgeräte sind nun mal Massenware“, sagt der Branchensprecher.

 

Nicht nur Elektrohändler, auch Mode- und Schuhhändler standen 2018 auf der Verliererseite. Die Gründe sind altbekannt. Onlinehändler jenseits der Landesgrenzen ziehen Umsätze ab, zudem hat der Wettergott nicht mitgespielt. Die Herbstware lag dank des sonnigen Spätsommers wie Blei in den Regalen. Für Baumarkt-Manager war das schöne Wetter dagegen Bares wert. Der Jahresumsatz lag 5,1 Prozent über dem Vorjahresniveau – damit stehen der Bau- und Handwerkerbedarf im Branchenranking am Siegerpodest. Gefolgt von Sportartikel- und Lebensmittelhändlern (plus 2,3 bzw. 1,6 Prozent). Die Lebensmittelhändler – Rewe, Spar und Hofer teilen sich 85 Prozent des Marktes – bleiben damit das wichtigste Zugpferd in der Handelslandschaft. Ein Drittel des Branchenumsatzes geht auf ihr Konto.

 

Web-Shops ziehen an

Unter dem Strich zieht Handelsobmann Peter Buchmüller für den stationären Einzelhandel dennoch eine positive Jahresbilanz. „Der Bruttoumsatz lag bei 71,7 Milliarden Euro und damit um ein Prozent über dem Vorjahresniveau.“ Dazu kommen 3,3 Milliarden Euro, die österreichische Online-Shops umgesetzt haben. Das könnte aber noch viel mehr sein, moniert Bundesspartengeschäftsführerin Iris Thalbauer. „Die Österreicher geben 7,3 Milliarden Euro beim Online-Shopping aus, aber davon fließen vier Milliarden auf ausländische Konten.“ Die Politik müsse in Steuerfragen für Chancengleichheit zwischen den Händlern sorgen, fordert daher Thalbauer einmal mehr.

Was sie freut, ist die Entwicklung der Lehrlingszahlen. Zu Höchstzeiten hat die Branche um die 20.000 Jugendliche ausgebildet, aktuell – nach einer Dekade mit sinkenden Zahlen an Auszubildenden – sind es nur noch 15.000. Die Branche hat bei der Kollektivvertragsrunde im Herbst mit einer Anhebung der Lehrlingsentschädigung von durchschnittlich zehn Prozent reagiert. Die Lehrlingsentschädigungen liegen nun bei 650 Euro im ersten Lehrjahr, 830 im zweiten, 1000 im dritten und 1150 im vierten Lehrjahr. Das Plus am Gehaltskonto hat wohl mitgeholfen, die Lehrlingszahlen wieder um 4,6 Prozent nach oben zu schrauben. Auch neue Lehrberufe gehen an den Start – wie der E-Commerce-Kaufmann.

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