Wirtschaft
27.01.2015

Ab dem 20. ist die Haushaltskasse leer

Belastungsdebatten der Regierung dämpfen die Konsumlaune, die Umsätze sinken.

Verunsicherung ist Gift für den Konsum", sagt Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes. Angesichts der politischen Debatten um neue Belastungen wundert es ihn nicht, dass die Österreicher im Vorjahr weniger eingekauft haben. Unterm Strich steht in der Bilanz ein Branchenumsatz von 55,4 Milliarden Euro und damit ein reales Minus von 0,5 Prozent. Die Geschäfte setzen bereits das dritte Jahr in Folge real weniger um.

"Die Regierung sägt mit ihren Belastungsdebatten an der Konsumstimmung", sagt Mayer-Heinisch. Auch für das laufende Jahr sieht er keine Anzeichen für eine Erholung. "Unseren Kunden geht am 20. des Monats das Geld aus. Das ist die Wahrheit, auch wenn es die begnadeten Schönredner in der Politik nicht sagen wollen."

Die Zahlen der KMU Forschung Austria sind jedenfalls ernüchternd. In sechs von neun Bundesländern haben die Handelsbetriebe im Vorjahr weniger umgesetzt als noch 2013, allen voran in Wien (-0,9 Prozent). Laut einer Erhebung der Wirtschaftskammer Wien bleibt den Einwohnern der Bundeshauptstadt aufgrund steigender Lebenshaltungskosten schlicht weniger Geld zum Shoppen. Zudem rollt der Rubel nicht mehr so wie früher, als noch mehr russische Touristen nach Wien einkaufen kamen.

Grenztouristen

Im Bundesländervergleich konnten 2014 lediglich die Händler in Kärnten, Salzburg und Vorarlberg mehr Geschäft machen als im Jahr zuvor. Die Vorarlberger (+0,2 Prozent) haben das vor allem den Schweizern zu verdanken, die ihre Franken im Ländle ausgeben. Im Branchenvergleich geht einmal mehr der Handel mit Drogerie- und Parfümerieartikeln als Sieger hervor. Ein Grund dafür ist allerdings noch immer der Wegfall von Schlecker bzw. dayli aus dem Markt. Das hat die Umsätze der verbliebenen Konkurrenten beflügelt. Am anderen Ende des Branchenrankings steht der Sportartikelhandel, der unter anderem unter der fürs Geschäft schlechten Witterung im 1. und im 4. Quartal gelitten hat.

Mehr Packerl

Handelsobfrau Bettina Lorentschitsch ist dennoch optimistisch, dass sich heuer "ein kleines Plus" ausgeht. Gut gelaufen ist es 2014 im Onlinehandel, der ein Umsatzplus von sieben Prozent auf 3,1 Milliarden Euro ausweist. Auch im Weihnachtsgeschäft gab es letztlich ein hauchdünnes Plus von 0,5 Prozent auf 1,6 Mrd. Euro.

Lorentschitsch betonte bei der Präsentation der Bilanz einmal mehr, dass der Handel ein Jobmotor bleibt. Im Vorjahr stieg die Zahl der Beschäftigten um 1,3 Prozent auf 326.100. Allerdings arbeiten 46 Prozent Teilzeit.

Qualitätsvorgaben für die Fische

Seine Kinder nennen ihn „Verleihnix“. So heißt der gallische Fischhändler in den Asterix-Heften. Ferdinand Trauttmansdorff beliefert Interspar-Märkte mit Karpfen- und Welsfilets von seinem Gut Dornau. Anders als die Comic-Figur legt er großen Wert auf frische Produkte und beste Qualität. Insgesamt 12 Fischzüchter in ganz Österreich haben Verträge mit der Handelskette Spar.

Seit 2009 setzt Spar beim Fisch auf Nachhaltigkeit. Die Kriterien dafür stammen vom World Widelife Fund ( WWF). 2012 fielen laut WWF 14 Prozent der 400 bei Spar verkauften Fischsorten in die Kategorie „Lieber nicht kaufen“. Entweder sind die Bestände zu gering oder die Fischzucht ist problematisch. Lediglich 45 Prozent fielen in die WWF-Kategorie „Gute Wahl“.

Im vergangenen Jahr hat der WWF bereits 70 Prozent als „Gute Wahl“ ausgewiesen. 22 Prozent sind weitgehend unproblematisch. Vom Kauf von fünf Prozent wird abgeraten. Laut WWF-Experte Axel Hein geht es dabei um Sardinen und Makrelen, die vor der Küste Marokkos gefangen werden. Die Bestände sind geschrumpft. Dieser Trend kann sich aber wieder umkehren. Hein sieht daher „keinen unmittelbaren Handlungsbedarf“. Spar-Vorstandsvorsitzender Gerhard Drexel nannte zwei Vorzeigeprojekte: Thunfische, die vor den Philippinen mit der Angel statt mit dem Netz gefangen werden und die Zucht von Biogarnelen in Ecuador.